Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
die Bundesregierung will das Kindergeld vereinfachen. Ab 2027 soll man es nicht mehr extra beantragen müssen. Heute will das Kabinett den Gesetzentwurf verabschieden. Zunächst soll das Kindergeld erst ab dem zweiten Kind automatisch fließen, in einem zweiten Schritt für alle Kinder und immer dann, wenn mindestens ein Elternteil in Deutschland wohnt und arbeitet – und dem Finanzamt eine Bankverbindung bekannt ist. Gut so!
Damit setzt Schwarz-Rot bereits einen Vorschlag der Sozialstaatskommission um, die Ende Januar ihre Vorschläge präsentiert hatte. Darin geht es um die Vereinfachung der Sozialleistungen, und da gibt es dickere Bretter zu bohren als das Kindergeld.
Viele Menschen nehmen Sozialleistungen nicht in Anspruch
Denn anders als beim Kindergeld werden Leistungen wie Wohngeld und Grundsicherung von sehr vielen Menschen gar nicht erst beantragt. Beim früheren Bürgergeld schätzen Experten laut dem Armutsbericht der Regierung, dass zwischen 37 und 56 Prozent der Bezugsberechtigten nicht zum Amt gehen. Bei der Grundsicherung im Alter sind es fast zwei Drittel.
Die Gründe sind inzwischen gut erforscht. Erstens: Die Anträge sind zu komplex, oft wissen die Menschen gar nicht, wer eigentlich zuständig ist. Zweitens der eigene Anspruch, Geldprobleme selbst lösen zu wollen. Drittens die Scham, staatliche Stütze annehmen zu müssen – und schließlich die Sorge, andere könnten schlecht von einem denken.
Die Art und Weise, wie zuletzt die Abschaffung des Bürgergelds in Deutschland diskutiert wurde, dürfte die Situation für die, die sich für Hilfe schämen, nicht verbessert haben. Es wäre schön, die Bundesregierung würde wenigstens die Anträge einfacher machen und bei einer staatlichen Stelle bündeln. Das allerdings ist ein schwieriges Vorhaben, weshalb ich skeptisch bin, ob sich Schwarz-Rot richtig an das Thema herantraut. Aber man darf ja noch hoffen.
Welche Ziele verfolgen Israel und die USA?
„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ An diesem Satz des berühmten Militärstrategen Carl von Clausewitz muss ich in diesen Tagen oft denken. Der Satz wird oft missverstanden. Es ging Clausewitz nicht darum, den Krieg als normales Mittel der Politik zu rechtfertigen. Eher ging es ihm darum, dass es keine militärische Logik ohne eine politische gibt. Mit anderen Worten: Man kann einen Krieg militärisch gewinnen und ihn trotzdem politisch verlieren.
Womit wir beim Irankrieg wären. Was, so frage ich mich immer mehr, ist dabei politisch eigentlich zu gewinnen? Dass der Iran zur Demokratie wird, ist nicht zu erwarten. Auch wenn Benjamin Netanjahu das gerade wieder nahelegte, nachdem er stolz den Tod von Irans Sicherheitschef Ali Laridschani durch israelischen Beschuss erklärt hatte.
Netanjahu ist nicht so schlicht wie Trump
Während ich mir bei Trump schon vorstellen kann, dass er einfach zu schlicht ist, um zu kapieren, dass sich das Regime nicht einfach wegbomben lässt, und dass der Iran genug Möglichkeiten hat, die Weltwirtschaft empfindlich zu stören, liegt die Sache bei Netanjahu anders. Er hat offenbar ein Interesse an einem destabilisierten Iran. Außerdem hilft ihn der Krieg, gleichzeitig vergleichsweise unbehelligt im Libanon intervenieren zu können.
Möglicherweise will er sogar, wie einige Beobachter jetzt fürchten, die schiitische Bevölkerung auf Dauer aus dem Südlibanon vertreiben. Netanjahu wirkt berauscht von seinen militärischen Erfolgen. Aber am Ende muss er auch eine Politik liefern, die auf Dauer Frieden schafft. Ob er Israel zu einem sichereren Land macht? Ich glaube das nicht.
5-Minuten-Talk: Merz schrödert – das sind die Risiken
„Das ist nicht unser Krieg“, so schallt es US-Präsident Trump aus Berlin entgegen. Wenn Kanzler Merz heute im Bundestag seine Regierungserklärung hält, dürfte dieser Sound wieder zu hören sein.
Aber wie scharf tritt Friedrich Merz auf? Schon jetzt erinnert sein Widerstand etwas an jenen, den der Sozialdemokrat Gerhard Schröder einst gegen den Irakkrieg leistete. So verführerisch ein solcher Kurs ist, er hat Risiken. Die analysieren meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz:
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Mittwoch, dem 18. März 2026
- Verdi ruft zum Warnstreik auf. In München trifft es von heute bis Freitag den Nahverkehr, U-Bahnen und Trams fahren deutlich seltener. Auch das Flughafenpersonal am Berliner Flughafen streikt: Am Mittwoch fallen alle Passagierflüge aus.
- Der FC Bayern München empfängt Atalanta Bergamo zum Rückspiel im Achterfinale der Champions League. Das Hinspiel gewannen die Bayern mit 6:1.
- In Leipzig startet mit einem Festakt die Buchmesse, darin wird dem Schriftsteller Miljenko Jergović der Leipziger Buchpreis für „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“ überreicht. Juli Zeh liest mit einem Dutzend Unterstützern 18 Stunden lang ihren Roman „Unterleuten“ in einem Rutsch vor.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Haben Sie heute gut geschlafen? Viele haben da Probleme, acht Stunden störungsfreies Schlummern gelten als das Idealmaß. Viele, die das nicht schaffen, versuchen den Störungen mit Smartwatches auf die Spur zu kommen. Das führt oft zu noch mehr Kummer. Denn Forscher haben längst festgestellt, wie wir über unseren Schlaf denken, hat – zumindest kurzfristig – mehr Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, als wie lang wir tatsächlich schlafen.
Und auch das ununterbrochene Schlafen ist gar nicht nötig. Schließlich schläft der Rest der Welt oft ganz anders, wie mein Kollege Stephan Draf feststellte:
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Matthias Urbach