Die Fallstricke der Riester-Rente

Nachteile bei der Altersvorsorge

Immer mehr Deutsche verlieren das Vertrauen in die private Altersvorsorge, 20 Prozent der Berufstätigen haben schon ihre Verträge gekündigt oder die Beiträge gekürzt. Tatsächlich ist die Riester-Rente nicht für jeden geeignet. Was Sie unbedingt vor einem Abschluss beachten sollten.

Nach der Rezession beurteilen die Deutschen die private Altersvorsorge viel skeptischer. Zwischen 2008 und 2010 hat jeder fünfte Berufstätige seine Vorsorgeverträge gekürzt oder gekündigt, besonders das Vertrauen in die staatliche Riester-Förderung schwindet, wie eine Umfrage ergab.

Bei der ersten Befragung bewerteten junge Berufstätige unter 30 Jahren noch zu 45 Prozent die Riester-Rente als "ideale Form der Alterssicherung" - bei der nächsten Umfrage waren es nur noch 26 Prozent. 2008 wollten 23 Prozent der jungen Berufstätigen einen Riester-Vertrag abschließen. 2010 waren es der Studie zufolge nur noch neun Prozent.

Die Skepsis ist angebracht, denn die Riester-Rente hat auch Nachteile. Grundsätzlich ist die Förderung für die meisten Menschen zwar eine gute Sache. Bei keiner anderen Altersvorsorge profitiert man mehr von direkter und indirekter staatlicher Förderung über Zulagen und Steuervorteile. Doch die Großzügigkeit des Staates ist an Bedingungen geknüpft. Und das ein oder andere Vertragsdetail macht die Riesterrente für einige unattraktiv: beispielsweise für diejenigen, die planen, ihren Lebensabend im Ausland zu verbringen. Auch Geringverdiener bekommen im Alter unter Umständen keinen Cent mehr, als sie auch ohne Riestervertrag erhielten.

Lesen Sie unten, welche Knackpunkte die Riesterrente hat und was sie konkret bedeuten.

Nicht immer kann das Riester-Vermögen vererbt werden

Leider gibt es keine pauschale Regelung, wie Riestervermögen vererbt werden kann. Je nach Todeszeitpunkt, Verwandtschaftsgrad und Art der Anlage ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen. Grundsätzlich gilt: Nicht in Trennung lebende Ehegatten und Kinder werden bevorzugt, alle anderen Erben müssen mit Abschlägen rechnen.

Riester-Versicherungen Bei Versicherungen ist die Lage kompliziert. Hier muss man unbedingt eine Zusatzvereinbarung treffen - denn sonst fällt das Vermögen bei Tod des Riesterzahlers der Versicherung zu; für die Erben ist es dann komplett verloren. Verhindern kann man das mit einer vertraglich festgehaltenen Rentengarantiezeit. Diese Vereinbarung ist aber oft mit Zusatzkosten verbunden beziehungsweise drückt die späteren Rentenauszahlungen.

Die Rentengarantiezeit kann meistens fünf bis zehn Jahre umfassen. Verstirbt der Riestersparer während der Auszahlphase, wird die Rente bis zum Ende dieser Zeit den Begünstigten ausgezahlt. Bei einem Tod nach der Garantiezeit gehen die Erben komplett leer aus.

Verstirbt der Sparer während der Einzahlphase, können die schon gezahlten Beiträge übertragen werden. Ehegatten bekommen alles, andere Erben nur die Eigenleistungen ohne die staatlichen Förderungen. Fließt die Erbschaft nicht in einen Riestervertrag beispielsweise des Ehegatten, werden Kapitalertrags- und Erbschaftssteuern fällig - so schrumpft das Vermögen erheblich.

Riester-Bank- oder Fondssparen Stirbt der Riestersparer vor seinem 85. Geburtstag, wird das verbleibende Vermögen vererbt. Die staatlichen Zulagen und Steuervergünstigungen allerdings gehen in jedem Fall verloren. Bei einem Tod nach dem 85. Geburtstag gibt es keinen Erbanspruch mehr.

Für manchen Geringverdiener lohnt sich Riester nicht

Für einige Geringverdiener macht es keinen Unterschied, ob sie über einen Riestervertrag fürs Alter sparen oder überhaupt nicht privat vorsorgen - sie bekommen später die gleiche Summe. Denn wer mit allen Einkünften nicht über ein bestimmtes Existenzminimum kommt, dem hilft der Staat mit der sogenannten Grundsicherung aus, eine Art Sozialhilfe im Alter. Allerdings gibt es keinen festen Hilfe-Satz, es wird lediglich auf alle anderen Einkünfte aufgestockt, bis eine bestimmte Gesamt-Höhe erreicht ist. Im Klartext: Geringverdiener, die keine Aussicht haben, später das Niveau der Grundsicherung zu erreichen, würden mit einer Riesteranlage nicht für sich sparen - sondern für den Staatshaushalt. Denn die Grundsicherung wird sozusagen um alle Einkünfte, also auch Riester-Einkünfte, gekürzt.

Ein vereinfachtes Beispiel: Angenommen, die Grundsicherung liegt bei 800 Euro. Wer 500 Euro gesetzliche Rente und 200 Euro aus einem Riestervertrag erhält, dem schießt der Staat dann 100 Euro dazu. Wer nur die gesetzliche Rente und keine weiteren Einkünfte hat, der bekommt 300 Euro, um das Niveau der Grundsicherung zu erreichen. Wer aber so viel in einen Riestervertrag eingezahlt hat, dass als Zusatzrente 500 Euro herausspringen, erhält zwar gar keinen staatlichen Zuschuss im Alter - hat aber auch unter dem Strich 200 Euro mehr.

Für Geringverdiener gilt es also zu kalkulieren, ob beziehungsweise mit welchem Riester-Sparbetrag sie über die Grundsicherung kommen. Die Frage stellt sich natürlich nicht, wenn sie in jedem Fall selbst für ihre Altervorsorge verantwortlich sein und dem Gemeinwesen nicht zur Last fallen wollen.

Eine Auszahlung auf einen Schlag ist nicht möglich

Zu Rentenbeginn kann - je nach Vertrag - maximal 30 Prozent des gesparten Gesamtkapitals ausgezahlt werden. Der Rest folgt in monatlichen Raten; es gibt keine Chance, vorher an das Geld zu kommen. Das ist ärgerlich, wenn man im Alter andere Pläne verfolgt. Im schlimmsten Fall könnte es ja zum Beispiel passieren, dass man wegen einer Erkrankung nur noch eine geringe Lebenserwartung hat - und dann natürlich nicht auf eine tröpfelweise Auszahlung warten kann und will.

Eine Kündigung oder ein Wechsel kann teuer werden

Wer bis Ende 2011 einen Vertrag abgeschlossen hat, bekommt sein Geld frühestens ab dem vollendeten 60. Lebensjahr ausgezahlt. Für ab 2012 abgeschlossene Neuverträge gilt: Eine Auszahlung ist erst ab dem 62. Lebensjahr möglich. Eine Beleihung ist in den meisten Fällen nicht möglich. So ist das eingesetzte Kapital im Grunde bis zur Rente nicht verfügbar, außer man nimmt ein Verlustgeschäft in Kauf.

Wenn man vorher über das angesparte Kapital verfügen möchte, wird es teuer: Bei Kündigung eines Riestervertrags verlangt der Staat die Zulagen und die Steuervergünstigungen zurück. Außerdem fallen Extra-Gebühren für den Anbieter an, die zuvor geleisteten Abschlussgebühren und laufenden Kosten werden natürlich nicht erstattet. Kurz: Die Auflösung bedeutet einen großen Verlust für den Riester-Sparer.

Unproblematischer ist es, wenn man nur die laufenden Einzahlungen einstellen will, das bereits eingezahlte Kapital aber nicht braucht. Dann kann man den Vertrag ruhen lassen. Die staatlichen Zulagen fließen in dieser Zeit natürlich nicht, aber man kann den Vertrag jederzeit wieder aktivieren, also weiter besparen.

Wenn man allerdings mit seinem bisherigen Riester-Partner nicht mehr zufrieden ist und zu einem anderen Anbieter wechseln will, muss man auch mit Extra-Kosten rechnen. Die Wechselgebühren können bis zu 200 Euro betragen. Bei Riester-Versicherungen kann das Verlustgeschäft besonders groß sein, wenn man beim alten Anbieter bereits Abschluss- und andere Gebühren gezahlt hat. Eine günstigere Möglichkeit wäre, den alten Vertrag ruhen zu lassen und einfach einen neuen abzuschließen. Staatlich gefördert werden bis zu zwei Riester-Verträge pro Berechtigtem.

Im Ausland geht die Förderung verloren

Wenn man im Alter seinen Wohnsitz in ein Land außerhalb der EU verlegt, verlangt der Staat die komplette Riester-Förderung - inklusive aller Steuervergünstigungen - zurück. Der Staat nimmt vor Auszahlung Abschläge bei der Rente vor, bis die gesamte Förderung wieder zurückgeflossen ist. Unabhängig davon kann das jeweilige Gastland zusätzlich Steuern auf das verbliebene Renteneinkommen erheben. Wer also jetzt schon weiß, dass er seinen Lebensabend eventuell außerhalb der EU verbringen will, für den lohnt sich ein Riestervertrag gewöhnlich nicht.

Kein Problem ist es, wenn man sich nur eine Ferienwohnung im Ausland leistet, der Hauptwohnsitz aber in Deutschland bleibt - dann bleibt die Förderung erhalten. Auch eine vorübergehende Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland während der Einzahlphase ist unproblematisch: Zwar kann man die Steuervergünstigungen in dieser Zeit nicht geltend machen, aber die staatlichen Zulagen bekommt man trotzdem.

Dauerantrag verhindert oft optimale Förderung

In der Vergangenheit mussten Riester-Sparer die staatlichen Zulagen stets jährlich neu beantragen. Mittlerweile gibt es stattdessen einen Dauerantrag, der zwar den bürokratischen Aufwand verringert. Doch eine negative Folge ist, dass nun viele Riesterverträge nicht mehr angepasst werden, beispielsweise wenn das Einkommen sinkt oder eine Familie Nachwuchs bekommt. Nachteil: Ungewollt leisten viele Sparer einen für die maximale Förderung plötzlich unnötig hohen Eigenbeitrag. Oder - im umgekehrten Fall - sie erhalten wegen eines zu geringen Eigenbeitrags nicht mehr die maximale Zulage.

Bei Fondssparen hat man keinen Einfluss auf Anlagepolitik

Bei der Riester-Variante Fondssparen sollte man sich vorher genau überlegen, auf welche Strategie man setzen will. Die Fonds unterscheiden sich darin, wie viele Anteile sie in Aktien und wie viele sie in festverzinsliche Rentenpapiere stecken. Generell gilt: Mehr Aktien bedeuten eine höhere Renditechance - aber auch ein höheres Risiko. Die Aktienquote wird gewöhnlich mit fortschreitendem Alter reduziert. Je früher und je stärker umgeschichtet wird, desto konservativer ist die Strategie: Die Sicherheit wird erhöht, aber die Aussicht auf eine hohe Gesamtrendite sinkt.

Grundsätzlich sollten Fondssparer eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen (auf Sicherheit bedachte Anleger sind bei anderen Riester-Varianten wie dem Banksparen besser aufgehoben). Aber dass die Risiken real bestehen, hat die Finanzkrise gezeigt. Aufgrund von Sicherheitskonzepten musste beispielsweise Union Investment bei hunderttausenden Riester-Kunden die Aktienfonds-Anteile in Rentenfonds umtauschen - was ursprünglich nicht geplant war. Dadurch wurden Verluste an der Börse realisiert. Die Chancen auf eine ordentliche Gesamtrendite sind erheblich gesunken. Union Investment hatte auf hohe Aktienquoten gesetzt. Was zunächst besonders renditeträchtig schien, hat sich nun als wenig krisenrobust erwiesen.

Fonds-Interessierte sollten sich also vorher genau über die Anlagestrategie informieren und sich der Risiken bewusst sein. Denn nachher kann man keinen Einfluss mehr auf die Fondspolitik nehmen.

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