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Ärger in der Regionalbahn: Eltern, Rad- und Rollstuhlfahrer quetschen sich in ein Abteil - und die erste Klasse ist fast leer

Wer in der Urlaubszeit mit einem Fahrrad oder Kinderwagen mit dem Zug fahren möchte, braucht gute Nerven. Auf etlichen Strecken müssen sich Radfahrer, Eltern und Rollstuhlfahrer in ein einziges Abteil quetschen. Die Verantwortlichen sprechen von einem Dilemma.

Mehrzweckabteil

Die Mehrzweckabteile in vielen Regionalbahnen sind begrenzt und überfüllt. Da Kinderwagen und Rollstuhlfahrer Vorrang haben, schauen vor allem Radfahrer oft in die Röhre 

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Langsam rollt die  in Richtung Lübeck-Travemünde Strand in den Hamburger Hauptbahnhof ein. Es ist ein sommerlicher Sonntagvormittag, den viele Menschen für einen Ausflug ans Meer nutzen möchten. Der Bahnsteig ist entsprechend gefüllt. Der Zug ist jedoch lang, die Reisenden verteilen sich gleichmäßig und schnell in die Doppelstockwaggons. 

Nur am hinteren Ende der Regionalbahn staut sich eine größere Menschentraube, vor der Tür. Der Grund: Dort befindet sich im unteren Bereich des Waggons das einzige sogenannte Mehrzweckabteil. Diesen Bereich müssen sich alle und Reisende mit Kinderwagen oder Fahrrad teilen.

Die Zugbegleiterin hat das Kommando übernommen sortiert mit bemerkenswerter Routine und Ruhe jedes der unablässig hintereinander eingeschobenen Gefährte in das ein. Und das, obwohl eine - gelinde gesagt - recht angespannte Grundstimmung vorherrscht. Beim Zusehen hat man dennoch nicht nicht leisesten Zweifel daran, dass diese Frau Tetris bis Level 29 ohne Probleme durchspielt. 

Am Ende passen dann trotz der geübten Bahn-Mitarbeiterin nicht alle Reisewilligen in den begrenzten Raum. Etliche Radfahrer bleiben schimpfend auf dem Bahnsteig stehen und müssen auf den nachfolgenden Zug warten - dann geht der Kampf für sie auf Neue los.

Nur ein Mehrzweckabteil - die erste Klasse bleibt leer

Als sich der Zug in Bewegung setzt, gehen ein Ruck und ein Klappern durch das Abteil. Die meisten der stehenden Passagiere halten mit einer Hand ihr Rad oder und fest und sichern sich mit der anderen selbst ab. Die Grundstimmung bessert sich langsam. Jeder der an Bord ist, ist froh darüber. "Es ist halt immer eine kleine Lotterie, ob man mit einem Fahrrad bei schönem Wetter noch mitkommt", sagt ein älterer Herr mit einem gut gepflegten Trekkingrad. Das sei leider auf anderen Nahverkehrsstrecken im Norden auch nicht anders, vor allem in der Urlaubssaison. Weitere Reisende pflichten ihm bei. Dafür, dass Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen grundsätzlich Vorrang haben, haben sie vollstes Verständnis, beteuern die meisten Passagiere im Abteil.

Allerdings fragen sie sich: Warum gibt es für alle Rollstuhlfahrer, Reisende mit Kinderwagen und Radfahrer nur ein einziges Abteil in vielen Bahnen - während die anderen Wagen, etwa die erste Klasse, teilweise sogar fast leer bleiben? "Fragen Sie beim Land nach. Die bestellen die Züge", lautet die Antwort der Zugbegleiterin. Die Pressestelle der Bahn bestätigt: "Besteller der Nahverkehrsleistungen in den einzelnen Bundesländern sind die Länder selbst", teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Und weiter: "Sie geben den Umfang der Leistungen und damit auch die Kapazitäten vor." Eine Mitnahmegarantie für Fahrräder gibt es ohnehin nicht. Das Zugpersonal entscheide, ob eine Mitnahme bei hohem Aufkommen aus noch möglich ist oder nicht. So soll die Sicherheit für alle Reisenden gewährleistet werden. 

Das Dilemma: Ausflügler- versus Pendlerinteressen

Das Verkehrsministerium Schleswig-Holsteins verweist wiederum auf das für den Nahverkehr im nördlichsten Bundesland zuständigen Unternehmen Nah.sh. Dort ist das Problem bekannt: "Das ist tatsächlich ein echtes Dilemma", sagt Sprecher Dennis Fiedel. Der Grund: Auf den hochfrequentierten Regionalstrecken – etwa zwischen Hamburg und Lübeck oder Hamburg und Westerland auf Sylt – sind das ganze Jahr über viele Pendler unterwegs. Das Fahrgastaufkommen ist auf diesen Linien also ohnehin schon hoch, in den Sommermonaten kommen vor allem an den Wochenenden noch Urlauber und Tagesausflügler dazu. Für die Pendler versuche man jedoch, möglichst viele Sitzplätze bereit zu stellen, so Fiedel. 

Es prallen also Ausflügler- und Pendler-Interessen aufeinander. An den Wochenenden gezielt mehr Waggons mit Mehrzweckabteilen einzusetzen, sei dagegen aus wirtschaftlichen Gründen kaum umsetzbar. Die Wagen müssten extra angeschafft werden und stünden dann womöglich einen großen Teil der Zeit nur ungenutzt herum. Die Situation sei tatsächlich unbefriedigend, aber nicht so einfach zu lösen, so der Sprecher.

"Beim nächsten Mal wieder das Auto"

Bei der abendlichen Rückfahrt von der Küste in Richtung Hamburg sieht die Situation an diesem Sonntag nicht viel anders aus. Wieder ist der letzte Wagen brechend voll, wieder müssen einige Radfahrer mit langem Gesicht draußen bleiben. Ein junges Paar quetscht sich zwischen Kinderwagen und Toilettentür, die Mutter hält sich mit einer Hand an ihrem Mann fest, mit der anderen sichert sie das Gefährt des Nachwuchses.

Sie erzählt, dass sie in der Regel für Tagesausflüge das Auto nehmen, weil sie für ihr vier Monate altes Kind soviel mitnehmen müssen. "Aber der Zug fährt ja fast bis an den Strand", sagt sie. "Und auf der Autobahn ist meistens morgens schon Stau und später kämpft man hier um die Parkplätze. Wir dachten, dass die Bahnfahrt entspannter ist. Und umweltfreundlicher ist es ja auch, wenn nicht jeder mit dem eigenen Auto kommt". 

Eigentlich finde sie es begrüßenswert, die Reisenden von der Straße auf die Schiene zu holen. Aber, so ihr Fazit: "Wenn das mit dem Kinderwagen jedes Mal so ein Heckmeck ist, nehmen wir nächstes Mal lieber wieder das Auto".

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Im Kampf um die störanfälligen Klimaanlagen in den Zügen probieren es die Zugbegleiter mit Humor.

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