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Sinti und Roma fordern Aus für "Zigeunerschnitzel"

Sinti und Roma versuchten bereits, den Begriff "Zigeunersauce" verbieten zu lassen. Vergeblich. Jetzt soll das "Zigeunerschnitzel" von den Speisekarten verschwinden. Mit erstem Erfolg.

Von Jannik Tille

  Die "Zigeunersauce" heißt weiterhin "Zigeunersauce". Was mit dem "Zigeunerschnitzel" passiert, ist noch offen.

Die "Zigeunersauce" heißt weiterhin "Zigeunersauce". Was mit dem "Zigeunerschnitzel" passiert, ist noch offen.

Das Zigeunerschnitzel ist ein Klassiker der deutschen Ess-Kultur und gehört neben Pommes, Burgern und Currywurst zur Standardauswahl einer jeden guten Imbissbude. Doch nun soll es dem knusprigen Schnitzel an die Panade gehen. Der Vorwurf: die Bezeichnung des in Tomatensauce, Paprika, Mais und anderen Ingredienzien ertränkten Stücks Fleisch soll rassistisch sein.

Bereits im August hatte das Forum der Sinti und Roma auf juristischem Weg versucht, Saucenhersteller davon zu überzeugen den Begriff "Zigeunersauce" nicht mehr zu verwenden. Die Bevölkerungsgruppe fühlte sich diskriminiert.

Eigentliche Anliegen werden ins Lächerliche gezogen

Der Begriff "Zigeuner" sei insbesondere durch die NS-Vergangenheit negativ behaftet. Damals starben ganze Familien der Bevölkerungsgruppe in Konzentrationslagern, führte der Vorsitzende des Forums, Regardo Rose, an. Zudem habe die Sauce keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in der ungarischen. Zum Verbot des Begriffs kam es dennoch nicht.

Die Hersteller betonten, dass sie jede Form von Diskriminierung ablehnten, eine Umbenennung käme aufgrund der langen Tradition aber nicht in Frage. Auch Verbände der Minderheit gingen auf Distanz. "Dass jemand allen Ernstes eine solch hanebüchene Beschwerde erhebt, war für uns bisher nicht vorstellbar", reagierte der Bundesrat der Jenischen Deutschlands. Zuvor hatte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erklärt, dass eine Umbenennung unsinnig sei und die eigentlichen Anliegen ins Lächerliche ziehe.

Keine Zigeunerschnitzel mehr in Hannover

"Zigeunersauce" bleibt also "Zigeunersauce". Aber das Forum der Sinti und Roma gibt nicht auf: Wenn die Bezeichnung der Sauce nicht rassistisch sein soll, dann wenigstens die Kombination mit dem panierten Schnitzel. Helfen soll dabei ein Sprachforscher, erklärte der Anwalt des Forums Dündar Kelloglu. Bisher wurde jedoch noch kein Wissenschaftler für die Expertise gefunden.

Währenddessen bekräftigte die Stadt Hannover ihre bereits früher beschlossene Verbannung der Begriffe "Zigeunersauce" und "Zigeunerschnitzel" von den Speisekarten städtischer Kantinen. Offenbar sieht die niedersächsische Landeshauptstadt tatsächlich rassistisches Potenzial in der uralten Bezeichnung für den Imbiss-Klassiker.

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