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31. August 2007, 13:12 Uhr

Wie gesund ist Bio?

Bio-Lebensmittel gelten als gesund - obwohl es keine eindeutigen Beweise für diese Vermutung gibt. Immerhin finden Forscher aber immer mehr Anhaltspunkte, dass Bio-Essen besonders viele gesundheitsfördernde Stoffe enthält.

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Reife Tomaten: Mehr Favonoide in der Bio-Ware© Colourbox.com

Bio-Lebensmittel sind nicht nur seltener mit Schadstoffen belastet - sie stehen auch im Ruf, viele gesundheitsfördernde Stoffe zu enthalten. Eine aktuelle Studie kann nun bestätigen, dass Bio-Tomaten mehr wertvolle Inhaltsstoffe haben als konventionell erzeugte. Der Gehalt nimmt sogar zu, je länger der Landwirt seine Böden gemäß den Öko-Richtlinien bestellt. Ob der Verzehr von Bio-Lebensmitteln auch vor Krankheiten schützt, lässt sich damit aber nicht beantworten.

Überdüngung lässt Gesundheitswert sinken

Bio-Lebensmittel landen immer häufiger in deutschen Einkaufswagen - und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Neben der artgerechten Tierhaltung und der geringen Schadstoffbelastung greifen viele Bundesbürger zur Öko-Ware, weil sie sich gesünder ernähren wollen. Tatsächlich finden sich in Obst und Gemüse aus ökologischem Landbau nur sehr selten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Die Gehalte an Nitrat sind bei Bio-Gemüse ebenfalls niedriger. Doch selbst konventionell erzeugte Lebensmittel sind nicht zwangsläufig mit Rückständen belastet. Das führt zu der Frage, ob Bio-Lebensmittel sich auch in Bezug auf wertvolle Inhaltsstoffe von konventioneller Ware unterscheiden.

"Ja", sagen die Vertreter des Ökologischen Landbaus und verweisen auf verschiedene Studien. Aktuellstes Beispiel ist eine Untersuchung der Universität von Kalifornien in Davis. Zehn Jahre lang bauten die Wissenschaftler Tomaten auf zwei benachbarten Feldern an, eines auf konventionelle Weise, eines nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Das Ergebnis: Die Bio-Tomaten enthielten deutlich mehr gesundheitsfördernde Flavonoide. Diese wirken entzündungshemmend und können zum Beispiel Gefäßerkrankungen vorbeugen.

"Was die amerikanische Studie sehr stark macht, ist die Untersuchungsdauer von zehn Jahren", sagt Gabriela Wyss vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Im Lauf der Zeit nahm der Gehalt an Flavonoiden in den Bio-Tomaten zu - für die Forscherin ein Hinweis, dass sich der Boden durch die ökologische Bewirtschaftung immer weiter verbessert. Dabei brachten die amerikanischen Wissenschaftler mit den Jahren immer weniger Biodünger auf das Feld. Daraus schließen sie, dass eine Überdüngung - egal ob im konventionellen oder im ökologischen Landbau - den Gesundheitswert der Tomaten verringert.

Natürlich sind die Kalifornier nicht die ersten, die Bio-Tomaten mit konventionell erzeugten verglichen haben. Drei europäische Untersuchungen kommen allerdings zu drei unterschiedlichen Ergebnissen: Einmal schneidet die Bio-Ware besser ab, einmal schlechter und in der dritten Studie genauso gut wie die konventionellen Tomaten.

Unterschiede sind sehr gering

Ähnlich uneinheitlich sieht die Datenlage bei anderen Lebensmitteln aus. Das von Biobauern und Wissenschaftlern 1973 als private Stiftung gegründete Forschungsinstitut FiBL hat in einem Dossier zur Qualität und Sicherheit von Bioprodukten sieben Übersichtsarbeiten zusammengefasst und kommt zu dem Schluss, dass sich pflanzliche Bio-Lebensmittel durch einen höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, zum Beispiel Flavonoide, und Vitamin C auszeichnen. Dabei handelt es sich aber um generelle Tendenzen.

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Apfelbaum voller Früchte: "Manchmal hängt das davon ab, ob ein Apfel innen oder außen in der Baumkrone wächst"© Colourbox.com

"Entscheidend sind die Sortenunterschiede", sagt Thomas Alföldi, Mitautor der Auswertung. Das heißt, dass zwischen zwei Apfelsorten ein größerer Unterschied bestehen kann als zwischen einem Elstar aus ökologischem und einem aus konventionellem Anbau. Selbst Äpfel von ein und demselben Baum können sich deutlich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. "Manchmal hängt das davon ab, ob ein Apfel innen oder außen in der Baumkrone wächst", erzählt Alföldi.

Auch Bio macht Chips nicht gesund

Auch bei tierischen Produkten beobachten Forscher gewisse Tendenzen. Die Datenlage ist hier aber dünner als bei Obst und Gemüse. Einige Studien zeigen, dass die Zusammensetzung der Fettsäuren bei Milch und Fleisch häufig günstiger ist. Verantwortlich dafür ist die unterschiedliche Fütterung: Bio-Kühe erhalten viel Weidegras und Heu und nur wenig Kraftfutter. Im Vergleich zu Fisch enthält aber selbst Bio-Milch nur sehr wenig gesundheitsfördernde Omega-3-Fettsäuren.

Tatsächlich ist noch kaum untersucht, ob und wie sich Bio-Produkte im Vergleich zu konventionellen auf die Gesundheit auswirken. "Dafür sind Langzeitstudien nötig, bei denen man die Leute fast einschließen müsste", erklärt Gabriela Wyss. Selbst bei Nonnen, die in ihrem Kloster alle unter ähnlichen Bedingungen leben, sei es schwer sicherzustellen, dass sie über eine möglichst lange Zeit nur Bio-Produkte essen.

Nach Ansicht zahlreicher Ernährungswissenschaftler ist für die Gesundheit vor allem eine ausgewogene Ernährung wichtig. Wer sehr fett- und kalorienreich isst, lebt also nicht gesünder, bloß weil er dabei zu Bio-Fleisch und Öko-Chips greift. Umgekehrt schützen viel Obst und Gemüse vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und zwar selbst dann, wenn sie aus konventionellem Anbau stammen. "Bio allein macht nicht gesünder", fasst auch Alföldi seine Ergebnisse zusammen, fügt aber hinzu: "Bioprodukte können allerdings einen unterstützenden Effekt haben."

Larissa Kessner/DDP
KOMMENTARE (4 von 4)
 
reiselust (01.09.2007, 20:36 Uhr)
Bio einfach leckerer
Wirklich erstaunlich, das sogar Kühe und Schweine den Unterschied von Bio und Nicht-Bio unterscheiden können. Mir geht es aber auch so, das ich bei vielen Bio-Sachen einfach mehr Geschmack an der Sache finde. Das Gemüse und Obst schmeckt einfach intensiver. Genau wie das Bio-Fleisch, welches ich mir ab und zu mal gönne. Obwohl es sehr intensiv nach Tier schmeckt. Meine tochter mag es darum nicht so gerne.
Juergen56 (31.08.2007, 16:32 Uhr)
Die Tiere wissen Bescheid
Ich habe unlängst von einer sehr interessanten Untersuchung gelesen. Es wurde Kühen und Schweinen verschiedenes Futter angeboten und zwar immer zum Auswählen konventionelles oder biologisch erzeugtes Futter. Beide Alternativen wurden gleich weit weg gestellt. Mal Bio-Futter links in den Trog, mal rechts, damit die Gewohnheiten nicht das Ergebnis verfälschen können.
Die Tiere haben immer zuerst das Bio-Futter weggefressen. Erst wenn nichts mehr da war, das konventionelle Futter, wenn sie dann noch Hunger hatten.
Woher wussten die Tiere das? Weder Kühe, noch Schweine können lesen, was auf der Verpackung steht, noch den Wärter fragen "wo ist denn heute das Bio drin?"
Es scheint also Informationen zu geben, der nicht messbar, aber dennoch eindeutig zu sind, eben nur intuitiv wahrnehmbar.
Das hat mich fasziniert.
NeuerMensch (31.08.2007, 15:46 Uhr)
... aber seltener giftig!
Es geht doch nicht darum, ob BIO besonders "gesund" ist, sondern das BIO durch den Verzicht auf Chemie und Gentechnik (auch bei der Viehfütterung) eben seltener "besonders ungesund" ist. Ich erinnere mich da z.B. an "konventionelle" Weintrauben, bei denen eine handvoll bei Kindern schon Vergiftungserscheinungen auslösen konnten...
Rainhelt (31.08.2007, 14:57 Uhr)
Besonders vile "gute" Stoffe
Die tun immerso als würde der Skorbut umgehen. Wir haben doch seit gut 30 Jahren eigentlich keine Mangelerscheinungen (außer am guten Geschmack). Lebenserwartung steigt stetig, der Krankenstand in Deutschland fällt...
Ich kaufe BIO nicht etwa weil das besser ist... Der einzige Vorteil für mich ist die kleinere Packungsgröße. Bei konventionellen Produketen muß ich die Hälfte weg schmeißen.
Im übrigen ist es doch fast unmöglich, dass alles Bio ist wo Bio drauf steht. Vor allem was die Bio-Viecher gefressen haben, ist doch nicht nachvollziehbar, vor allem, da es sich bei Futtermitteln inzwischen fast ausschließlich um genetisch modifizierte Pflanzen handelt.
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