19. Juli 2012, 12:25 Uhr

Überzogen - abgezogen

Jetzt ist es amtlich: Die Banken zocken ihre Kunden bei den Dispozinsen ab. Einen Zinshöchstsatz wird es mit Verbraucherministerin Ilse Aigner aber nicht geben. Sie vertraut auf den Zinsen-Pranger. Von Gernot Kramper

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Die Zinsen für Dispositionskredite sind meist zu hoch, lautet das Fazit der aktuellen Studie©

Seit letztem Herbst sind Bankkunden richtig sauer: Im September 2011 hatte die Stiftung Warentest die Zinsen für Dispositionskredite verglichen und Deutschlands teuerste Banken gekürt. Die Kaltenkirchener Bank, die Volksbank Braunlage und die Sparkasse Münden verlangten damals mit 14,75 Prozent die höchsten Zinsen von Kunden, die ihr Girokonto überziehen. Eine Welle der Empörung brandete durch die Republik, denn auch der damals von der Stiftung ermittelte Durchschnittszins lag bei stattlichen 12.4 Prozent.

Die Aufregung war deshalb so groß, weil fast jeder Kontoinhaber betroffen ist. Die Banken räumen jedem Kunden einen großzügigen Verfügungsrahmen ein, um ihn anschließend bei den Zinsen zur Kasse zu bitten. Gleichzeitig können sich die "notleidenden Banken" seit der Finanzkrise praktisch umsonst finanzieren. Die Leitzinsen liegen unter einem Prozent, die Differenz zum Zins für den Dispositionskredit also über zehn Prozent.

Studie widerlegt Banken

Nun wollte auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nicht untätig bleiben und gab eine Studie beim "Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung" und dem "Institut für Finanzdienstleistungen" heraus. Das Ziel: Feststellen, ob die Banken ihre Kunden wirklich abzocken. Das Ergebnis der Studie in Kurzform: Ja, die Dispozinsen sind Abzocke, aber man kann nichts dagegen tun - so berichtet jedenfalls die "Süddeutsche Zeitung".

Die Banken rechtfertigen die hohen Zinsen damit, dass die häufig kleinen Kredite viel Mühe machten und die Institute auch das Ausfallrisiko absichern müsste. Beides stimmt so nicht. Das Ausfallrisiko sei deutlich niedriger als bei einem herkömmlichen Konsumentenkredit, so die Studie. Der Verwaltungsaufwand für die Kredite habe sich in den letzten Jahren nicht erhöht, sehr wohl aber die Marge der Banken.

Zu gut Deutsch: Dispositionskredite sind ein Bombengeschäft, zumal es sich nicht um kleine Summen handelt. Insgesamt beläuft sich das Volumen der Überziehungskredite in Deutschland auf 40 Milliarden Euro. Die Experten folgern, so das Blatt weiter, "dass die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten deutlich übersteigen". Sie meinen, die Banken würden auch mit einem Zinssatz von zehn Prozent "profitabel arbeiten".

Keinen Zinsendeckel

Würde ein gesetzlich festgelegter Höchstsatz helfen? Leider nein, meinen die Experten. Dann würden die schwarzen Schafe der Branche ihre Zinsen zwar senken müssen, aber - so zumindest die Befürchtung - die jetzt noch günstigen Banken würden sich fortan am gesetzlichen Höchstwert orientieren Für die Verbraucher insgesamt würde es eher teurer werden.

Außerdem finanzieren die Dispozinsen zurzeit die niedrigen Kontoführungsgebühren, mit denen die Banken die Kunden ködern. Stoppt der Gesetzgeber die hohen Dispozinsen, nimmt er höhere Grundgebühren in Kauf. Mehr im Portemonnaie hätte der Kunde dann nicht.

Abschreckung durch Information

Von diesen Argumenten hat sich Ilse Aigner überzeugen lassen. Außer ministerieller Empörung wird es keine Maßnahmen geben. Die Verbraucherministerin forderte die Banken und Sparkassen nur auf, für "faire Konditionen und volle Transparenz" zu sorgen. Es sei nicht vermittelbar, dass die Institute sich zu historisch niedrigen Zinsen Geld besorgen könnten - bei ihren Kunden aber zum Teil heftig zulangten.

Schwarze Schafe sollen in Zukunft an den Pranger gestellt werden. Als Anregung: Zurzeit steht der aktuelle Zinssatz nur im Kleingedruckten. Vielleicht würde es helfen, wenn die Bankfilialen ihren Zinssatz in Posterdimensionen ins Schaufenster hängen müssten. Die Auskunft "Dispo heute 14,5 Prozent " würde Kunden abschrecken.

 
 
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