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Die EU meint es gut mit gestrandeten Flugpassagieren. Vor sieben Jahren wurde ein Gesetz verabschiedet, dass die Rechte von Fluggästen stärkt, deren Flug ausfiel oder die nur mit Verspätung ihr Ziel erreicht haben. Ihnen steht neben einer Erstattung von eventuellen Übernachtungs- und VerpflegungkKosten auch eine Ausgleichszahlung zu. Bei einem Langstreckenflug, der über vier Stunden vom Flugplan abweicht, sind das immerhin 600 Euro. Soweit die Theorie des Gesetzgebers.

In der Praxis sieht das anders aus. Pocht ein Passagier auf sein Recht, geht er in den meisten Fällen leer aus. Die angeschriebenen Airlines verschicken häufig Briefe mit vorgefertigten Textbausteinen und reden sich heraus, indem sie sich auf "außergewöhnliche Umstände" berufen. Die Fluggesellschaften setzen auf eine Zermürbungstaktik, weil die meisten Betroffenen eine juristische und zeitintensive Auseinandersetzung mit den Airlines scheuen, wie Verbrauchschützer beobachten.

Hilfe für 30 Prozent Provision

"Viele Airlines bewegen sich erst, wenn Klage eingereicht ist", sagt die Rechtsanwältin und ehemalige Stewardess Antje Harsdorff in der Zeitschrift "Finanztest". Den teuren Weg zum Anwalt scheuen die meisten. Nur die wenigsten wissen, dass es inzwischen Dienstleister gibt, die sich um die Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen kümmern. Junge Firmen wie EUclaim, Flightright und Fairplane klagen notfalls vor Gericht. Ihr Geschäftsmodell ist einfach: Wenn es den Portalen gelingt, Geld für den Fluggast einzutreiben, behalten sie rund 30 Prozent der Entschädigung ein. Fließt keine Ausgleichszahlung, entstehen dem Fluggast - anders als beim Anwalt - keine Kosten.

Das Potential ist groß: "Bis zu 5000 Fluggäste könnten jeden Tag in Deutschland Ausgleichszahlungen fordern“, sagt Robert Weist, der Geschäftsführer von EUclaim Deutschland, zu stern.de. Dabei verfahren alle drei Fluggastrechteportale ähnlich: Bevor sie einen Fall annehmen, kann der Kunde per Datenbank auf der Website prüfen, ob ihm eine Forderung auf Ausgleichzahlung zusteht und nicht das Wetter an der Verspätung Schuld war. Dann muss die Airline nicht zahlen.

Nach der groben Einschätzung der Chancen auf Entschädigung, erfolgt die Auftragsvergabe. Anschließend übernehmen die Mitarbeiter der Portale den Schriftverkehr mit der Airline und suchen zunächst die außergerichtliche Einigung. Sollte die Airline nicht bereit sein, wird der Fall an einen Partneranwalt übergeben.

Viel Geduld erforderlich

Die Zeitschrift "Finanztest" hat die drei neuen auf Fluggastrechte spezialisierten Inkasso-Unternehmen in ihrer jüngsten Ausgabe unter die Lupe genommen. Bei der 2009 gegründeten Firma EUclaim und der 2010 gegründeten Flightright haben bisherige Erfahrungen gezeigt, "dass ein Verfahren deutlich länger als ein halbes Jahr dauern kann". Genervte Passagiere brauchen also Geduld. "Finanztest" hat zudem festgestellt, dass bei Stichproben in den Datenbanken von Fairplane und EUclaim Mitte Dezember 2011 noch die Fluggesellschaft Sun Express, die Urlauber in die Türkei fliegt, fehlte, was inzwischen korrigiert wurde.

Hartnäckigkeit kommt nicht immer weiter

Fazit: Alle drei Webseiten sind zunächst eine Erleichterung für Flugreisende, die schnell wissen möchten, ob sie für ihren "Problemflug" eine Kompensationspauschale im Sinne der EG-Verordnung mit der Nummer 261/2004 fordern können. Die neuen Fluggasthelfer sind ideal für Leute, die keine Lust auf einen Anwalt haben. Außerdem übernehmen die Stellen den lästigen Briefwechsel mit den Airlines. "Die rechtlichen Erläuterungen in den Briefen sind oft haarsträubend falsch", urteilt Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel in der "Finanztest" . Im Falle von Gepäckschäden oder eines Rechtstreits um die Kostenerstattung einer ungeplanten Hotelübernachtung helfen die Portale allerdings nicht.

Doch den Service-Portalen sind auch Grenzen gesetzt. Beim Thema Flugausfällen und Verspätungen weist nicht nur die irische Fluggesellschaft Ryanair die Ansprüche von Fluggästen zurück, sondern auch manches Gericht. Das Urteil von Robert Weist von EUclaim ist hart: Die Rechtssprechung der Gerichte an den Ryanair-Standorten sei zu verbraucherunfreundlich. Deshalb nimmt EUclaim derzeit keine Fälle von Leidtragenden des Billigfliegers mehr an.

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