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Die absurde Entwicklung der Polizei-Mitteilungen aus Köln

Die Polizei in der Domstadt hat erst spät auf die massiven sexuellen Übergriffe und Diebstähle in der Silvesternacht reagiert. Noch am Neujahrstag meldete sie eine "weitgehend friedliche" Nacht - eine absurde Fehleinschätzung.

Kölner Polizei

Die Polizei in Köln war von den massiven Vorgehen großer Tätergruppen offensichtlich überfordert

Die dramatischen Ereignisse in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof bewegen das ganze Land. Bundesjustizminister Heiko Maas sprach von "einer völlig neuen Dimension organisierter Kriminalität." Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit der ganzen Härte des Rechtsstaates gegen die Täter vorgehen. 90 Anzeigen sind bislang bei der Polizei wegen Taschendiebstählen und sexueller Übergriffe durch große Tätergruppen eingegangen. Es soll auch zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Die Polizei rechnet mit weiteren Anzeigen.

Das ganze Außmaß der Übergriffe wurde erst mit einigen Tagen Verzögerung deutlich. Das lag auch daran, dass die Kölner Polizei die Lage zunächst völlig falsch einschätzte. In ihrem ersten Pressebericht, den sie am Neujahrsmorgen veröffentlichte, heißt es in totaler Verkennung der Lage: "Wie im Vorjahr verliefen die meisten Silvesterfeierlichkeiten auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen friedlich." Weiter unten erwähnt der Bericht die Ereignisse am Hauptbahnhof, doch von dem Ausmaß der Übergriffe und sexuellen Beästigungen steht darin kein Wort: "Um eine Massenpanik durch Zünden von pyrotechnischer Munition bei den circa tausend Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfläche zu räumen."

Große Empörung in den sozialen Medien

Zu diesem Zeitpunkt macht sich in den sozialen Medien bereits heftige Kritik breit. "Unfassbar, wie hier massig sexuelle Übergriffe bewusst weggelassen werden und offenbar für die Polizei nicht erwähnenswert sind ...", zitiert die Zeitung "Die Welt" eine Facebook-Userin.


Ein Tag später wird der Polizei der Ernst der Lage bewusst. Am 2. Januar heißt es in einer weiteren Pressemitteilung im steifen Beamtendeutsch: "Im Laufe des Neujahrtages (1. Januar) erhielt die Polizei Köln Kenntnis über unterschiedliche Vorfälle, bei denen Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind." Eine "Ermittlungsgruppe zur Aufklärung" der Fälle werde eingerichtet.

Denkwürdige Pressekonferenz am 4. Januar

Am 3. Januar schließlich meldet die Polizei die Festnahme von fünf jungen Männern auf dem Bahnsteig der U-Bahn-Station Breslauer Platz, die "weibliche Reisende bedrängt hätten".
Doch erst am 4. Januar gibt Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers die denkwürdige Pressekonferenz, die landesweit eine Lawine aus Empörung und Entsetzen auslöst. Als "Straftaten einer völlig neuen Dimension" bezeichnet Albers die massiven Übergriffe: "Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden", sagte er.

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