Ermittler: Tödliche Kollision am Himmel über Washington war vermeidbar

Bergungsarbeiten im Potomac nach dem Unglück
Bergungsarbeiten im Potomac nach dem Unglück
© AFP
Der Zusammenstoß zwischen einem Linienflugzeug und einem US-Armeehubschrauber über Washington mit 67 Toten vor einem Jahr war laut den Untersuchungsergebnissen "zu 100 Prozent vermeidbar". Dies sagte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Jennifer Homendy, am Dienstag (Ortszeit) in einer öffentlichen Anhörung. Dabei prangerte sie schwere Versäumnisse im Vorfeld des Unglücks an. Klare Empfehlungen ihrer Behörde für den Flugverkehr in der Gegend seien missachtet worden: "Es ist eine Schande". 

Am 29. Januar 2025 war ein Passagierflugzeug von American Airlines beim Landeanflug auf den Ronald-Reagan-Flughafen nahe Washington mit einem Militärhubschrauber zusammengestoßen, der sich auf einem Schulungsflug befand. Beide Maschinen stürzten in den Fluss Potomac. Alle 64 Flugzeuginsassen und die dreiköpfige Besatzung des Hubschraubers kamen ums Leben.

Das Unglück löste seinerzeit auch einen heftigen politischen Streit aus. Präsident Donald Trump, der neun Tage zuvor seine zweite Amtszeit begonnen hatte, machte ohne irgendwelche Belege die sogenannten DEI-Programme zur Förderung von Minderheiten und Frauen für das Unglück verantwortlich. Diese unter seinen Amtsvorgängern Barack Obama und Joe Biden vorangetriebenen Diversitätsprogramme hätten die Qualitätsansprüche an das Lotsen-Personal und damit die Sicherheitsstandards gesenkt, behauptete der Republikaner. 

Diese Schuldzuweisungen sorgten damals für viel Empörung bei den oppositionellen Demokraten. NTSB-Chefin Homendy ging darauf in der Anhörung am Dienstag, in der sie die bisherigen Untersuchungsergebnisse ihrer Behörde zu dem Unglück präsentierte, nicht ein. Sie kritisierte die Zivilluftfahrtbehörde FAA, die Hubschraubern beim Anflug auf den Reagan-Flughafen eine Einflugschneise genehmigt habe, die zu nah an dem von Flugzeugen genutzten Flugkorridor liege. 

Zudem dulde die FAA zu großzügig, dass Hubschrauberpiloten auf Sicht fliegen, bemängelte Homendy. Die Fluglotsen überließen zu häufig Hubschrauberpiloten die Verantwortung, sich visuell davon zu überzeugen, dass keine andere Maschine auf ihrer geplanten Strecke unterwegs ist - eine als "see and avoid" (sehen und vermeiden) bekannte Methode.

"Wir reden seit mehr als fünf Jahrzehnten über 'see and avoid'", kritisierte die NTSB-Chefin. Bei fast der Hälfte aller von ihrer Behörde in den vergangenen 20 Jahren untersuchten Kollisionen in der Luft habe es "Probleme" im Zusammenhang mit dieser Methode gegeben. Der US-Regierung warf Homendy einen gefährlichen "Fatalismus in Verkehrsfragen" vor. Dieser bestehe darin, "abzuwarten, bis Leute sterben, bevor sie handelt".

Bereits im August waren die Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass die von den Instrumenten im Hubschraubercockpit angezeigte Flughöhe um dutzende Meter von der tatsächlichen Höhe abwich. In der Gegend über dem Potomac, wo sich die Kollision ereignete, gilt die Vorschrift, dass Hubschrauber unter der Höhe von 61 Metern bleiben müssen. Der Unglückshelikopter flog auf einer Höhe von 85 Metern. 

Die Ermittlungen ergaben auch, dass die Hubschrauber-Besatzung aufgrund eines defekten Funkempfangs nicht die entscheidende Information erhalten hatte, dass sich die Passagiermaschine auf sie zu bewegte. Der endgültige Untersuchungsbericht zu dem Unglück soll in einigen Wochen vorliegen.

dja/jes

AFP

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