"Fertigmachen, Fertigmachen!"

13. Juni 2013, 18:45 Uhr

Nach über einem Jahr Stillstand passiert was beim Hauptstadtflughafen. Und BER-Chef Hartmut Mehdorn will es allen zeigen, dass er anpackt. Also hat er schon mal einen Springbrunnen anknipsen lassen. Von Lutz Meier

BER, Flughafen, airport Berlin, Mehdorn, Eröffnung

Immerhin: Der Springbrunnen vor dem BER funktioniert schon. Da kann das Wasser schon mal schön plätschern, auch wenn sich noch keine Passagiere daran erfreuen können.©

Hartmut Mehdorn hat ein bisschen aufräumen lassen am neuen Flughafen. Bauzäune weg, Container weg, sogar ein Springbrunnen auf dem Vorplatz wurde angeknipst. Aus manchem Blickwinkel sieht es jetzt aus, als könnte es morgen losgehen an jenem Airport, der zur Lachnummer geworden ist, seit vor über einem Jahr die Eröffnung abgesagt wurde. Mehdorn, seit drei Monaten Flughafenchef, gibt zu, dass er die Aufräumaktion vor allem aus psychologischen Gründen veranlasst hat: Man soll sehen, dass sich was tut am Terminal, sagt er, als er zur Vorlage der Bilanz der Flughafengesellschaft erscheint.

Immer noch kein Eröffnungstermin

Immer noch gibt es keinen Eröffnungstermin für den künftigen Hauptstadtflughafen, immer noch keine Gewissheit über die Kosten der Verschiebung. All das muss noch bis zum Herbst warten, sagt der Chef. Jetzt aber, jedenfalls ab Mitte Juni, gibt es Aktivität auf der Baustelle, verspricht er. Jetzt wird gehandelt. Wenn man auch noch nicht ganz genau sagen kann, mit welchem Ziel. Teileröffnung? Volleröffnung? Mehdorn weiß, was er will, nämlich den Flughafen Schritt für Schritt öffnen. Aber er weiß noch nicht, ob man ihn auch lässt. Seine Aufsichtsräte, die Regierungschefs Matthias Platzeck und Klaus Wowereit, haben schon laut über die Idee gegrummelt.

"Warum hat man das nicht vor einem Jahr gemacht?"

Fest steht, dass seit mehr als einem Jahr fast nichts auf der Baustelle passiert ist. Mehdorn könnte sich darüber aufregen, dass nicht, zum Beispiel "einfach mal die Treppenhäuser gestrichen werden". Aber dann würde er ja schon wieder öffentlich auf seinen Technikchef Horst Amman einprügeln, der für das Jahr verantwortlich war. "Hätte man machen können, ist richtig", sagt Mehdorn. "Wir machen's jetzt". 20 Millionen Euro kostet die Unterhaltung der stillstehenden Baustelle pro Monat, dazu kommen 14 Millionen entgangene Einnahmen für jeden Monat, den der Airport später aufmacht. Der Chef hat jetzt auch eine Betriebsgenehmigung für die neue Start- und Landebahn beantragt, wird diese erteilt, könnte die neue Bahn ab kommenden Sommer benutzt werden. "Da frag ich mich auch, warum hat man das nicht vor einem Jahr gemacht?", schimpft Mehdorn. Seht her, soll das heißen, ich würde ja gern. Mehdorn mag über 70 sein, aber an demonstrativer Tatkraft lässt er sich nicht übertreffen.

Zuerst das Nordpier

Als erstes lässt er jetzt mal das Nordpier fertigbauen. Dann ist schon einmal was los auf der Baustelle. Was die Flughafentechniker bei der Bestandsaufnahme vorgefunden haben, ist Arbeit genug: Kabeltrassen überbelegt, Durcheinander zwischen Stark- und Schwachstrom, Leitungen die nicht zuzuordnen sind. Dazu kommt dann noch das Problem mit der Brandschutzanlage. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Außerdem müsse man seinen Leuten Ziele geben, damit sie arbeiten, sagt Mehdorn. Und das Ziel ist, den Nordflügel als erstes zur Probe zu öffnen.

Der Nordflügel ist das Terminal für die Billigflieger. Derzeit verhandelt Mehdorn mit Easyjet, Condor und Norwegian, ob eine der Airlines vorab vom neuen Flughafen starten will. Im Juli will Mehdorn entscheiden, ob der Umzug in dieser Form Schritt für Schritt stattfindet. "Wir warnen davor, dass in einer Nacht mit einem Bumms zu machen", sagt er. Wenn das schief gehe, dann könne er sich die Schlagzeilen schon vorstellen. Die Frage, die er nicht stellt: Wie wirkt es, wenn der neue Glanz-Airport zuerst mit Billigfliegern startet? Lieber mit einem Billigheimer üben, als mit einer Edelairline baden gehen, findet Mehdorn offenbar.

Mehdorn macht's jedenfalls Spaß

Er ballt die Fäuste, zeigt allen seinen Tatendrang. Er war bei der Bahn, bei Air Berlin, könnte längst in Rente sein. Und jetzt der dritte Chaosjob. "Alle drei haben richtig Spaß gemacht", entgegnet Mehdorn. Die Bahn: "Komplexität der Menge"; Air Berlin: "Purer Existenzkampf". Und jetzt müsse er sich halt mit der Politik herumschlagen. Da gibt er lieber Marschrouten für die Mitarbeiter aus. Sprint heißt das Programm, die Botschaft an die Leute gibt der Chef so wieder: "Fertigmachen, fertigmachen!" Mehdorn grinst. "Na jut", berlinert er und geht.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Wieso ensteht auf heißer Milch oder Kakao immer diese eklige Haut?

 

  von Fragomatic: Wieviele Enklaven gibt es der Europäischen Union einschl. der Schweiz?

 

  von Musca: Ist das Betrug? Es werden völlig unrealistische Werte bei der Gebäudesanierung genannt

 

  von Amos: Wenn man sich verletzt und das Blut ableckt, schmeckt es metallisch. Warum?

 

  von Amos: Wieso kommt die Steuerfahndung immer morgens um 6? Hat das bestimmte Gründe? Ich dachte,...

 

  von Amos: Darf man im Elsass Deutsch sprechen oder hören Franzosen das nicht so gerne? Z. B. im Bistro oder...

 

  von blog2011: Ich muss mal eine dumme Frage loswerden wg. der Schweizer Franken.

 

  von bh_roth: K-Wert eines Mauerwerks

 

  von Amos: Aus einem anderen Forum: heißt es schallgedämpft oder schallgedämmt?

 

  von Panda09: Gute Fotokamera?

 

  von bh_roth: Thema Holzmauerwerk

 

  von ing793: "Ein guter Gulasch brennt zweimal" heißt es - warum eigentlich?

 

  von bh_roth: Bremsen rubbeln

 

  von Amos: Warum reißt der Mercedes-Stern in der Waschanlage nicht ab? So stabil sieht das Ding nicht aus!

 

  von blog2011: Ist ein illegaler Download immer nachweisbar?

 

  von HH-Immo: Wie kann man surfen im Internet die Werbung ausblenden?

 

  von Amos: Im Internet hat mich alle zwei Stunden der Proxy-Server herausgeschmissen. Jetzt habe ich bei...

 

  von dorfdepp: Wofür die 24,95?

 

  von Mehrwisser: Sauna im Garten?

 

  von RenGei02: iPhone 4s beim Zurücksetzen aufgehängt