29. August 2012, 20:25 Uhr

Jugendliche greifen Rabbiner und dessen Kind an

Mitten in Berlin ist ein Rabbiner von jungen Männern verprügelt und beleidigt worden. Der Tochter des Mannes drohten die vermutlich arabischstämmigen Angreifer den Tod an. Die Tat löste Entsetzen aus.

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Ein Mann mit einer Kippa. Das Opfer trug ebenfalls eine solche jüdische Kopfbedeckung und wurde vermutlich deshalb von den Tätern ins Visier genommen.©

Vermutlich arabischstämmige Jugendliche haben in Berlin einen Rabbiner der Jüdischen Gemeinde vor den Augen seiner Tochter zusammengeschlagen und antisemitisch beleidigt. Dem kleinen Mädchen drohten sie mit dem Tod. Der 53-Jährige sei am Dienstagabend mit der Sechsjährigen auf einer Straße im Stadtteil Schöneberg unterwegs gewesen, als die vier Jugendlichen ihn angriffen hätten, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit.

Der Polizei zufolge hatte einer der jungen Männer "vermutlich arabischer Herkunft" den Rabbiner mit der Frage: "Bist du Jude?" auf der Straße angesprochen. Die Frage stellte er offenbar, weil der 53-Jährige eine traditionelle jüdische Kopfbedeckung, die Kippa, trug. Der Angreifer habe dem Rabbiner und seiner Tochter den Weg verstellt. Drei weitere Jugendliche, "vermutlich Landsleute des ersten", kamen den Angaben zufolge hinzu und stellten sich hinter den Vater und seine Tochter. Der erste Jugendliche habe mehrmals zugeschlagen und den Mann am Kopf verletzt. Nach Angaben der Polizei beleidigten die Täter ihr Opfer sowie seine Religion und bedrohten die Sechsjährige mit dem Tod. Danach seien sie geflüchtet.

Der verletzte Rabbiner kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Opfer engagierte sich für interreligiösen Dialog

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte die Tat als "feigen Überfall". Es handele sich um eine Attacke auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt", erklärte er. Innensenator Frank Henkel (CDU) versicherte: "Solche Taten werden von den Sicherheitsbehörden unnachgiebig verfolgt."

Das Jüdische Forum zeigte sich "sehr betroffen über die Gewalttat". Laut Forum-Sprecher Levi Salomon handelte es sich bei dem Opfer um "einen der ersten Rabbiner, die nach dem Holocaust in Deutschland ordiniert wurden". Er sei als Religionslehrer an einer Jüdischen Schule tätig und engagiere sich seit Jahren für den interreligiösen Dialog mit Muslimen und Christen.

Der Präsident des European Jewish Congress (EJC), Moshe Kantor, forderte anlässlich des Vorfalls die Führer der Religionen auf, sich "mit stärkerer Stimme gegen Gewalt" auszusprechen. Die Reaktion nach dem Anschlag im März in Toulouse sei nicht stark genug gewesen. Ein 23-jähriger Franzose algerischer Abstammung hatte damals vor einer jüdischen Schule einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen. Der Mann wurde später in seiner Wohnung in Toulouse von der Polizei getötet.

Der EJC mit Sitz in Paris vertritt demokratisch gewählte jüdische Gemeinden in Europa. Kantor kündigte ein hochrangiges Treffen von Vertretern europäischer jüdischer und moslemischer Gemeinden in der kommenden Woche an. Er hoffe, dass es bei diesem Anlass eine gemeinsame Verurteilung von Gewaltakten geben werde.

mad/DPA/AFP
 
 
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