Bahn-Vorstand muss gehen

10. August 2013, 10:34 Uhr

Weil vier Bahnmitarbeiter krank sind, fuhren viele Züge einfach am Mainzer Hauptbahnhof vorbei. Nun zieht Bahn-Chef Grube Konsequenzen und entlässt ein Vorstandsmitglied. Die Probleme dauern aber an.

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Wegen des Chaos am Mainzer Bahnhof muss ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn gehen.©

Das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof hat offenbar personelle Konsequenzen bei der Bahn. Wie die "Stuttgarter Zeitung" (Samstag) unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, wird der Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden.

Der Schritt sei schon seit längerer Zeit geplant gewesen, die aktuellen Ereignisse in Mainz hätten die Ablösung jedoch beschleunigt, hieß es dem Blatt zufolge. Ein Bahn-Sprecher sagte am Freitagabend auf Anfrage: "Personalien kommentieren wir nicht." Am Freitag hatte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wegen der massiven Probleme mit Zugausfällen eingeschaltet und mit Bahnchef Rüdiger Grube telefoniert.

Seit einer Woche fallen viele Züge im Mainzer Hauptbahnhof aus oder werden umgeleitet. Knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter für das Stellwerk ist krank oder im Urlaub. Die Probleme für Fern- und Regionalzüge werden bis mindestens Ende August dauern. Sie verschärfen sich ab Montag: Dann gibt es auch tagsüber massive Einschränkungen, nicht nur abends und nachts.

Sonderzug für Fußballfans

Zumindest für das Fußball-Bundesligaspiel Mainz-Stuttgart am Sonntag wird das Chaos für einige Stunden etwas gebremst. Die Deutsche Bahn setzt außer einem Sonderzug mehr S-Bahnen ein - ein Fahrdienstleiter springt nach Angaben einer Bahnsprecherin ein, so dass es für einen kurzen Zeitraum personelle Verstärkung gibt. Rund 3200 VfB-Fans sollen in Mainz zu Gast sein, schätzt der VfB Stuttgart.

Im Verkehrsministerium löste das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof großes Unverständnis aus, hieß es in Ministeriumskreisen. Ramsauer und Grube schätzten das Problem gleich ein. Es müsse sichergestellt werden, dass die Situation in Mainz ein Einzelfall bleibe. Die Probleme werden auch den Bahn-Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung beschäftigen, teilte Ramsauers Staatssekretär Michael Odenwald mit. Er gehört zu dem Gremium.

Verkehrsstaatssekretär Odenwald schrieb der Bahn, die weitgehende Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofes sei "nicht akzeptabel". Die Bahn solle prüfen, ob Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt oder von anderen Standorten aus eingesetzt werden könnten. Dies hatte die Bahn am Donnerstag aber bereits verneint. Das Stellwerk in Mainz sei sehr komplex.

Das Eisenbahn-Bundesamt leitete ein Verfahren ein. Dabei werde ein möglicher Verstoß der Bahn-Tochter DB Netz AG gegen die Betriebspflicht untersucht, sagte Sprecher Moritz Huckebrink.

Ramsauer tägt "politische Verantwortung"

Beim Unternehmen werde ein "verdeckter Streik" der Eisenbahnergewerkschaft EVG nicht ausgeschlossen, berichtet derweil die Mainzer "Allgemeine Zeitung" (Samstag). Vieles deute auf eine konzertierte Aktion hin, zitiert die Zeitung aus Berliner Aufsichtsratskreisen. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorwürfe am Abend als "Rückzugsgefecht der Bahn". Fahrdienstleiter seien ein neuralgischer Bereich, in dem auch das hohe Durchschnittsalter der Bahn-Mitarbeiter deutlich schnellere personelle Folgen habe, sagte Jürgen Hoffmann, der Leiter der EVG-Landesgeschäftsstelle, auf Anfrage.

In Rheinland-Pfalz haben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Verkehrsminister Roger Lewentz (beide SPD) für kommenden Dienstag Bahn, Gewerkschaft, Fahrgastverband und andere zum Bahngipfel nach Mainz eingeladen. Lewentz schrieb Ramsauer, der Bundesverkehrsminister trage "die politische Verantwortung" auch für die Deutsche Bahn.

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