. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
11. Januar 2008, 14:41 Uhr
Schriftgröße: A A A

Millionen gehen beim Riestern leer aus

Die Riester-Rente ein Flop? Zumindest für Geringverdiener, die hoffen, damit später ihre magere gesetzliche Rente aufzubessern. Was in den Beratungsgesprächen mit Banken und Versicherungen gerne verschwiegen wird: Die Sozialhilfe im Alter wird um den angesparten Riester-Betrag gekürzt.

Für viele Menschen könnte die Riester-Rente zur neuen Renten-Lüge werden - die Nachteile wurden ihnen verschwiegen© Picture-Alliance/Sander

Heute privat "riestern", damit später der Staat spart? Für Millionen zukünftige Rentner könnte dies in wenigen Jahrzehnten traurige Realität werden. Sie alle laufen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Monitor" Gefahr, trotz Riester-Rente im Alter keinen Euro zusätzlich in der Tasche zu haben. "Monitor" berichtete am Donnerstagabend, die Deutsche Rentenversicherung (DRV) habe errechnet, dass selbst ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, im Jahr 2030 voraussichtlich keinen Nutzen von Riester haben wird.

Besonders bitter für arme Rentner

Das Magazin zitierte aus einem internen Papier der Behörde wie folgt: "Je weniger Beitragsjahre ein Versicherter hat und je geringer in dieser Zeit seine Beiträge sind, desto weniger lohnt sich Riester." Besonders betroffen wären zukünftige Rentner, die im Alter auf Sozialhilfe angewiesen seien. "Monitor" berichtete, die Grundsicherung - die Sozialhilfe im Alter - werde genau um den angesparten Riester-Betrag gekürzt.

Tatsache ist: Wer so wenig gesetzliche Rente erhält, dass er davon nicht leben kann, bekommt staatliche Hilfe, die Grundsicherung. Wurde jedoch mit Riester privat vorgesorgt, so gibt es diese Rente nicht oben drauf, sondern der Staat zahlt entsprechend weniger Zuschuss zum Lebensunterhalt. In diesem Fall spart die Riester-Rente dem Sozialamt Kosten.

Riester-Rente wird auf Grundsicherung angerechnet

Im Beitrag erklärte der Rentenexperten und langjährige Regierungsberater Winfried Schmähl, dass davon keineswegs nur heutige Hartz-IV-Empfänger betroffen seien: "Millionen müssen damit rechnen, dass sich ihre Riester-Förderung gewissermaßen in Luft auflöst". Schuld sei das seit Jahren sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und eine gesetzliche Regelung, die bislang selbst Experten offensichtlich kaum bekannt ist: Die Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die Grundsicherung. Die DRV nannte den Bericht "sehr irreführend" und problematisch.

In einer Reaktion räumte die DRV ein, sämtliche Einkünfte, wie auch die Riester-Rente, würden auf die Grundsicherung angerechnet. Allerdings bemängelte die DRV, dass bei den vom Magazin genannten Bespielen keine Zusatzeinkommen aus Versicherungen, Erwerbstätigkeit oder Zinsen berücksichtigt wurde. Ob aber gerade Geringverdiener im Alter plötzlich über zusätzliches Einkommen verfügen würden, blieb offen. Laut einer Studie kämen bei Menschen über 65 Jahren nur 65 Prozent des Brutto-Einkommens allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung, so die Behörde weiter. "Insofern ist die pauschale Aussage, dass für einen Durchschnittsverdiener die Riester-Rente nicht sinnvoll sein kann, sehr problematisch", hieß es. Außerdem ermögliche es die Riester-Rente gerade Menschen, die keine zusätzliche private Rentenversicherung abschließen könnten, sich eine zusätzliche Altersvorsorge mit geringen Beiträgen aufzubauen.

Nachteile gezielt verschwiegen

Auch das Bundesarbeitsministerium wies den Bericht zurück. Die "Monitor"-Behauptungen basierten auf einer völligen Verzerrung der Situation der gesetzlichen Rentenversicherung. "Sie sind unseriös und werden wider besseres Wissen aufgestellt", sagte Ministeriumssprecher Christian Westhoff.

Stichproben von "Monitor" ergaben jedoch, dass Banken, Sparkassen und Versicherungen die Versicherten über diesen Sachverhalt selbst auf Nachfrage nicht aufklärten. Die BW Bank (Landesbank Baden Württemberg) rechtfertigte dies gegenüber dem ARD-Magazin damit, "Beratungen zur Gesamtthematik, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld I und II, Grundsicherung" seien ihr "per Gesetz nicht erlaubt". Den "allgemeinen Hinweis zu Anrechnung von Einkommen und Vermögen auf die Grundsicherung" wolle man aber "zukünftig deutlicher herausstellen".

Rürup fordert Gesetzesänderung

Der Wirtschaftsexperte Bert Rürup, der die Bundesregierung berät, forderte in "Monitor" eine Änderung der Gesetzeslage. Wer "riestert", müsse das Geld später tatsächlich zusätzlich in der Tasche haben. Nur so könne man späterer Altersarmut gezielt vorbeugen.

Stichwort: Riester-Rente Die 2002 eingeführte, nach dem damaligen Sozialminister benannte Riester-Rente, sollte den Pflichtversicherten die Möglichkeit bieten, Verluste bei ihren Rentenansprüchen auszugleichen. Damals erwartete die Bundesregierung jährliche Steuerausfälle in Höhe von 12,5 Milliarden Euro vom Jahr 2009 an. Der Staat fördert die Riester-Rente als zusätzliche Rücklage für den Ruhestand mit Zuschüssen oder Steuervergünstigungen.

Die Riester-Rente in Zahlen Bis Ende September 2007 gab es nach Angaben des Bundes insgesamt 9,7 Millionen Riester-Verträge. 2008 wird die Riester-Vorsorge noch lohnender: Dann erhöhen sich für alle Riester-Sparer die Grundzulage auf 154 Euro und die Kinderzulage auf 185 Euro jährlich. Für neugeborene Kinder wird dann die Zulage auf 300 Euro pro Jahr erhöht.

spi/DPA/Reuters
KOMMENTARE (10 von 72)
 
meine.meinung (13.01.2008, 21:38 Uhr)
Was für ein unsäglicher Quatsch ..
.. ist es davon auszugehen dass andere schon für einen sorgen werden? Shibby und Tobi_G gehören offenbar zu den wenigen die das richtig sehen. Es scheint unmodern, aber jeder ist letzlich für sich selbst verantwortlich, und dazu gehört natürlich auch das manch einer zumindest durch riestern seinen Beitrag bringt damit er nicht der Allgemeinheit zur Last fällt. Das kann doch wohl nicht wahr sein das man die Riesterrente jetzt schlecht redet weil man sich damit die Chance auf Sozialknete vermasselt. Dann müsste man ja konsquenterweise noch einen Schritt weiter gehen und die hirnrissige Empfehlung aussprechen dass bloss keiner mittels Immobillien oder privaten Rentenplänen, Kapitalvermögen etc. für sein Alter vorsorgt, weil all das ja den Anspruch auf Sozialknete vers..t. Macht sich eigentlich gar keiner mehr die Gedanken wer das alles aufbringen soll? Da wird einem ja Angst und Bange um seine Selbstabsicherung. Letztere sollte man wohl rechtzeitig in Sicherheit bringen damit die Schmarotzer die nicht auch noch über "staatliche Umverteilung" für sich beanspruchen können. Das hochgejubelte "Riesterproblem" wird es aber vermutlich gar nicht geben, denn die davon "benachteiligten" haben ja ohnehin keinen Riestervertrag. Diese "Spezialisten" haben ja "immer schon gewusst" das riestern nichts bringt ...
heiner5362 (11.01.2008, 18:29 Uhr)
@maria1000
bitter gelaufen für dich.
das kommt wenn man in dieser bananenrep an gerechtigkeit glaubt.
gesetze werden von wirtschaftskriminellen initiiert und von halbdebilen abgesegnet, die haben den kram noch nicht mal gelesen.
auf der strecke bleibt der gesunde menschenverstand.
der pawlowsche effekt erscheint bei "diätenerhöhung".
der reichstag erscheint mir wie ein bienenstock oder wespennest, perfekt zum ausräuchern.
aber es geht nichts drumherum :
es sollte verboten werden der (versicherungs)-wirtschaft da büros zu unterhalten um einfluss zu nehmen.
consultingfirmen sind gewachsen wie mafiöse strukturen und die finanzen werden mittlerweile nach deren gusto gelenkt.
der normale politiker ist mit verlaub BLÖD ausser das er das blaue vom himmel labern kann.
die legislativen entscheidungen werden mittlerweile in designerbüros der wirtschaft vorbereitet, deswegen auch jura als traumfach.
der depp mit mehrheit plappert nur nach was ihm aufgetragen wird und feiert sich selbst.
so leid es mir tut dein angespartes ist futsch.
allianz und co freuen sich diese moneten für ihre interessen verbraten zu können.
und hartz und riester und und und freuen sich über das dicke bündel in der tasche.
wer hier noch an einen demokratischen staat glaubt, kann gleich seifenprodukte von procter&gamble fressen.
heiner5362 (11.01.2008, 17:52 Uhr)
@nightmare
sauber recherchiert, glückwunsch
heiner5362 (11.01.2008, 17:19 Uhr)
nach hartz nun riester
die nächste vollbeschiss-gesetzgebung. dass bei unterversorgung alles angerechnet wird, war doch klar.
bei 5 € pro monat kommt ja auch nicht viel zusammen auch in 30 jahren nicht.
allianz und humbug-mülleimer kassieren derweil schon mal ab.
zinsen ??? erst mal die bearbeitungsgebühr abstottern !!!
haltets wie eure omi
in den strumpf unter die matratze mit dem geld.
und keinen smarten vermögensberater ins haus lassen, die wollen einem nur das beste : abzocken.
parallel zur studie der pharmariesen-> mehr geld für werbung als für forschung...
was ballern die versicherungskonzerne an schmiergeldern für ihre lobbyarbeit raus ? das bezahlt der dumme michel natürlich auch mit.
das ganze mal wieder ein genial durchdachtes konzept zum gelddrucken,
mal sehen was als nächstes kommt.
irgendein halbgeschasster manager der im nachhinein straffällig wird, wird sich schon finden.
Daisan (11.01.2008, 16:56 Uhr)
Solange die Schonvermögen unter Hartz IV so niedrig
sind, ist die Riesterei ohnehin fragwürdig, da die wenigsten von uns eine Garantie haben, durchgehend bis zum Rentenalter in Arbeit zu sein.
Und da die Schonvermögen geradezu lächerlich niedrig sind (was sind schon 9000 oder 10000 Euro?) ist es ganz besonders bitter, sein mühsam geriestertes bißchen Vermögen "verzehren" zu müssen.
Außerdem muß man der Ehrlichkeit halber sagen, daß man als Alleinverdiener mit Frau und Kind selbst bei durchschnittlichem Einkommen kaum etwas auf die Seite legen kann, auch weil in letzter Zeit vieles teurer wurde - vor allem Energie und Treibstoffe....
sportartmakler (11.01.2008, 16:32 Uhr)
@maria1000
ich halte 192€ förderung ab 2008 nicht gerade für wenig . hinzu kommen je nach individueller situation auch nicht unerhebliche steuervorteile. das sie das jetzt nicht wirklich mehr interessiert bzw. es ihnen egal sein kann ist mir klar.
fakt ist wir müssen alle vorsorgen. und da die wenigsten es schaffen 30jahre ihr geld unterm kopfkissen zu horten, muß man sich halt in form von altersvorsorgeverträgen dazu zwingen.
Maria1000 (11.01.2008, 16:22 Uhr)
@inka99: Genau so ist es!
NUR dei mittleren Einkommensbezieher und die mit mittlerem oder kleinen Ersparnissen BEZAHLEN diesen (A-)Sozialstaat!
Die mit ganz wenig zahlen eh NULL bzw werden bezuschusst/voll versorgt, die ganz Wohlhabenden ebenso, die juckt Rente oder nicht oder welche Höhe eh schon gleich 10x nicht!
Weder die Unterschicht noch die Oberschicht zahlt Einkommens-STEUERN, Sozialversicherung! Beide Gruppen beziehen nur Transferleistungen, die Durchschnittsverdiener (die übrigens immer WENIGER werden!)aufbringen müssen! Die einen beziehen Hartz4 jahrzehntelang und in 3./4. Generation, die anderen lassen sich ihre "unternehmerische Tätigkeit und Bankrotte" vom Staat finanzieren bzw. beantragen Subventionen!
Maria1000 (11.01.2008, 16:16 Uhr)
@sportmakler...
portartmakler (11.1.2008, 14:00 Uhr)
@mona
ihr gut gemeinter rat alle sollten 40 jahre schwarz arbeiten ist ihnen wohl so rausgerutscht, ernst gemeint und sinnvoll kann er zumindest nicht sein
----
Oh doch, er ist sogar SEHR sinnvoll! Leider nutzt er MIR nichts mehr .....und rausgerutscht ist er mir keinesfalls!
Abgesehen davon: Für kinderlose in Normalhöhebis leicht überdurchschnittlich bezahlt angestellt arbeitende Singles hält sich die staatliche "Bezuschussung" - wie immer halt - in engsten Grenzen und lohnt nicht!
Maria1000 (11.01.2008, 16:13 Uhr)
@w9wich und zman:
Was ich noch gar nicht erwähnte in meinem Beitrag ist, dass ich BEVOR ich die Frührente beantragte bereits mehrere Jahre ausschliesslich von meinen (Lebens-)Ersparnissen lebte und immer wieder Wertpapiere verkaufen musste (ja, wenn man kein Auto, Urlaubsreisen macht und 30 Jahre lang unbezahlte Wochenendarbeit neben einer 60-Stundennormalwoche im Büro, da kann man auch selbst als Single bisschen was weglegen), war ein 6-stelliger Betrag, den ich verbrauchen musste für Krankenversicherung, Wohnungsmiete, Essen, Bewerbungen, etc, weil mir ja eben WEGEN der aus versteuertem Einkommen in 30 Jahren angehäuften Ersparnisse keinerlei ALG 2 oder Grundsicherung zustand! (hatte vorher 11 Monate ALG 1 erhalten, aber leider keine Arbeitsstelle dann mehr gefunden, hauptsächlich wegen meines Alters)
Während die ebenfalls zeitgleich mit mir gekündigten Kollegen - teilweise mit Hausbesitz oder eben auf die Kinderchen rechtzeitig "überschriebenen" Vermögen fröhlich immer nochs ich Miete, Krankenversicheurng etc seit 10 Jahren nun vom Staat zahlen lassen....
So und nicht anders läuft das heute!
KEINER von Euch wird bis 67 Arbeit HABEN, und schon gar nicht "durchgehend" - jegliche Ersparnisse über diesen läppischen 200 Euro/Lebensjahr gehen als scoh VOR 67 komplett flöten!
Salzsteuer (11.01.2008, 16:07 Uhr)
Nur noch so
kenne ich Deutschland!
Die kleinen Leute werden nach Strich und Faden verarscht, und keiner kann sich wehren.
Warum, bzw. für wen arbeiten wir eigentlich noch?
Da plädiere ich doch eher für Schwarzarbeit und Wilderei.
MEHR ZUM ARTIKEL
Altersvorsorge So riestern Sie richtig

Die Riester-Rente boomt. Doch viele Sparer versäumen, die staatliche Förderung zu beantragen, und lassen Millionen Euro verfallen. Hier lesen Sie, wie Sie den Finanzminister richtig zur Kasse bitten können. mehr...

Riester-Rente Welche Anlageform passt?

Mit einer Riester-Rente profitiert der Sparer von den staatlichen Zulagen oder von einem Steuervorteil - und dies zusätzlich zur Rendite aus dem Vertrag selbst. Aber welche Anlageform passt zu wem? mehr...

 
Parnerangebot Zinsen — der große Unterschied
Zinsen — der große Unterschied Bank ist nicht gleich Bank

Wollen Sie Ihrer Bank Geld schenken? Oder lieber die besten Zinsen sichern? mehr

 
 
 
 
Aktuelle Extras
 
Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...