Die freundlichere Bahn

24. Juli 2012, 08:37 Uhr

Seit diesem Montag hat die Deutsche Bahn Konkurrenz auf der Strecke Hamburg-Köln. Der HKX will günstiger sein und mit besserem Service punkten. Schafft er das? Ein Reisebericht von Daniel Bakir

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Soll der Bahn Kunden im Fernverkehr abjagen: der Hamburg-Köln-Express bei seiner Premierenfahrt am Montag©

Es gibt eigentlich kaum einen Fahrgast, der nicht irgendeine Horrorstory über die Deutsche Bahn zu berichten weiß – über überfüllte Waggons, ausgefallene Klimaanlagen, verspätete Züge oder unfreundliches Personal. Da es aber für Fernreisen auf der Schiene keine Alternative gibt, bleiben die meisten Kunden gezwungenermaßen der Deutschen Bahn treu. Auf der Strecke Hamburg-Köln gilt dieses Naturgesetz nun nicht mehr. An diesem Montag startete mit dem Hamburg-Köln-Express, kurz HKX, ein hoffnungsvoller Konkurrent für die viel befahrene Strecke.

Köln Hbf

Um 12 Uhr rollt der HKX auf Gleis 2 des Kölner Hauptbahnhofs ein. Journalisten und Eisenbahnliebhaber zücken ihre Kameras. Da die eigenen Wagen noch keine Zulassung haben, setzt HKX zunächst leihweise die legendären Rheingold-Wagen ein. Die Waggons stammen aus den 70er Jahren und entsprechen dem damaligen Erste-Klasse-Standard. Und der ist gar nicht übel: breite Polstersessel in rot und schwarz, große Gepäckablagen, sehr viel Beinfreiheit. Wohnzimmeratmosphäre im Sechserabteil.

Düsseldorf Hbf

Der 70er-Jahre-Luxus kommt auch bei den Mitreisenden gut an. "Echt chillig", meint Sitznachbarin Lena, als sie entdeckt, dass man die Sitze auch in die Liegeposition bringen kann. Die 17-jährige Schülerin ist mit Schwester Anika und Freund Nick auf dem Weg zu ihrer Cousine. 20 Euro haben die drei pro Fahrkarte für die Strecke Köln-Hamburg gezahlt, bei der Deutschen Bahn wären es jeweils 83 Euro gewesen.

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"Echt Chillig": Beim HKX kommen die legendären Rheingold-Wagen aus den 70er Jahren zum Einsatz©

Duisburg Hbf

"Alles was der Bahn Konkurrenz macht, ist gut", sagt die vierte Abteilbewohnerin Laura, als wir die zweite Station Duisburg erreichen. Zu oft hat sich die 23-Jährige schon über die Bahn geärgert. Als der HKX-Schaffner ihr auch noch anbietet, den schweren Koffer in die Ablage zu wuchten, ist sie vollends begeistert. "Das hätte bei der Bahn keiner gemacht."

Essen Hbf

Der Servicewagen nähert sich. Mit gutem Service wollen die HKXler erklärtermaßen punkten. Das Abteil bestellt zweimal Cola, einmal Cola light und eine heiße Schokolade. Kostet jeweils 1,90 Euro. "Da kann man wirklich nicht meckern", sagt Anika. Und dafür, dass die Schokolade sich bei einem heftigen Fahrt-Ruckler auf dem Teppichboden entleert, kann ja der Servicemann nichts. Als er das Malheur bemerkt, hilft er mit Papierservietten und spendiert sogar eine neue Schokolade. Kleines Manko: Einen Speisewagen gibt es nicht.

Gelsenkirchen Hbf

Während die Ansager der Deutschen Bahn berühmt-berüchtigt sind für ihre eigenwilligen Interpretationen der englischen Aussprache, setzt HKX auf das Gegenmodell. Die HKX-Ansagerin spricht sogar den deutschen Teil mit amerikanischem Akzent, wobei Nick meint, auch noch einen asiatischen Einschlag herauszuhören.

Münster Hbf

"Ich glaube eher, dass es ein holländischer Akzent ist", sagt Laura bei der nächsten Durchsage. Dann muss sie aussteigen. Ihren Platz nimmt Versicherungsmakler Joachim Schürholz ein. Als Vielfahrer fallen ihm natürlich gleich ein paar Schwächen des neuen Angebots auf: keine Stromanschlüsse an jedem Platz, wie das versprochen worden sei. Außerdem sei der Waggon defekt gewesen, in dem er eigentlich gebucht hatte, und eine Tür war auch kaputt. "Das ist alles noch nicht perfekt, aber ich wünsche ihnen, dass sie es hinbekommen."

Osnabrück Hbf

HKX-Chefin Eva Kreienkamp geht gemeinsam mit dem amerikanischen Hauptinvestor Henry Posner von Abteil zu Abteil und bedankt sich bei den Fahrgästen, dass sie sich für den HKX entschieden haben. "This is a historic day", fügt Posner an. Tatsächlich gibt es mit dem Interconnex zwischen Leipzig, Berlin und Rostock bislang nur einen einzigen Bahnkonkurrenten, der sich auf einer Fernstrecke etabliert hat. Der allerdings hält sich schon seit zehn Jahren.

Hamburg Hbf

Nach einem Stopp in Hamburg-Harburg erreicht der HKX mit minimaler Verspätung Hamburg Hbf. Gut vier Stunden hat die Fahrt gedauert, solange braucht der Intercity der Bahn auch. Einmal täglich fährt der HKX nun von Nord nach Süd und retour. An den Wochenenden werden zusätzlich Regionalbahn-Wagen der Nord-Ostsee-Bahn eingesetzt, um zusätzliche Verbindungen anbieten zu können. Ob sich die Bahnkonkurrenz auf Dauer halten kann, vermag noch niemand zu sagen. Den Bahnkunden jedenfalls wäre es zu wünschen.

Wer hinter HKX steckt Das Unternehmen HKX gibt es bereits seit 2009. Hauptinvestor ist die US-amerikanische Railroad Development Corporation, die bereits 16 Millionen Euro in das Projekt investierte. Ebenfalls beteiligt ist die Berliner Locomore Rail und der kanadische Investor Michael Schabas. Der Betriebsstart war eigentlich schon für 2010 geplant, musste aber mehrfach verschoben werden. Die Fahrkarten kosten zwischen 20 und 60 Euro.

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