Radikaler Kurswechsel für die US-Autobranche: Nach jahrzehntelanger Spritverschwendung macht Präsident Barack Obama jetzt Schluss mit den durstigen "Ami-Schlitten". Bis 2016 sollen Neuwagen nur noch rund 6,6 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Für Obamas Klimaberaterin sind die Pläne "wirklich historisch".

"Jahrzehntelang zu wenig getan": US-Präsident Barack Obama will beim Energiesparen neue Standards setzen© Charles Dharapak/AP
US-Präsident Barack Obama will erstmals in den Vereinigten Staaten landesweit geltende Grenzwerte für Autoabgase und Treibstoffverbrauch einführen. Bis 2016 soll der Benzinverbrauch dadurch um knapp 30 Prozent gesenkt und so insgesamt 1,8 Milliarden Barrel Öl eingespart werden. Obama stellte das Programm am Dienstag gemeinsam mit führenden Kongressmitgliedern, Vertretern der Autoindustrie und der Gewerkschaften in Washington vor.
"Wir dürfen den Status Quo nicht länger akzeptieren", mahnte der US-Präsident. "Wir haben jahrzehntelang zu wenig getan, um den Treibstoffverbrauch von amerikanischen Autos und Lastwagen zu reduzieren." Die Leiterin von Obamas Beraterstab für Energie und Klima, Carol Browner, bezeichnete das Vorhaben als "wirklich historisch". Diese schärferen Umweltstandards seien längst überfällig. Die Regierung habe bei der Planung eng mit der Autoindustrie und Umweltgruppen zusammengearbeitet.
Den Plänen zufolge müssen Neuwagen in den USA bis spätestens 2016 mit einer Gallone (knapp 3,8 Liter) Benzin im Schnitt 35,5 Meilen (rund 57 Kilometer) weit fahren können - zehn Meilen weiter als bislang. Der durchschnittliche Benzinverbrauch pro 100 Kilometer würde damit von derzeit 9,2 Liter um knapp 30 Prozent auf rund 6,6 Liter sinken. Die neuen Regeln würden den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf etwa 150 von derzeit rund 210 Gramm pro Kilometer begrenzen.
Das US-Vorhaben bleibt deutlich hinter den strengeren CO2-Grenzwerten in der Europäischen Union zurück. Den meisten europäischen Herstellern dürfte die Einhaltung der Grenzwerte somit leicht fallen - viele ihrer Modelle erfüllen die Richtlinien bereits. In der EU müssen Hersteller die Emissionen bis 2015 auf 120 von derzeit knapp 160 Gramm im Flottendurchschnitt senken. Bis 2020 muss der Ausstoß in Europa weiter fallen - auf maximal 95 Gramm.
Obama will mit den Auflagen nicht nur seine Ernsthaftigkeit im Kampf gegen den Klimawandel belegen, sondern auch der angeschlagenen US-Autobranche klare Vorgaben für ihre notwendigen Umstrukturierungen und Zukunftsstrategien geben. In einer Zeit "der historischen Krise der US-Automobilindustrie" geben die neuen Standards seinen Worten zufolge Planungssicherheit, "um Autos für das 21. Jahrhundert zu bauen".
Obamas Pläne orientieren sich an den strengen Auflagen im Bundesstaat Kalifornien. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger lobte die Vorschläge des Präsidenten. "Heute sehen wir, was passiert, wenn Kalifornien in der Energie- und Umweltpolitik das Heft in die Hand nimmt", sagte er. Kalifornien und 13 weitere US-Staaten haben die Regierung in Washington zuvor mehrfach zu strengeren Standards für den Schadstoffausstoß auf Bundesebene aufgefordert.