USA schießen gegen neue Mohammed-Karikaturen

19. September 2012, 21:25 Uhr

Unerwarteter Gegenwind: Die USA bezeichnen die neuen Mohammed-Karikaturen des Satirehefts "Charlie Hebdo" als "beleidigend". Eine Pariser Gruppe zeigt das Magazin gar wegen "Anstachelung zum Hass" an.

Mohammed Karrikaturen, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Frankreich, Chralie Hebdo

Provokant: Der Verleger der satirischen Wochenzeitung "Charlie Hebdo", als "Charb" bekannt, präsentiert die Mohammed-Karikaturen in der Pariser Redaktion©

Die US-Regierung hat die im französischen Satire-Magazin "Charlie Hebdo" abgedruckten Mohammed-Karikaturen als beleidigend bezeichnet und die Entscheidung zu ihrer Veröffentlichung infrage gestellt. "Wir haben natürlich Fragen bezüglich der Weisheit, so etwas zu veröffentlichten", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Mittwoch in Washington.

Es sei klar, dass die Bilder beleidigend seien und möglicherweise Unruhen auslösten. Gleichzeitig stünden die USA aber für die Meinungsfreiheit ein. "Wir stellen nicht das Recht infrage, so etwas zu publizieren; wir stellen nur die Weisheit hinter der Entscheidung infrage". Dennoch sei jegliche Gewalt als Reaktion auf die Veröffentlichung ungerechtfertigt.

Das französische Satire-Blatt " ist wegen der Veröffentlichung provokanter Mohammed-Karikaturen angezeigt worden. Die "Syrische Organisation für die Freiheit" mit Sitz in Paris habe wegen "Anstachelung zum Hass" bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Den Informationen zufolge ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft gegen unbekannte Hacker, die die Webseite von "Charlie Hebdo" am Morgen für etliche Stunden lahmgelegt hatten. Die aktuelle Ausgabe mit teils derben islamkritischen Zeichnungen löste Angst vor neuen anti-westlichen Massenprotesten aus.

Die Karikaturen lassen den Westen zittern

Die Zeichnungen lassen Frankreich und den Westen insgesamt vor neuen anti-westlichen Unruhen zittern, nachdem schon das islamfeindliche Mohammed-Video für gewalttätige Massenproteste gesorgt hatte. Zahlreiche französische Einrichtungen im Ausland sollten vor den Freitagsgebeten sicherheitshalber geschlossen werden, nachdem die Wochenzeitung mit den neuen islamkritischen Karikaturen provozierte.

Betroffen sind nach Angaben des Außenministeriums in Paris Botschaften, Konsulate und Schulen in rund 20 Ländern. Auch Deutschland verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault rief die Medien seines Landes auf, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. "Charlie Hebdo" legt trotzdem noch einmal nach und will bis Freitag eine Sonderauflage der aktuellen Ausgabe hinterherschieben. Die ersten 75.000 Exemplare waren am Erscheinungstag bis zum Nachmittag ausverkauft.

In islamischen Ländern rund um den Globus gibt es seit einer Woche Massenproteste gegen ein Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Etliche Menschen starben, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen.

"Charlie Hebdo" - Satire-Blatt mit Skandal-Tradition Das französische Wochenblatt "Charlie Hebdo" sorgt seit Jahren für Skandale. Die Redaktion veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. 2011 hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht.

Die Autoren und Zeichner scheren sich nie um politische Korrektheit, wenn sie die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, aber auch Sekten, Rechtsextreme oder religiöse Eiferer attackieren. Das Blatt ist Stammgast vor den Gerichten. So gab es auch Klagen nach einer "Papst-Sonderausgabe". Die aktuelle Ausgabe mit den Mohammed-Karikaturen soll bei 75.000 Exemplaren liegen.

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