19. März 2013, 21:40 Uhr

Erzähl mir was Positives!

Welche Geschichten verbreiten sich stark im Netz? Ein US-Forscher hat herausgefunden: Die Nachricht sollte positiv sein - und emotional. Doch zu viel des Guten kann auch schon wieder schlecht sein.

Jonah Berger, 
University of Pennsylvania, Nachrichten, Netz, Facebook, Twitter

Gute Nachrichten verbreiten sich schneller im Netz als schlechte©

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Menschen teilen positive Geschichten lieber mit ihren Freunden als schlechte. Daher verbreiten sich solche Meldungen oft schneller im Internet, fand Jonah Berger von der University of Pennsylvania heraus. Berger analysierte tausende Nachrichtenartikel der "New York Times", die über mehrere Monate von den Lesern am häufigsten per E-Mail weiterverschickt wurden. Dabei fand er heraus, dass etwa Artikel über wissenschaftliche Themen eher auf der Hitliste der am meisten verschickten Texte landeten.

Das führte er auf das Staunen über neue Erkenntnisse zurück, das Leser mit anderen Menschen teilen wollten. Besonders oft verschickt wurden auch Artikel, die witzig oder aufregend waren. Als Beispiel nennt Berger in einem Aufsatz die Geschichte von Susan Boyle, die bei einer britischen Talentshow das Publikum mit ihrem Gesang begeisterte.

Je mehr Zuhörer, desto positiver die Nachrichten

Menschen wollten bei ihren Online-Kontakten nicht als Stimmungsmuffel dastehen, sagte Berger der "New York Times". "Wenn Sie eine Nachricht mit ihren Freunden und Bekannten teilen, denken Sie darüber nach, wie diese Menschen reagieren werden."

Doch auch Geschichten, die negative Gefühle wie Ärger oder Angst hervorriefen, wurden häufig weitergegeben. Rasend schnell verbreitete sich beispielsweise ein Video über den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony, dem schwere Verbrechen vorgeworfen werden. Leser teilten vor allem Artikel, von denen sie sich emotional angesprochen fühlten, erklärte Berger der "Times". Sie bevorzugten jedoch gute Nachrichten gegenüber schlechten. Über seine Erkenntnisse hat Berger ein Buch geschrieben.

Dabei fielen die Äußerungen der Menschen umso positiver aus, je mehr Zuhörer sie hatten, beobachtete Berger - eine Erklärung für besonders enthusiastische Einträge auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Diese Selbstdarstellung im besten Licht kann eine regelrechte "Neidspirale" auslösen, wie Forscher der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin herausfanden. Ein Drittel der befragten Nutzer reagierten traurig oder frustriert auf die vielen positiven Einträge ihrer Facebook-Kontakte. Neidgefühle konterten sie ihrerseits mit guten Nachrichten, was die Spirale bei ihren Freunden vorantreibe.

lea/DPA
 
 
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