Deutschland ist wieder Missionsgebiet

24. September 2009, 19:21 Uhr

1000 Jahre nach der Christianisierung sieht der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche wieder akuten Missionsbedarf in Deutschland.

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Die Zahl der Kirchenmitglieder geht in Deutschland seit Jahren zurück©

Deutschland ist nach Ansicht der evangelischen Kirche wieder Missionsgebiet. Der "dramatische Rückgang" der Kirchenmitgliedschaft in der DDR sei ebenso wenig ausgeglichen worden wie eine "schleichende Erosion der Kirchlichkeit" in vielen Bereichen der alten Bundesrepublik, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Landesbischof Wolfgang Huber, am Donnerstag in Kassel. "Die Einsicht, dass in all dem eine große missionarische Herausforderung liegt, nehmen wir eher zögernd auf; dass mehr als 1000 Jahre nach der Christianisierung unserer Region eine missionarische Situation entstanden ist, stößt sich mit dem Beharren in gewohnter Kirchlichkeit", so Huber zur Eröffnung der dreitägigen EKD-"Zukunftswerkstatt".

Die Kirche richte die Frage "Wie werde ich Christ?" allzu oft nur an Menschen, die ohnehin schon Christ seien, kritisierte Huber. Sie müsse sich aus einer "dreifachen mentalen Gefangenschaft" befreien. Das sei zum einen die Gefangenschaft im eigenen Milieu: "Zu überlasteten Müttern fällt uns der Zugang ebenso schwer wie zu verbitterten Hartz-IV-Empfängern." Hinzu komme eine "geistliche Furchtsamkeit": "Die Angst, für zu fromm gehalten zu werden, ist groß." Die dritte "mentale Gefangenschaft" sei die eines geistlichen "Lebens auf Pump" durch einen Aktivismus: "Wir fordern die Kräfte von beruflichen wie ehrenamtlichen Mitarbeitern bis zum Äußersten, ohne nach Notwendigkeit und Sinn der geforderten Aktivitäten zu fragen." Der Reformprozess der Kirche sei deshalb auch ein "Aufruf zu mehr Gelassenheit".

"Wir brauchen Werte, damit uns die Freiheit nicht überfordert"

EKD-Präses Katrin Göring-Eckardt sagte, dass die Zukunftswerkstatt beim Aufbruch der evangelischen Kirche helfe. "1200 Teilnehmer aus allen 22 Landeskirchen, der Diakon genauso wie die Theologiestudentin oder der Kirchenmusiker. Hier diskutiert wirklich die ganze Kirche." Der Zukunftskongress sei "einerseits Stuhlkreis, andererseits Groß-Event".

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte auf dem Kongress, die neuen Medien wie das Internet drohten das Leben oberflächlicher zu machen. "Die ständige Erreichbarkeit und die schnelle Kommunikation führen zu einem Zwang zur sofortigen Reaktion. Für eine wohlüberlegte, abgewogene Antwort ist oft kein Platz mehr." Zuweilen scheine die Gesellschaft "das Maß zu verlieren". "Wir brauchen Werte und Orientierung, damit uns die scheinbar grenzenlose Freiheit unserer Gesellschaft nicht überfordert", sagte Schäuble. "Die Antworten auf diese Fragen muss die Politik, muss aber auch die Kirche finden."

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
Rebella67 (27.09.2009, 00:39 Uhr)
Kirchenaustritt - und das ist gut so!
Hatte Huber nicht längst abgedankt?

Ist doch gut so, wenn immer mehr Menschen aus der Kirche austreten. Umso weniger Macht hat diese Kirche und umso größer wird die Chance, dass die Selbstbestimmungsrechte in unserem Land besser respektiert werden. - Ich beobachte seit einiger Zeit, dass die Anstrengungen der Kirchen, sich frisches Blut zu sichern, immer aggressiver werden. Da kann ich nur jedem, der kurz davor ist, drauf reinzufallen, raten, auch mal kirchenkritische Literatur zu studieren. Insbesondere die Kinder in unserem Land müssen aber vor der heimtückischen Werbung der Kirchen geschützt werden.
FrahelAybas (25.09.2009, 22:57 Uhr)
Lars van Trier 2009
Sind Sie ein Christ Herr Schäuble (CDU) ?
neyzen (25.09.2009, 16:00 Uhr)
@ sportartmakler
Nein, natürlich sind auch nicht Gläubige glücklicher.oder?Aber geht es immer nur im Leben um Glücklich zu sein. Der Mensch tut alles im Leben um Glücklich zu sein.Der eine schufftet wie ein depp,damit er sich dinge leisten kann die ihn glüchlich machen,der andere popt jede zweite damit sein sexueller drang befriedigt wird un damit auch glücklich ist.Das sind die zwei dinge die fast alle Menschen verfolgen,Macht ,geld Sex,alles dreht sich nur um das, wo bleibt dan der Glaube?Der Glaube hindert doch all diese dinge.also macht doch dan der Glaube einen Menschen noch unglücklicher,weil der Mensch ja diese Dinge nicht verfolgen kann. Der Selbsterhaltungstrieb,auch "Insan nefsi" genant, und die unausschöpfliche selbstbefiedigung ,ist der größte Feind des Menschen.
sportartmakler (25.09.2009, 14:18 Uhr)
@neyzen
schönes statement...so ich denn gläubig wäre. mein nichtglaube hat im übrigen nichts mit dem islam und irgendwelchen terrorakten zu tun. eine sache stört mich an deinem kommentar. es suggeriert bzw. steht fast wörtlich auch so drin, dass nur gläubige menschen ihr glück/ ihre berufung hier auf "erden" finden. warum man sich dann eine diskussion schenken kann sollte klar sein.
jetrabbit (25.09.2009, 12:43 Uhr)
wahre christliche werte
können doch nur über ein persönliches und intimes verhältnis zu gott entstehen. religionen, kirchen und pfaffen bedarf es dazu nicht, und schon gar nicht einen vatikan... aber gerade die gottverlassenen suchen ihr verhältnis über religion und kirche.
Anemone (25.09.2009, 12:38 Uhr)
@L.Gleichmann
Ich habe das Wort "Kirche" nicht benutzt - und schon gar nicht "Vatikan". Nur von den Werten Bibel war meine Rede -und ich bin sicher, daß Dr. Schäuble es auch so sah.

@bebuquin
Ich empfehle Ihnen, bevor Sie über die Bibel Falschaussagen machen, sie wirklich zu studieren!
Administrator (25.09.2009, 12:27 Uhr)
@Anemone, 12:24 Uhr
Ihr Beitrag wurde gelöscht - kritisieren Sie andere Leser bitte ausschließlich sachlich und greifen Sie sie nicht persönlich an.
neyzen (25.09.2009, 12:02 Uhr)
Traurig...
alle antworten sind gegen die Kirche und den Glauben?Wieso habt ihr den soviele Angst vor Gott?...Die Terroristen die anschläge ausüben und eure geliebten töten sind keine Gläubigen, und tuen dies nicht für Gott? Ich braucht also keine Agst zu haben vor ihm!...Und weil ich einige Sachen nicht versteht und alles kleich Physikalisch und Logisch erklärt haben wollt, ist das ganz normal, der der Mensch ist eine Wesen der Fragt warum das so ist.Ihr könnt einiges erklären,warum der Himmel Blau ist, warum ein Flugzeug fliegen kann, oder wie man stimmen aus ganz weiter ferne hören kann. Ihr fragt immer, wo ist Gott, und wenn es ihn gibt warum lässt er so viel leid zu? Glaube ist wichtig für den Menschen, damit er sich an etwas festhällt wenn es ihm schlecht geht. Glaube kann man nicht lernen und erklären mit Formeln. Das ist was jeder von uns in uns hat.Aber mann kann ihn stärken. Warum gibt es den soviele Selbstmörder oder Kinder die Amoklaufen?Da fehl der Glaube und dadurch auch ein intaktes Soziales Leben. Familien gehen zu bruch, weil alle Geldgeil sind.Wollt ihr euer Geld mit in den Grab nehmen?.Dan kriegt ihr höchsten eien schönen goldenen Sarg wie Michael.Mehr nicht. Aber Glaube kann zufrieden machn,Glüchklich machen und auch stark machen, Was Geld nicht kann. Mann sollte nicht zu sehr an Materielen Dingen festhalten.Diese sind vergänglich so wie eure Körper?Schaut euch mal in den Spiegel?Es geht doch nicht darum was Gott für euch tut,den er hat schon einiges getan wenn ich euch mal die Erde anschaut.Es gibt vielmehr Fragen als Antworten.Es ist wichtig warum und was für einen Sinn das Leben hat.Was man dafür Leisten kann,was man bekommen kann.Ein Leben lebenswert zu machen gehören einige andere Dinke dazu.Dies befridigt der Glaube.Ein Gläubiger Mensch ist ein Starker Mensch. Leider wird durch dumme Menschen und sollche die Menschen ausnutzen, der Glaube ins negative gezogen. Beispiel Islam. Durch Terroranschläge, die den Islam als vorwand nehmen beschmutzen sie den Glauben. Da wundere ich mich nicht das es mehr Ateisten gibt als Gläubige. Es ist schade...
erlina (25.09.2009, 11:18 Uhr)
Werte , Freiheit und Kirche
Soso der Herr Schäuble redet von Werten.
Welche werte meint er denn?...Den Wert des Klingelbeutels oder der Steuern welche eigentlich für die Zugehörigkeit einer Glaubensrichtung fast eine Frechheit ist.
Was Freiheit angeht , so ist die Kontrolle durch die Kirche schon alleine eine Unverschämtheit , wie sie immer war .
Dazu gehört eine Kirche von mir aus gesehen nicht in die Politik .
Das Internet trifft keine Schuld wenn Menschen vom Glauben abfallen , soviel zur Freiheit.
Wie wäre es Herr Schäuble wenn sie auch wieder den Scheiterhaufen einführen , Denn mindestens eine Glaubensrichtung würde dieses bestimmt wieder begrüssen.
Bebuquin (25.09.2009, 11:03 Uhr)
Das ist ja hanebüchen, was einige hier schreiben.
@ Anemone
"Er meint nicht! die Werte in uns, sondern die christlichen Werte, die wir in der Bibel und in unserem Grundgesetz finden; an die Menschen sich orientieren und halten dürfen/sollen!"
--> Wo finde ich im Grundgesetz die Aufforderung zum Genozid, Angriffskrieg, zur Frauenunterdrückung, Prügelstrafe für Kinder, Verbot der Religionsfreiheit, Erlaubnis der Sklaverei, Unterdrückung der Frau, Etablierung von Gedankenverbrechen, usw usw.?
In der Bibel finde ich davon eine ganze Menge und zwar in beiden Testamenten.


"Richtig ist auch, daß Menschen ohne diese Werte überfordert sind - und so enden, wie wir es längst in unserer Gesellschaft erleben, nämlich mit Lüge, Gewalt, Schamlosigkeit, Größenwahn usw. usw."
--> Bullshit.
Wenn ich mir ansehe, wie z.B. allein die Päpste als angebliche moralische Autoritäten in der Geschichte gewütet haben und z.B. heute noch wüten (allein das scheinbar bis heute noch praktizierte Geldwaschen für die Mafia durch den Vatikan spricht Bände), straft Sie die Geschichte hier Lügen.
Das was angeblich als unverzichtbare biblische oder christliche Werte heute bezeichnet wird, ist nicht durch die Kirche oder das Christentum entstanden. Denn sonst hätte es bereits kurz nach Jesu Tod eine Verkündung der Menschenrechte geben müssen. Gab es aber nicht.


@ L.Gleichmann
"10 Gebote sind ja in Ordnung,"
Nein, sind sie nicht. Haben sie diese jemals im Originallaut gelesen? Also nicht die Kinderkuschelkatechismusversion? Da wird nämlich die Religionsfreiheit verboten, Ungläubigen mit Verfolgung gedroht, Sklaverei erlaubt und Frauen werden auf einer Stufe mit sonstigem Eigentum geführt.
Nachzulesen in Exodus 20, 1 - 17.

"leider, Christentum geht am besten ohne Kirche. Der Institution gehts doch auch nur um Macht und Einfluss. Also, genug Himmelskomik gibts schon: Wenn sich eine Kirche reformieren will, naja, der Vatikan bewegt sich eigentlich gar nicht."
--> Inwiefern soll denn das, was sie gerne als Christentum hätten, ohne Kirche gehen? Wenn es keine Kirche gäbe, gäbe es auch keine Christen, da sich keiner für die alte, nach heutigen Maßstäben schlecht geschriebene Sagen und Märchenbuch einer antiken Hirtenkultur interessieren würde.
Wenn es die Kirchen nicht gäbe, wüßte wahrscheinlich keiner etwas über diese Mythen. Denn wahrscheinlich wären sie von einer alternativen Konkurrenzorganisation verboten und vernichtet worden... so wie es die Kirche mit vielen anderen Büchern zum Beginn ihrer Machtergreifung getan hat.
Deshalb können sie das Christentum nicht von der Kirche lösen. Das ist pures Wunschdenken.

@Dr.Tonklin
"und ich respektiere auch das soziale Engagement der Kirche (welches wie alle anderen sozialen Projekte viel stärker gefördert werden müssten),"
--> Sind sie sich da so sicher?
1. Werden die sogenannten sozialen Projekte der Kirche zum größten Teil vom Steuerzahler finanziert.
Der Imagegewinn geht aber voll an die Kirchen.
2. Den Arbeitnehmern in diesen Firmen werden einige wichtige Grundrechte vorenthalten. Z.B. dürfen sie oftmals nicht streiken, sie dürfen kaum bis gar nicht das Recht auf Religionsfreiheit in Anspruch nehmen und in katholischen Einrichtungen wird sogar das Recht zur sexuellen Selbstbestimmung beschnitten.
(Was bei stellenweise monopolartiger Präsenz von Diakonie und Caritas zu massiven Problemen führen kann, wenn man diese Rechte doch in Anspruch nimmt und dadurch seinen Arbeitsplatz verliert.)
3. Führt der Verlust des Streikrechts dazu, dass die Entlohnung oftmals geringer als branchenüblich ist.

Deshalb sehe ich keinen Grund die sozialen Projekte der Kirchen besonders zu fördern, so lange nicht alle Grundrechte des GG gewährt werden und nicht genau drauf steht, wer für die Kosten aufkommt.
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