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29. Januar 2010, 12:25 Uhr

Sollen wir Homeschooling erlauben?

Pro und Contra

In Deutschland muss jedes Kind zur Schule gehen, Ausnahmen gibt es nicht. Eine zu strenge Regelung? Sollte Heimunterricht zugelassen werden? Ja, findet Sönke Wiese. Nein, sagt Roman Heflik.

Bildungspflicht, aber kein Schulzwang!

Familie Romeike aus Bissingen hat den Homeschooling-Befürwortern einen Bärendienst erwiesen. Weil die Eltern Romeike ihre Kinder in Deutschland nicht zu Hause unterrichten dürfen, haben sie in den USA Asyl beantragt. Prompt befand ein amerikanischer Richter, sie würden in Deutschland aufgrund ihres Glaubens verfolgt.

Christenverfolgung in Deutschland? Das ist natürlich Quatsch. Damit hat die Familie mal wieder das Klischee bestätigt, dass Homeschooling-Eltern scheinbar vor allem christliche Fundamentalisten sind, die sich in einem ewigen Kampf gegen den Staat und die aufgeklärte Gesellschaft wähnen. Wer dafür seine Kinder missbraucht, darf sich nicht über sture Behörden wundern, die auf eine Durchsetzung der Schulpflicht pochen.

Doch der Fall lenkt von der entscheidenden Frage in der Homeschooling-Debatte ab: Soll es einen Schulzwang ohne jede Ausnahme geben oder lediglich eine Bildungspflicht? Die meisten europäischen Länder haben dazu eine klare Haltung: Eine Bildungspflicht reicht. Die Lehrinhalte werden vorgeschrieben, die Form des Unterrichts nicht. Beispielsweise in Österreich überprüfen staatliche Stellen regelmäßig den Wissensstand der privat unterrichteten Schüler. Wer durchfällt, muss auf die Schule.

Auch in Deutschland gibt es Kinder, die mit den starren Strukturen der Schule nicht klar kommen, dort schlecht lernen oder zu gemobbten Außenseitern werden. Wenn in solchen Fällen das häusliche Umfeld eine bessere Bildung gewährleistet, muss es die Möglichkeit des Heimunterrichts geben. Tatsächlich sind die meisten Homeschooling-Befürworter engagierte Eltern, die sich mehr Gedanken über Bildung und Erziehung machen als die durchschnittliche Bevölkerung. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass zu Hause unterrichtete Kinder im Schnitt leistungsschwächer als ihre Altersgenossen oder sozial isoliert wären.

Kinder sind nun mal unterschiedlich gestrickt. Der Staat sollte anerkennen, dass Schule oder schulähnliche Einrichtungen nicht immer die optimale Förderung bieten. Deutschland sollte so liberal wie seine Nachbarn werden und alternative Lernformen zulassen. Ein grundsätzliches Recht auf Heimunterricht würde nicht die Gesellschaft erschüttern. Wenn in Einzelfällen religiöser Fundamentalismus die Entwicklung der Kinder gefährdet, können die Behörden immer noch einschreiten. Am Ende kommt es nur auf eines an: auf das Wohl der Kinder.

KOMMENTARE (10 von 59)
 
Klarissimo (31.01.2010, 11:35 Uhr)
@franz
Sie sagen "Recht" und meinen "Pflicht".
Das ist wie das "Recht auf Liebe" mit einer Vergewaltigung umzusetzen. PFUI

Da flüchten Familien unter großen Belastungen weil das Angebot hier nicht zutraf und sie sagen einfach so ins Blaue: Das Angebot reicht.

Auf diese Weise bekommt man zwar einen KURZEN Kommentar, aber eben auch einen oberflächlichen, nichtssagenden.
Freundlich ausgedrückt.
franzjosefalbert (31.01.2010, 10:34 Uhr)
Schulpflicht
Jeder Schüler hat auch das Recht auf eine Klassengemeinschaft und Schulfreundschaften.
Das erlebt der zu Hause unterrichtete Schüler nicht!
Die Vielfalt der Schulen ist durch die Ergänzung durch vielerlei Privatschulen gegeben, deshalb braucht es kein Recht auf häusliche Unterrichtung.
Klarissimo (30.01.2010, 21:56 Uhr)
...
Ich kenne diese hilflosen Versuche einfach nur einen originellen Spruch zu machen und überlegen zu wirken.
Aber als Stichwortgeber eignen sich auch diese Leute.

Nein, früher war nicht ALLES besser. Aber eben manches und um das geht es. Viele geben Ihr Geld aus für "modisches" "Retro"-Design aus, das ist Unsinn, "Mode", dagegen ist Suche nach Verbeserung sinnvoll. Das schliesst aber mit ein, auch wieder an einen Punkt zurückzukommen, wenn man z.B. in eine Sachgasse geraten ist. Und um genau das geht es hier, keine "Rückwärtsgewandheit" sondern schlichtweg Vernunft. Ich habe nur drauf gewartet bis dieser plumpe Vorwurf als Stichwort kam, danke.

Ich behaupte: Man müßte nur mal den Leuten wirklich mal den Wandel der Schulbücher und Medienangebote im Verlauf aufzeigen und daneben den Verlauf der Fallzahlen bei Gewalt- und Drogendelikten und den Anstieg bis auf 20 % als psychisch krank geltende Kinder und vieles mehr, dann würde dem Volk diese penetrante Hexenpädogogik mit Hexen hier und Hexen da neben vielem anderen so als das auffallen, was sie ist, eben alles andere als seriös und "wissenschaftlich", wenn mans nicht schon ironisch als Schimpfwort meint.
Die Aufgabe ist eben dieses "Der Spur nach träumen" mit Informationen zu ersetzen. Beim Öttinger-Slapstick als er "duhs wot he pliesis", war bei den 6000 Kommentaren zum Video gut zu sehen, wie Leute zutiefst erschüttert waren, weil sie aus einer Traumwelt vorher nur "gefühlter Realität" aufgeweckt wurden. Hallo!
SethusCalvisius (30.01.2010, 20:34 Uhr)
@Klarissimo
Sie haben anscheinend viel Zeit. Die sollten Sie aber lieber zum Nachdenken nutzen als dazu, hier ellenlange Kommentare einzustellen, die man ganz leicht in einem Satz zusammenfassen kann:
"Früher war alles besser"
Ganz ehrlich gesagt hatte ich bisher keine feste Meinung zum Homeschooling. Aber nach dem Lesen Ihrer Beiträge macht mir der Gedanke Sorge, Menschen mit Ihren verqueren Ansichten würden ihre Kinder ganz alleine erziehen.
Klarissimo (30.01.2010, 17:37 Uhr)
Und eigentlich:
Ich gehe sogar noch weiter: Die Homeschool-Erlaubnis sollte nur ein Minimalziel sein.
Gerne würden die Christen ihre Kinder in öffentliche Schulen schicken KÖNNEN.
Was ist das nur für eine Diskussion. Es geht ja gar nicht um Konfessionsschulen und Missionierung, sondern nur um bewährte Erziehungsformen im Gegensatz zu solchen, die sich als katastrophale Fehlentwicklung offen abzeichnen. Es sind ja oft nur Kleinigkeiten die eine Einigung verhindert haben soweit ich weiß. Und da braucht es offensichtlich die schonungslose Zurechtstutzung dieses bankrotten Erziehungssystems. Heute wird ein Perpetuum Mobile der Verschlechterung betrieben, man muss sich nur mit gesundem Menschenverstand die Fakten anschauen. Ich spreche für keine Gruppe, aber mir ist das viel zu bittstellerisch. Hier geht es um einen absoluten Bankrott eines Ideologie-Systems aufgrund dessen Folgen Leute um Schaden abzuwenden flüchten mussten. Fam. Romeike hat dafür Schadensersatzz zu erhalten und dann muss der Bankrott des System hier so abgewickelt werden, dass Fam. Romeike ohne jedwede Nachteile so zu stellen ist, als ob die Flucht nicht stattgefunden hätte.
Das heißt nicht dass die Zukunft sich an den individuellen Wünschen der Fam. Romeike orientieren müsste, aber es heißt dass das alte System erkennbar schädlich ist und somit die Flucht notwendig war. Aber nein, nicht das Homeschooling sollte das Ziel sein, nur die Erlaubnis dazu, aber dann vorrangig wieder solche Schulen, wohin man mit gesundem Menschenverstand seine Kinder auch schicken kann.
Diese falsche vorauseilende Bescheidenheit führte nämlich postwendend zu den Vorwürfen wir würden ein "Ghetto" wollen. Nein wir wollen dass man den offensichtlichen Bankrott zugibt und dann wieder Zustände, in denen die Schulen so sind, dass sich Fragen des Zwangs oder Boykotts gar nicht stellen, denn früher haben sie sich auch nicht gestellt.
Klarissimo (30.01.2010, 17:01 Uhr)
@Johann
Missionierung?
Probleme von selbst?
religioese Bevormundung?
Das Christentum hat Not gebracht?
Die Schul P F L I CH T hat Kindern zu Bildung und Erfolg verholfen?


Sie interpretieren und assoziieren mehr als sie lesen.
Wir reden über den Zustand vor 30 Jahren und was danach massiv verschlechtert wurde, nicht über "Das Christentum" der Inquisition oder Conquista, was übrigens kein Christentum war, weil es gegen die Bibel verstiess die solches Unrecht verurteilt.
Die SchulPFLICHT war eine Nazi-Erfindung, das ist jetzt wiederum mir zu "konservativ", wobei dieses Beispiel zeigt dass sie gefühlsmässig und plakativ über Dinge reden, von denen Sie offensichtlich nicht viel verstehen und dann an meinen Argumenten, die sie nicht entkräften können, vorbei, einfach so dem Gefühl und der Spur nach reden.

Mit dem Zustand der Schulen vor 30 Jahren hätte Fam. Romeike hier leben können. Und das war keine "Steinzeit"
Seither wurde es immer schlechter, aber nicht nur subjektiv in den Augen von von Ihnen abgelehnten Gläubigen, sondern nachweisbar gesamtgesellschaftlich und für alle Kinder.

Sie verteidigen ohne Fakten und an der Sache vorbei frei nach Gefühl gerade Ihre Weltanschauung, weil meine Ausführungen diese berechtigterweise erfolgreich angekratzt haben. Danke für das Kompliment.
Johann58 (30.01.2010, 16:14 Uhr)
wo geht denn die Diskussion hin?
wir brauchen keine Mennonitsche oder sonstige erzkonservavite Missionierung. Wenn Eltern ihre Kinder nicht von Anfang an vernuenftig erziehen und auf ein vernatwortungsvolles Leben vorbereiten, dann kommen die Probleme von selbst.

Ich wehre mich hier gegen jede religioese Bevormundung. Das Christentum hat so viel Not, Leid und Elend ueber die Menschheit gebracht dass in mir die Wut hochstaeigt, wenn ich lese was hier manche schreiben.

Die Schulpflicht und darum geht es hier hat unzaehligen Kindern die Chance zu Bildung und Erfolg veholfen uns sie hat mit der Mithilfe der Eltern, was uebrigens schon immer so war nach wie vor seine Berechtigung.
Klarissimo (30.01.2010, 14:34 Uhr)
@ Sethus
Was schon Marx und Engels in ihrem Manifest der Kommunistischen Partei 1848 OFFEN DESTRUKTIV ausgerufen hatten (?Aufhebung der Familie!? ?Wir heben die trautesten Verhältnisse auf, indem wir an die Stelle der häuslichen Erziehung die gesellschaftliche setzen.? ?Der Kommunismus schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral ??),11 das setzten die Neomarxisten durch die unheilvollen, familienfeindlichen Gesetzgebungsänderungen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt und durch die antiautoritäre, ?Emanzipatorische Pädagogik? konsequent fort. So heißt es im Zweiten Familienbericht der (SPD) Bundesregierung von 1975: ?Erziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ? Die Wahrnehmung dieser Aufgabe überträgt unsere Gesellschaft (d.h. der Staat) Familien und außerfamilialen pädagogischen Einrichtungen.? Weiter heißt es: ?Die Familie tradiert und stabilisiert das bestehende System sozialer Ungleichheit. Dies ? lässt sich nur in dem Maße durchbrechen, in dem der Sozialisationseinfluss der Familie zurückgedrängt wird.? (S.120 und 71) Das natürliche Erziehungsrecht der Eltern und die ?elterliche Gewalt? über ihre Kinder wurden beseitigt zugunsten des nun vorrangig geltenden ?Erziehungsauftrags des Staates.?

Siegmund Freud: ?Kinder, die sexuell stimuliert werden, sind nicht mehr erziehungsfähig? (1905. Ges. Werke VII, S. 149), und dass es ohne Zügelung des Geschlechtstriebes keine Kultur, keine funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehungen, keine wirtschaftliche Leistung, keinen Fortschritt gebe (siehe hierzu Freuds Schrift ?Das Unbehagen in der Kultur? und Herbert Marcuse in: ?Triebstruktur und Gesellschaft? 1955/1965, S. 82 und S. 9)
Und wie nützen unsere 68-er das destruktiv?
Der einflussreiche neomarxistische Professor Gamm lehrte OFFEN DESTRUKTIV: >Wir brauchen die sexuelle Stimulierung der Schüler, um die sozialistische Umstrukturierung der Gesellschaft durchzuführen und den Autoritätsgehorsam einschließlich der Kindesliebe zu den Eltern gründlich zu beseitigen.<
Immer und immer wieder das gleiche ideologische Ziel (bzw. okkult-religiöse Teil-Ziel), Zerstörung der NORMALEN Familien.

Dass das alles irgendwann Wirkung zeigt ist klar. Die heute versagenden Eltern sind bereits Opfer dieser gezielt destruktiven Machenschaften genau der Branche, die heute als scheinheilige Experten mit zusätzlich über die Realität hinaus in Medienkampagnen dramatisiertem "Elternversagen" dieses als Vorwand für die Perfektionierung der Kinderverstaatlichung missbrauchen.
SethusCalvisius (30.01.2010, 14:09 Uhr)
@Klarissimo
Nette Schuldzuweisung.

Haben Sie auch einmal überlegt, wer diese Kinder erzogen hat, die in der Schule durch Gewalt oder Drogen auffallen? Werden Kinder nicht zu einem großen Prozentsatz von ihren Eltern erzogen?

Im übrigen sollte man nicht immer nur die schlechten Entwicklungen sehen. Ich bin froh, dass meine Kinder heute zur Schule gehen dürfen und nicht vor 50 Jahren. Ich glaube, wenn wir nur mal ein paar Wochen in einer Welt vor 1968 leben müssten, würde so mancher seine Meinung ändern.
Tiburon_Blanco (30.01.2010, 13:31 Uhr)
@giangastone
ich stimme dir absolut zu. Darauf will ich ja hinaus. Unser System ist nicht gesund und die Schulen leisten einfach nicht das was sie sollen. Daran muss einfach gearbeitet werden aber das verweigert die Politik seit Jahren.

Ich sehe das so genannte "Homeschooling" durchaus auch als Alternative die man einfach in Betracht ziehen muss - und das wirklich nicht aus religiösen Gründen. Letztendlich verbringe ich täglich mindestens 2-3 Stunden damit meinen Kindern zusätzlich das zu vermitteln was in der Schule einfach nicht geschafft wird.

Vor allem müssen wir aber von der Polarisierung weg und das Unterrichten von Kindern zu Hause nicht auf religöse Extremisten beschränken, sondern es als mögliche Alternative im Sinne unserer Kinder sehen, denn wenn wir das was an Schulen derzeit nachmittags gemacht wird, was Eltern sowieso schon leisten und auch das was inzwischen durch gewerbliche Nachhilfe dazu kommt, dann haben wir doch längst Homeschooling mit ein bischen staatlich verordneter Schule am Vormittag.
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