Vollkaskoschutz gegen Rufmord

1. Oktober 2012, 22:05 Uhr

Arag bietet eine neue Rechtsschutzversicherung an. Sie gewährt Schutz bei Streitigkeiten um Onlineeinkäufe, Schadenersatz bei Missbrauch persönlicher Daten und umfasst auch einen "Rufretter"-Service. Von Anja Krüger

Shitstorm, Versicherung

Die neue Versicherungen soll vor den Unbillen des Internets schützen.©

Für Bettina Wulff kommt dieses Angebot zu spät, aber künftigen Opfern von Rufmord im Internet mag es helfen: Der Düsseldorfer Versicherer Arag verkauft ab sofort den ersten speziellen Rechtsschutz für private Internetnutzer in Deutschland. Zum Schutz gehören nicht nur Streitigkeiten um Onlineeinkäufe oder Schadensersatz bei Missbrauch persönlicher Daten wie der Kreditkartennummer. Die Versicherung umfasst auch einen "Rufretter"-Service. Damit wäre es der Frau des Ex-Bundespräsidenten vielleicht gelungen, die falschen Behauptungen über eine Rotlichtvergangenheit rasch löschen zu lassen.

In Frankreich verkaufen Axa und Swiss Life bereits Policen gegen Onlinemobbing mit ähnlichen Dienstleistungen. In Deutschland ist Arag der erste Anbieter. "Die üblichen Rechtsschutzdeckungen passen nicht für viele Auseinandersetzungen, die durch das Internet entstehen", sagt Arag-Vorstand Matthias Maslaton.

Das Internet macht offenbar viele streitlustiger. "Für viele Dinge, die Leute in der Offlinewelt so geregelt haben, gehen sie heute zum Anwalt", sagt auch Astrid Auer-Reinsdorff, Vizepräsidentin des Deutschen Anwaltsvereins und Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses Informationstechnologie. Beleidigungen im Internet haben eine ganz andere Dimension als in Hausfluren, Kneipen oder auf dem Schulhof. "Ein Riesenproblem ist Internetmobbing bei Schülern", sagt sie. Die meisten Rechtsschutzpolicen helfen hier nicht weiter, die neue Arag-Police dagegen zahlt auch bei Cybermobbing und Beleidigungen. "Wenn die Gespräche in der Schule nicht genügen, hilft oft nur ein Brief vom Anwalt", sagt Arag-Vorstand Maslaton.

Wer im Internet diffamiert oder beleidigt wird, hat es schwer, sich dagegen zu wehren. Vor allem, wenn Beschuldigungen oder Beleidigungen anonym erfolgen. Kunden können über die Arag auf Anwälte zurückgreifen, die prüfen, ob es sich bei Aussagen um eine justiziable Rufschädigung oder um eine freie Meinungsäußerung handelt. Ein Dienstleister kümmert sich darum, dass Verleumdungen und Rufschädigungen aus dem Netz genommen werden. "Der Dienstleister findet heraus, wo der Beitrag herkommt", sagt Maslaton

Kosten von 9,90 Euro im Monat

Werden Blogger oder Nutzer von Internetforen selbst wegen Beleidigung angezeigt, gewährt der Versicherer einen Strafrechtsschutz - allerdings nur, wenn es um rein private und nicht um politische oder im Vereinsleben erfolgte Aussagen geht. Familien kostet die Police im Monat 9,90 Euro bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und ohne Selbstbeteiligung. Doch zwischenmenschliche Auseinandersetzungen sind nicht das Einzige, bei dem die Arag Absatzchancen für ihre Police wittert: Eltern ist oft nicht klar, was sich der Nachwuchs im Netz an Spielen, Musik oder Filmen besorgt. Immer häufiger bekommen ahnungslose Eltern Briefe von Anwälten, weil der Nachwuchs illegal Daten heruntergeladen hat. "Der gegnerische Anwalt mahnt den Betroffenen ab und schickt gleich eine Rechnung mit", sagt Maslaton. Mit der Police bekäme die Familie sofort einen Anwalt und könne reagieren. "Die Kunst besteht darin, die Sache direkt am Anfang kleinzubekommen, selbst wenn nicht klar ist, wer den illegalen Download vorgenommen hat", sagt Maslaton. Der Versicherer zahlt daher für die schnelle Abwicklung, allerdings nicht für einen langen Rechtsstreit mit dem Anspruchsteller. Die Kosten für den gegnerischen Anwalt und den Schadensersatz müssen die Betroffenen selbst übernehmen.

Bei einer Abmahnung sollten Empfänger die geforderte Unterlassungserklärung auf keinen Fall blind unterschreiben, sagt Auer-Reinsdorff. "Sie sollten anwaltlichen Rat einholen", sagt sie. Nach den Erfahrungen der Fachanwältin zahlen auch viele herkömmliche Rechtsschutzversicherer diese anwaltliche Erstberatung aus Kulanz. "Kunden sollten ihren Versicherer fragen, wie er sich in so einem Fall verhalten würde", sagt sie.

Wettbewerber haben keine vergleichbaren Angebote wie die Arag, ziehen sie aber in Erwägung. "Wir stecken in Überlegungen für internetspezifische Angebote", sagt eine Sprecherin der Versicherungsgruppe Ergo, zu der der Rechtsschutz-Marktführer DAS gehört. Ähnlich ist es bei der Allianz. "Wir beobachten die Entwicklung dieser Thematik sehr aufmerksam, um zu gegebener Zeit handlungsfähig zu sein", sagt ein Sprecher.

Übernommen aus ... FTD zum Online-Ausgabe

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Deutschland Missbrauch Rufmord Swiss Life
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von harun: Mein Hund hat Angst vor der Fahrt

 

  von Gast: darf ich den feuermelder drücken bei einer schlägerei im zug

 

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...