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Wurde ein Feuer der Titanic zum Verhängnis?

Am 15. April 1912 sank die legendäre "Titanic". Hat ein außer Kontrolle geratener Schwelbrand an Bord zu ihrem Untergang geführt? Mysteriöse Rußspuren am Rumpf des Schiffes lassen diesen Verdacht aufkommen.

Die "Titanic" verlässt den Hafen von Southampton

Die "Titanic" verlässt den Hafen von Southampton. Es wird ihre erste und letzte Fahrt.

Die tragische Geschichte der "Titanic" ist längst zu einem Mythos geworden: Ein , das unsinkbar sein sollte, geht bei seiner ersten und letzten Fahrt mitten auf dem Atlantik unter und nimmt 1500 Menschen mit in die Tiefen des Ozeans. Am 15. April 1912, um 2.20 Uhr, sank der britische Luxusliner. Ein Eisberg wurde dem Koloss zum Verhängnis.

Aber die Geschichte der "Titanic" muss eventuell neu geschrieben werden. Denn Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass es nicht allein die Kollision mit dem Eisberg gewesen sein könnte, die zu dem Untergang geführt hat. Eine neue Theorie: Ein Feuer, das mindestens zehn Tage lang unkontrolliert in einem Kohlebunker des Schiffes loderte, hat erst zu der Tragödie geführt. In der neuen Dokumentation "Titanic: The New Evidence" für den britischen Sender Channel 4 stellt der irische Journalist Senan Molony die neuesten Rechercheergebnisse vor.

Demnach brach das an Bord der "Titanic" aus, noch bevor das Schiff den Fertigungshafen von Belfast verlassen konnte. Seine Theorie stützt Molony vor allem auf bislang kaum bekannte Fotos, die kurz vor der Überführungsfahrt nach Southampton gemacht wurden. Darauf sei ein 30-Fuß langer schwarzer Streifen (circa 9,1 Meter) auf der vorderen rechten Seite der Außenhülle der "Titanic" erkennbar.

Das Feuer soll den Stahl porös gemacht haben

"Es handelt sich um genau denselben Bereich, der von dem Eisberg getroffen wurde", erklärte er im Gespräch mit dem britischen Magazin "The Independent". Wie mehrere Experten bestätigt haben, könnten diese Spuren von einem Feuer verursacht worden sein, das in einem Kohlebunker ausgebrochen war, der sich einst über drei Decks des Schiffs erstreckte. Löschversuche scheiterten damals. Die Flammen erreichten Temperaturen bis zu 1000 Grad Celsius. 

Die Hitze habe den Stahl porös gemacht, vermutet nun Molony. Durch die starke Beschädigung habe das Metall schließlich dem Eisberg nicht standgehalten. Er glaubt, dass die Titanic den Zusammenstoß überstanden hätte, wäre der Schiffsstahl nicht durch das Feuer geschwächt gewesen. "Als die 'Titanic' mit dem Eisberg kollidierte, war der Schiffsrumpf so stark beschädigt, dass er einfach aufreißen konnte", so der Journalist, der bereits mehrere Bücher über den Untergang des Luxusliners veröffentlicht hat.

"Die 'Titanic' hätte niemals in See stechen dürfen"

Bereits vor Jahren wurde bekannt, dass im Inneren des Dampfers noch vor seinem Stapellauf ein Feuer wütete. Auch die Feuerwehren in den Häfen und Cherbourg sollen über den Brand informiert gewesen sind. Dennoch brach die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt auf. 

Molony, der bereits 30 Jahre zu dem Thema forscht, behauptet, das Bordpersonal sei angewiesen worden, das Feuer vor den Passagieren zu verheimlichen. Das Schiff soll sogar im Hafen von Southampton so gewendet worden sein, dass die Schäden an der Außenhülle nicht zu sehen waren.

"Man wusste von dem Feuer, doch es wurde runtergespielt. Die 'Titanic' hätte niemals in See stechen dürfen", sagte er dem "Independent". 

Auch andere Experten geben dem Feuer die Schuld

Bereits 2004 stellte der Wissenschaftler Robert Essenhigh von der Ohio State University die These auf, dass ein Brand in den Kohlebunkern - ein chronisches Problem von Dampfschiffen - den Untergang des Schiffs verursacht hat. Er vermutete damals, dass Löschversuche das Problem nur intensiviert hätten. Denn dafür wurde damals üblicherweise die Kohle aus den Vorratsbunkern in die Dampfkessel geschaufelt. Die Turbinen wurden auf diese Weise zur Höchstleistung getrieben, was das Schiff schneller werden ließ.

Der Theorie von Essenhigh zufolge war es also nicht der Kapitän, der das Schiff durch den rasen ließ, sondern die zusätzliche Kohle im Dampfkessel. So sei es technisch schlicht unmöglich gewesen, die Fahrt nach Erhalt der Eisbergwarnungen rechtzeitig zu drosseln, so der Ingenieur.

2008 vermutete auch der Wissenschaftler Ray Boston, dass das Feuer zu der Tragödie geführt hat. Dieses hätte schwere Explosionen an Bord der "Titanic" verursachen können. Die Schiffsbesitzer hätten allerdings darauf gehofft, zuvor New York zu erreichen und deshalb auf hohe Geschwindigkeiten bestanden. 

ivi

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