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9. Oktober 2008, 17:09 Uhr

Kommunen verzockten Millionen

Selten sind Steuermittel so schnell verpufft wie in diesen Tagen. Ein paar falsche Investments - und schon ist das Geld futsch. Selbst Kommunen haben sich schwer verzockt, wie das neue Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler belegt. Der Verband fordert Konsequenzen. Von Sebastian Christ

Der Chef des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, mit dem neuen Schwarzbuch© Peer Grimm/DPA

Oktober 2008, das ist die Zeit der Riesenzahlen. Die Bürgschaften des Bundes für die Hypo Real Estate bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich. In Amerika springt der Staat mit maximal 700 Milliarden Dollar für unseriöse Bankgeschäfte ein: Eine Milliarde mal sieben mit zwei Nullen dran. Über eine Billionen Euro könnte der Gesamtverlust durch die Finanzkrise betragen. Und die Bundesregierung sieht sich gezwungen, im Notfall für 1,6 Billionen Euro Sparguthaben gerade zustehen. Die Ziffern erreichen wöchentlich neue Dimensionen.

Auch der Bund der Steuerzahler sprach am Donnerstagmittag von Milliarden, als er sein Schwarzbuch "Die öffentliche Verschwendung 2008" präsentierte. "Die diesjährige Vorstellung unseres Schwarzbuches findet zu einer Zeit statt, in der sich von Tag zu Tag die finanzwirtschaftliche und finanzpolitische Nachrichtenlage mit rasender Geschwindigkeit verändert und immer dramatischer wird", so der Vorsitzende des Bundes, Karl Heinz Däke. "Ein Ende ist weder abzusehen noch kalkulierbar."

Riskante Spekulationsgeschäfte

Im Mittelpunkt standen daher vor allem die Spekulationsgeschäfte der staatlichen Banken, bei denen Werte im zehnstelligen Bereich vernichtet wurden. Zum Beispiel die Mittelstandsbank IKB: "Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beziffert ihren IKB-Verlust auf insgesamt acht Milliarden Euro. Zudem musste der Bund die IKB mit 1,2 Milliarden Euro aus dem Bundeshauhalt 2008 unterstützen. Somit kostet die IKB-Krise den Steuerzahler direkt und indirekt 9,2 Milliarden", so Däke bei einer Pressekonferenz in Berlin. "Obwohl die Bundesregierung im Aufsichtsrat der IKB vertreten ist, erklärten sich die Beteiligten als ahnungslos und desinformiert. Für die Steuerzahler ist das ein weiterer Schlag ins Gesicht, denn wozu gibt es dann überhaupt Aufsichtsräte."

Kritik gab es auch für die Rolle der Landesbanken: Die Bayern LB habe bis April insgesamt 4,2 Milliarden Euro an "Belastungen aus der Finanzmarktkrise" zu tragen gehabt. Etwa 100 Millionen davon seien "echte Verluste" gewesen. Sollten diese Verluste die Schwelle von 1,2 Milliarden Euro überschreiten, müsste der Steuerzahler dafür aufkommen. "Die Politik ist es dem Steuerzahler schuldig, alles dafür zu tun, dass Bankenmanager für den von für den von ihnen verursachten Schaden auch haften", sagte Däke. "Folgerichtig ist es auch notwendig, dass auch diejenigen, die vorsätzlich oder fahrlässig Steuergelder verschwenden, strafrechtlich, disziplinarisch oder auf dem Wege des Regress es belangt werden."

Bis zu 700 Kommunen betroffen

Sogar in den Kommunen sei mit Steuergeldern gezockt worden. "Mit so genannten 'Swap-Geschäften' hat die Stadt Hagen mehr als 50 Millionen Euro verloren, Remscheid 13 Millionen, Neuss 10 Millionen, Mühlheim 6 Millionen, die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland rund 4,4 Millionen Euro." Däke zitierte Expertenschätzungen, nach denen rund 700 deutsche Kommunen in Swap-Geschäfte involviert waren. "Das finanzielle Ausmaß der Lasten aus der Finanzkrise auf allen staatlichen Ebenen ist für die Steuerzahler derzeit kaum abzuschätzen." Däke forderte, dass den staatseigenen Banken künftig "hochspekulative Geschäfte" verboten werden. Außerdem solle der Bund strikte Bedingungen an Bürgschaften knüpfen, die er maroden Kreditinstituten gewährt: "Die Banken müssen umfassend darüber informieren, ich welcher Höhe Bürgschaften notwendig sind. Die Salami-Taktik der Hypo Real Estate darf sich nicht noch mal wiederholen."

In dem Schwarzbuch finden sich neben den Pleitefällen aus dem Finanzbereich auch mehr als weitere 100 Beispiele für Steuerverschwendung durch Kommunen, Länder und Bundesregierung. Viele davon belegen Schäden in Millionenhöhe: Und doch scheinen sie in diesem Jahr seltsam klein im Vergleich zu dem, was andernorts passiert.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
mutti1 (10.10.2008, 10:26 Uhr)
auwaaaa
550.000 euro für einen thüringer waldfriedhof in suhl nord, wer hat überhaupt noch groß geld, oder lust da begraben zu sein?die meisten müssen vom staat unter die erde in billigurne gebracht werden.
bei 20 % armen u. hartz4 , denn 12 prozent arbeitslose sind einfach irreal.
whismerh2 (10.10.2008, 08:43 Uhr)
Recht hast Du
Sternchen2020.
Der allgegenwertige und in gewohnter Reihenfolge erscheinende Bericht.
Sich darüber aufregen bringt eh nichts da bekannt.
Schön da er mitten in der sogenannten Finanzkrise erscheint.
Kann man nur hoffen das er mehr Gehör findet.
Sternchen2020 (10.10.2008, 07:48 Uhr)
Das ist
schon lange bekannt, einige haben schon vor langem darüber berichtet und davor gewarnt.
http://spreegurke.twoday.net/stories/5044280/
Salzsteuer (10.10.2008, 07:40 Uhr)
n8g8,
lieber schneide ich mir mein Schniedelchen ab als die CSPDU zu wählen. Unter den Fehlern dieser Regierung habe ich aber genauso zu leiden wie SIE auch!!!
mutti1 (10.10.2008, 07:12 Uhr)
auwaaaa
Bei den ÄRMSTEN,DEN HARTZ 4BEziehern knausern und ihnen zb. die Gebühren auf 30 euro erhöhen bei Klagen geg. ihre Bescheide....
denen den Diätzuschlag von monatl. nur
! 25 euro bei kostenaufwändiger Diät mögl. wegnehmen, JETZT!, das können die, aber mit Steuergeldern oder Soli rumschludern u. dreckige Geschäfte machen , das geht, es ist ein ewoger schlamassel, Brücken ins nirgendwo, Parkplätze in der Prärie, und von den 95 MRD hätten die hälfte der hartzis 1 jahr ihre bettelpfennige davon gehabt.
Marsmann (10.10.2008, 05:42 Uhr)
Die "Geldbeschaffer"
einer bestimmten Regierung haben für ihre Kriegskasse ja alle üblen Tricks angewendet, um ihre eigene Bevölkerung und die von der "Globalisierung" verfallenen Ländern auszuquetschen. Dass die Banken da mitspielten oder auch nur Spielball waren, ist mir irgendwie klar, aber dass sogar Kassenwarte von Kommunen dafür die Berechtigung, haben ist unfassbar!
flyingfree (10.10.2008, 04:57 Uhr)
@n8g8
Eines muss ich noch klarstellen.Es leiden auch jene unter dieser unsäglichen Regierung, die sie nicht gewählt haben. Zum Beispiel ich. Keine der beiden Parteien.
blahsack (09.10.2008, 22:39 Uhr)
Heute in der Post
ein freundliches Schreiben des Finanzamtes: Ich werde gebeten 540.- € nachzuzahlen. Letztes Jahr wurden die Fahrkostenzuschüsse meiner Kinder für die Busfahrkarte gestrichen weil die Kommune kein Geld mehr dafür hat - 90€/monat zusätzlich. Der Solizuschlag kostet 36.-/Monat. Pendlerpauschale wurde auch gestrichen (20 km) - bei uns fährt aber nur ein Schulbus - 120€/Monat. Abwassergebühr wurde verdoppelt 26€ /Monat. Das Allein sind 2832 € / Jahr - mehr als ein volles Monats-Nettogehalt. Und jetzt muss ich feststellen, das die Kommune damit herumzockt ????
Ich werde die Steuernachzahlungsforderung nicht begleichen! Sollen die mich verklagen. Auf die Argumente bin ich gespannt!
n8g8 (09.10.2008, 22:15 Uhr)
@Sawadee
Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.
Warum machen Sie am Montag nicht einfach einen Spaziergang und sind ab 17.30 Uhr bei einem zentralen Punkt in Ihrer Stadt zur Montagsdemo? Dort dürfen Sie Ihre Ansicht gerne FRIEDLICH über Mikrofon und Ihren Protest mit Füßen auf der Straße zeigen.
Montagsdemo - auch in IHRER Stadt!
(im "Westen" übrigens schon seit mehr als vier Jahren ...)
Sawadee (09.10.2008, 21:42 Uhr)
Es darf alles nicht wahr sein...
Was man in den vergangenen Tagen,Wochen und Monaten so hört und liest,darf doch einfach nicht wahr sein.Es ist eine Schande,daß unfähige und Stümperhafte Bürgermeister,Bankmanager und Politiker unser ganzes Land in den Ruin reißen.Immer schön nach dem Motto:Hauptsache mir geht es richtig gut,bekomme meine Millionen und wenn das Geld nicht reichen sollte,wird irgendwer bestimmt irgendwo eine neue versteckte Steuer ins Leben rufen.Der naive deutsche Michel läßt es sich ja gefallen.Ganz ehrlich,ich habe so langsam keine Lust mehr,meine Steuern für so einen Unsinn zu entrichten.Lohnsteuer,KFZ-Steuer,Mineralölsteuer,Mehrwertsteuer,Vergnügungssteuer,Tabaksteuer....Die Zahl der Steuerarten läßt sich noch endlos fortführen.Und was wird mit all diesem Geld gemacht?Vielleicht neue Schulen oder Kindergärten gebaut?Wird das Geld in die Infrastruktur der Städte gesteckt?Mitnichten!Da heißt es dann ständig und immerfort:"Wir haben kein Geld,wir sind pleite,wir müssen unseren Haushalt konsolidieren,usw.Aber zum Verplempern unseres Geldes ist immer genug da.Für wie dämlich hält man uns eigentlich?Wenn die Verantwortlichen vernünftig und mit Augenmaß unser aller Geld verwalten würden,ginge es uns allen blendend und die Steuerlast könnte drastisch gesenkt werden.Aber daran denkt ja niemand.Und leider ist das nicht nur in Deutschland so,sondern weltweit.Es darf alles nicht mehr wahr sein !!!
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