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19. Februar 2010, 11:03 Uhr

Schlaf-Attacken am helllichten Tag

Plötzlich sind sie eingenickt: beim Reden oder Essen, in der U-Bahn oder im Kaufhaus. Gegen diese Schlafanfälle können Menschen, die an Narkolepsie leiden, nichts tun. Oft reagiert das Umfeld mit Unverständnis auf diese ernsthafte Krankheit.

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Narkoleptiker sind nicht Herr ihres Schlafs© Colourbox

Immer wieder nickte er auf dem Regiestuhl ein: Alfred Hitchcock, der berühmte Filmemacher. Napoleon litt unter demselben Phänomen, er schlief plötzlich bei Empfängen und sogar bei wichtigen Lagebesprechungen. Beide, so heißt es, hätten unter Narkolepsie gelitten. Menschen mit dieser Störung werden tagsüber von Schlafattacken heimgesucht - oft zu den unpassendsten Momenten und ohne, dass sie es wollen.

Für Menschen mit Narkolepsie ist der Alltag nicht leicht. Tagsüber geraten sie immer wieder in gefährliche Situationen, weil sie plötzlich in den Schlaf hineingleiten: beim Reden oder Essen, in der U-Bahn oder im Kaufhaus, in der Schule oder beim Job. Und sogar im Wachzustand können ihnen plötzlich die Muskeln versagen, der Körper wird schlaff wie im Schlaf. Zudem sind sie andauernd müde, und nachts können sie keine Ruhe finden. Viele Betroffene sind berufs- und erwerbsunfähig und gelten als schwerbehindert.

Fachleute schätzen, dass in Deutschland etwa 20.000 Menschen unter Narkolepsie leiden. Nur bei wenigen Tausend ist die Störung wirklich als solche erkannt. Die Dunkelziffer ist hoch, viele Menschen wissen gar nicht, dass es sie erwischt hat. Sie deuten die ersten Anzeichen der Krankheit nicht richtig oder spielen sie herunter.

Der Zwang zum Schlaf entsteht im Gehirn

Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung: Der Teil des menschlichen Gehirns, der den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert, ist dauerhaft gestört. Deshalb produziert diese Hirnregion zu wenig Hypocretin, einen Botenstoff, der zusammen mit anderen Schlafhormonen bestimmt, wann wir wach sind und wann wir schlafen. Produziert wird Hypocretin im Zwischenhirn, im so genannten Hypothalamus. Dieser Hirnkern ist eine der wichtigsten Schaltzentralen in unserem Gehirn.

Ob allein der Hypothalamus und die Hormonstörung zur Schlafkrankheit führen, ist noch unklar. Ebenso rätseln Wissenschaftler noch, welcher Hirnmechanismus genau zu den plötzlich auftretenden Schlafattacken führt. Bislang ist Narkolepsie nicht heilbar, allerdings lassen sich die Symptome lindern.

Die Umwelt zeigt oft kein Verständnis

Menschen mit Narkolepsie müssen zahlreiche Verhaltensregeln beherzigen, allein schon, um Unfälle zu vermeiden. Etwa beim Autofahren - wenn sie sich überhaupt ans Steuer setzen. Längere Fahrstrecken sollten sie grundsätzlich vermeiden, kürzere nur angehen, wenn sie sich fit fühlen. Spüren sie, wie die Schläfrigkeit sich breit macht, sollten sie sofort anhalten und ein Nickerchen machen.

Am meisten jedoch quält die Kranken, dass die Umwelt dem Leiden verständnislos gegenüber steht. Allzu häufig sind Freunde, Familienangehörige, Lehrerinnen oder Arbeitgeber genervt von dem Einnicken. Sie verspotten die Kranken als Faulpelze, Drückeberger oder Penner. Zudem drohen schlechte Schulnoten oder gar die Kündigung des Arbeitsplatzes.

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