Guru mit Geschäftssinn

25. Februar 2005, 07:30 Uhr

Aufgewachsen als Bauernsohn, baute Sun Myung Moon eine globale Bewegung auf, die ihn als Messias verehrt. Doch der Sektengründer, bekannt für seine Massentrauungen, denkt pragmatisch und erschuf ein Wirtschaftsimperium.

Auf einem Berg in Korea soll ihm Jesus Christus erschienen sein: Sektenführer Sun Myung Moon©

Von seinen Anhängern wird der koreanische Gründer der "Vereinigungskirche", weltweit bekannt als "Moon-Sekte", als Messias verehrt, der auf Erden einen himmlischen Auftrag erfüllt. In den Augen seiner Kritiker ist Sun Myung Moon, der an diesem Freitag 85 Jahre alt wird, ein ideologischer Verführer, der es dank einer ergebenen Gefolgschaft zum Milliardär gebracht hat und eine religiös legitimierte Herrschaftsordnung in der Welt erschaffen will.

Spektakulär sind Moons Massentrauungen, bei denen er in Stadien und per Satellit tausenden von Paaren rund um den Globus seinen Segen erteilt. Aufgewachsen in einer Bauernfamilie im Nordwesten Koreas, baute Moon eine globale Bewegung ("Moonies") auf, die über ihr religiöses Anliegen hinaus auch mit ihren politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten bekannt wurde.

"Retter der Menschheit"

Um den selbst ernannten "Retter der Menschheit" Moon ist es in den vergangenen Jahren im Westen ruhiger geworden. Ein Grund ist der starke Mitgliederschwund der Gemeinschaft in Westeuropa und vor allem in den USA, wo er in den 70er Jahren als der wohl umstrittenste Sektenführer galt und 1982 wegen Steuervergehen zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt wurde. Damalige Vorwürfe der "Gehirnwäsche" von neuen Mitgliedern tat die Gruppe als Verleumdung ab. "Die westlichen Medien haben sich an die Aktivitäten seiner Kirche gewöhnt", sagt der ehemalige Korea-Korrespondent der zur Moon-Gruppe gehörenden "Washington Times", Michael Breen, in Seoul. Auch seien die Anwerbeaktivitäten der Sekte nicht mehr so sichtbar wie früher.

Weihwasser für die Paare: Sun Myung Moon und seine Frau Han Hak Ja bei einer Massenhochzeit im Olympiastadion von Seoul 1999©

Dafür verlagerte Moon den Schwerpunkt der Aktivitäten seiner Sekte immer mehr in andere Weltgegenden, vor allem nach Lateinamerika, Osteuropa und Nahost. In Deutschland wurde dem Ehepaar Moon allerdings die Einreise verweigert. Die Bundesregierung rechnet die Vereinigungskirche den so genannten Psychogruppen zu, von denen eine Gefahr für junge Menschen ausgehen könne.

Moon wurde am 6. Januar 1920 in Jeongju in der stark christianisierten Provinz Nord-Pyongan als fünftes von acht Kindern geboren. Am Beginn seines Werdegangs als Führer einer asiatischen Neureligion steht eine Vision: Mit 16 Jahren soll ihm auf einem Berg in seiner Heimat Jesus Christus erschienen sein. Dieser soll ihm verkündet haben, er werde seine "unvollendete Mission" auf Erden beenden. Der charismatische Moon sieht sich und seine Frau Han Hak Ja als die "Wahren Eltern".

Restaurantketten, Pharma- und Medienunternehmen

Doch seine Tätigkeit als Prediger im Norden Koreas brachte ihn im Mai 1948 in ein Straflager. Im Korea-Krieg wurde er im Oktober 1950 von UN-Streitkräften befreit. Im Mai 1954 gründete Moon in Seoul die Vereinigungskirche, der er 1996 den programmatischen Namen Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung verlieh. Die Bezeichnung als Sekte lehnt die Gruppe wegen des negativen Untertons ab. Moon schuf ein breit gefächertes Wirtschaftsimperium, zu dem Pharmaunternehmen, eine Waffenfabrik, Restaurantketten, Zeitungen wie die konservative "Washington Times" und die US-Nachrichtenagentur UPI gehören. Durch die Medienunternehmen sichert sich Moon nicht zuletzt seinen Einfluss in der US-Hauptstadt.

Seit seiner Erfahrung im Arbeitslager ist Moon erklärter Gegner des Kommunismus. Das hielt ihn jedoch später nicht davon ab, Millionen in Nordkorea zu investieren. Moon denke pragmatisch, sagt Breen. In der Vorstellung des Sektenführers ist das irgendwann vielleicht einmal wieder vereinte Korea das neue Israel, von dem der Weltfrieden ausgehen wird.

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