25. Juli 2012, 06:49 Uhr

Finanzexperten warnen vor Eurokatastrophe

Ist die Schuldenkrise im Euroland noch beherrschbar? Experten melden ernste Zweifel an. Sie halten den negativen Ausblick der Ratingagentur Moody's für Deutschland für berechtigt.

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Der Euro in der Krise: Wirtschaftsexperten warnen vor einer "Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen".©

Unter Wirtschaftsexperten und Politikern wächst die Sorge, dass Deutschland mit der Schuldenkrise in der Europäischen Union bald überfordert sein könnte. Hintergrund ist die Einschätzung der Ratingagentur Moody's, wonach die Spitzenbonität der Bundesrepublik gefährdet ist. Die Meinungen über die Folgen einer Staatspleite Griechenlands gehen auseinander.

"Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu", heißt es laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in einem Gutachten von 17 europäischen Ökonomen. Die Wissenschaftler, darunter der Sachverständige Peter Bofinger, verlangen demnach von den Regierungen dringend mehr Anstrengungen, um den drohenden Kollaps noch zu vermeiden. Eine langfristige Transferunion lehnen sie dagegen ebenso ab wie Eurobonds.

Griechenland sollte in Eurozone bleiben

Die Beseitigung der Altlasten - also der Schuldenkrise - müsse noch stärker als bisher von allen Euroländern gemeinsam getragen werden, heißt es DPA zufolge in der Studie, die vom US-Institute for New Economic Thinking veröffentlicht wurde. Kurzfristig sei unter anderem die Ausweitung des Garantierahmens für die Schuldenstaaten notwendig, sofern sie die vereinbarten Reformauflagen umsetzten.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld, einer der 17 Gutachter, nannte den kritischen Ausblick von Moody's für Deutschland berechtigt. Er plädierte dafür, Griechenland in der Eurozone zu halten. Ein drittes Rettungspaket dürfe es aber nicht geben, wenn die Regierung in Athen Auflagen nachweislich nicht erfüllt habe, sagte der Freiburger Ökonom der "Rheinischen Post".

"Auch Rettung kann ansteckend sein"

Auch das Münchner Ifo-Institut sieht in der neuen Bewertung Deutschlands eine deutliche Warnung. "Wir sehen uns in unserer Analyse bestätigt, dass auch Rettung ansteckend sein kann", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wenn Griechenland zahlungsunfähig werde und aus der Eurozone ausscheide, müsse Deutschland mit bis zu 82 Milliarden Euro Verlust rechnen, ergab eine Analyse des Instituts nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung.

Carstensen sagte, im schlimmsten Fall werde Deutschland mit 770 Milliarden Euro belastet. Darin enthalten seien die Risiken aus den Rettungsfonds, die Anleihen der Europäischen Zentralbank und 400 Milliarden Euro an Forderungen, die Deutschland über das europäische Abwicklungssystem Target gegenüber den Krisenländern aufgebaut habe.

Seehofer spricht von "Fass ohne Boden"

Der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, nannte den Austritt Griechenlands aus dem Euro unvermeidbar. "Je länger damit gewartet wird, desto mehr wird es kosten", sagte er der "Schweriner Volkszeitung". "Wenn jetzt Ratingagenturen wie Moody's vonseiten der Bundesregierung kritisiert werden, ist dies eine billige Ablenkung."

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) meinte, wenn Griechenland mit seiner Restrukturierung nicht vorankomme, "wären finanziellen Hilfen Leistungen in ein Fass ohne Boden. Das geht nicht, und Griechenland selbst müsste dann die Konsequenzen ziehen", sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte dem "Straubinger Tagblatt": "Es kann keine neuen Hilfspakete für Griechenland geben und auch keine Zugeständnisse inhaltlicher Art oder auf der Zeitachse."

mad/DPA
 
 
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