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Konkurrenz für die Bahn: Flixbus hat jetzt auch Züge - was steckt dahinter?

Bekommt die Bahn im Fernverkehr endlich ernstzunehmende Konkurrenz auf den Schienen? Ab Ende März will FlixTrain mit Zügen zwischen Hamburg und Köln fahren. Doch hinter dem bescheidenen Angebot steckt ein alter Bekannter.

FlixTrain

Ein grüner Aufkleber soll den orangenen Locomore-Zug in einen FlixTrain verwandeln.

DPA

Mit Ausnahme der Busverbindung von und nach Berlin hatte die Bahn über Jahrzehnte das Monopol im innerdeutschen Fernverkehr. Erst als 2012 die gesetzlichen Grundlagen geändert wurden, setzte eine Liberalisierung des Fernbusverkehrs ein. Innerhalb kürzester Zeit entstanden neue Unternehmen wie MeinFernbus oder der ADAC Postbus, die preiswerte Verbindungen anboten.

Doch knapp fünf Jahre später gibt es nur noch einen Platzhirsch. Flixbus hat mit seinen giftgrünen Bussen den Markt fest im Griff. Nach eigenen Angaben werden inzwischen 1400 Ziele in 27 Länder bedient.

Auf den Gleisen dagegen hat die Bahn nur Konkurrenz im Regionalverkehr. Im Fernverkehr müssen Mitbewerber von der Bahn-Tochter DB Netz AG die Trassen mieten. In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche von neuen Anbietern. Doch so richtig durchstarten konnte keines der Unternehmen.

Erfolglose Bahn-Konkurrenz

Auf einer der wichtigsten innerdeutschen Strecken zwischen Hamburg und Köln via Ruhrgebiet versucht seit Juli 2012 das Unternehmen HKX der Bahn Paroli zu bieten. Die Abkürzung HKX steht für Hamburg-Köln-Express. Doch die zunächst angekündigten neuen Waggons kamen nie zum Einsatz. Der Fahrplan wurde über die Jahre mehr und mehr ausgedünnt.

Wird jetzt das gut gemeinte Vorhaben gerettet? Denn wer seit Anfang März die Homepage von hkx.de anklickt, wird automatisch auf eine neue Website weitergeleitet: flixtrain.de. Ein Blick auf den Fahrplan zeigt, dass die Züge auf dieser Strecke Hamburg-Köln nur einmal am Samstag und Sonntag verkehren - unter der Woche werden den Usern nur Bus-Verbindungen angezeigt.

Auf der für April angekündigten zweiten Strecke von Berlin über Hannover und Frankfurt nach Stuttgart ist ein Zug in jeweils eine Richtung von donnerstags bis dienstags unterwegs. Zwar benötigt der Zug sieben Stunden und ist damit eine Stunde schneller als der Flixbus, aber mit dem dünnen Fahrplan kann man nicht wirklich von einer Alternative für die Deutsche Bahn sprechen.

Alter Wein in neuen Schläuchen

In der Tat handelt es sich bei auch bei der zweiten FlixTrain-Strecke um alten Wein in neuen Schläuchen: Das Angebot ist mit dem des privat betriebenen Fernzuges von Locomore identisch. Der Zug mit seinen zunächst acht Waggons war seit Dezember 2016 auf dieser Strecke Berlin - Stuttgart im Einsatz. Doch musste aufgrund finanzieller Schwierigkeiten das Unternehmen im Mai vergangenen Jahres Insolvenz anmelden.

"Ab Mitte April werden die aktuell zwischen Berlin und Stuttgart verkehrenden orangenen Locomore-Züge der LEO Express GmbH das grüne FlixTrain-Design erhalten und damit zukünftig unter der Marke FlixTrain fahren", heißt es in einer Pressemitteilung vom 6. März.

Fakt ist: Beide vermeintlichen Bahn-Alternativen haben sich trotz attraktiver Preise mit ihrem Produkt und wegen ihrer schwachen Marke nicht etablieren können. Beide schlüpfen nun unter das Dach von Flixbus, einer Marke mit höherem Bekanntheitsgrad. Es handelt sich um einen letzten Wiederbelebungs- und Rettungsversuch mit einem immerhin starken Vertriebspartner. Aber schon wegen des minimalistischen Fahrplans dürfte FlixTrain kein ernst zu nehmender Konkurrent für die Deutsche Bahn werden.

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