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15. Januar 2006, 09:00 Uhr

"Last Minute ohne Ende!"

Was haben die Unternehmen von Rabatten? Der Kunde muss ja eine Anzahlung leisten, üblicherweise zehn Prozent. Und zwei Wochen vor der Reise den Rest. Mit diesem Geld kann der Veranstalter arbeiten. Denn die Flüge muss er erst am Flugtag bezahlen, die Hotelrechnung erst zwei, drei Wochen nachdem der Gast abgereist ist. Ein florierendes Reiseunternehmen ist immer gut flüssig. Setzt sich das Bausteinsystem durch, bei dem der Kunde seine Reise selbst zusammenstellt? Die Pauschalreise hat ein Imageproblem. Viele denken, sie ist was für Doofe. Hinzu kommt, dass die Kunden selbstbewusster geworden sind. Manche wollen zu ganz bestimmten Terminen in ein bestimmtes Hotel. Deshalb nimmt das Bausteinsystem zu, vor allem bei Kurzstrecken-Zielen wie Mallorca, wohin jeder einen Billigflug ergattern kann. Auch bei Langstrecken-Reisen wie Australien oder USA wird viel mit Bausteinen gearbeitet, weil deren Kunden sehr individuelle Wünsche haben. Aber die Masse bucht immer noch die gute alte Pauschalreise, wie früher. Wie lange noch, im Zeitalter des Internets? Sehr lange, glaube ich. Inzwischen gibt es so viele Angebote im Netz, dass die Kunden sagen: We are still confused, but now on a higher level. Viele suchen sich eine Reise im Internet raus und buchen dann was Ähnliches im Reisebüro. Läuft es nicht gerade umgekehrt? Nur bei Flügen, nicht bei Pauschalreisen. Ich hab mich mal in Reisebüros gesetzt und zugehört. Erstaunlich, wie viele hochinformierte und gleichzeitig sehr verwirrte Kunden da reinkamen. Die meisten Veranstalter haben sich Billigableger wie 1-2-fly, Berge und Meer oder Extra Sun zugelegt.Warum? Um alle Marktsegmente zu bedienen. Das ist wie bei Autofirmen. Jede hat eine E-Klasse für die Mittelschicht und eine A-Klasse für die kleinen Leute. Manche auch eine S-Klasse, bei Tui heißt sie Airtours.

Welche Länder sind derzeit schlecht gebucht? Zum Beispiel Bulgarien, Ägypten, Portugal, die Kanaren und die Gebiete, die vom Tsunami betroffen waren. Sind deutsche Touristen noch durch Krisen erschütterbar? Oh ja! Die Veranstalter täuschten sich sehr, als sie nach dem Anschlag in Sharm el-Sheik frohlockten, die Gäste würde das kaum berühren. In der Tat reiste keiner ab, weil die Infrastruktur ja nicht zerstört war. Und die schon gebucht hatten, kamen auch noch. Aber dann brachen die Buchungen ein. Jetzt hat Ägypten ein massives Problem. Ein Veranstalter lockt sogar mit einer "Sonnengarantie". Man kriegt 20 Euro pro Tag Entschädigung, wenn die Sonne nicht scheint. Pfiffige Idee, denn da unten scheint fast immer die Sonne. Wie kann man noch sparen? Indem man mit seiner Wunschreise ins Reisebüro geht und fragt, wird es billiger, wenn ich zwei Wochen später oder früher fahre? Oder mit einer anderen Gesellschaft fliege? Wenn man schon in der Hauptsaison reisen muss, dann sollte man nicht gleich am ersten Ferientag fahren. Es gab noch nie so viele Chancen, günstig zu reisen, wie 2006. Gibt es Veranstalter, die durchweg billiger als andere sind? Nein. Insofern sind Listen, wie sie etwa die Stiftung Warentest erstellt, für den Kunden ziemlich wertlos. Mag ja sein, dass etwa Alltours eine bestimmte Reise an einem bestimmten Tag billiger anbietet als, sagen wir, Tjaereborg. Aber für einen anderen Tag kann das völlig anders aussehen. Wer einen Termin und ein Ziel hat, sollte die Angebote aller Veranstalter danach prüfen. Die Unterschiede können groß sein. Wo fahren Sie am liebsten hin? (Lacht) Als ich noch bei der Tui war, kam diese Frage unvermeidlich bei Pressekonferenzen. Ich hab mich immer vorher beim Marketing informiert, welches unserer Zielgebiete gerade durchhing, und es zu meinem Lieblingsziel erklärt. Aber ehrlich, jahrelang war mein Favorit Portugal. Das Land ist mir zu teuer geworden. Außerdem riecht man die Waldbrände bis an die Algarvestrände. Ihre Alternative? Dieses Jahr war ich wieder auf Mallorca. Die Insel hat einfach alles. Da kannst du die Szene am Ballermann beobachten und danach im Luxushotel schlemmen. Interview: Wolfgang Röhl und Elfriede Roth

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 2/2006

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