Machtmissbrauch im Noma
Sternekoch soll Belegschaft geschlagen und gedemütigt haben – nun tritt er zurück

Noma-Sternekoch René Redzepi
Noma-Mitgründer René Redzepi ist für seine innovative Küche bekannt geworden
© Jason Mendez / Starpix for Apple TV+ / Imago Images
Ex-Mitarbeiter des Noma, dem „besten Restaurant der Welt“, werfen Koch René Redzepi Gewalt und öffentliche Demütigungen vor. Nach den Enthüllungen zieht er Konsequenzen.

Fünfmal wurde das Noma zum „besten Restaurant der Welt“ gekürt, drei Michelin-Sterne sammelte es unter seinem Mitgründer und Chefkoch René Redzepi. Auf den Tellern: Haute Cuisine. Hinter den Kulissen des renommierten Kopenhagener Restaurants aber: Angst, Ausbeutung und Gewalt. 

Jahrelang soll Sternekoch Redzepi seine Mitarbeiter geschlagen, schikaniert und öffentlich gedemütigt haben. Habe sich ein Mitarbeiter einen Fehler geleistet, sei das gesamte Küchenpersonal bestraft worden. „Er ging einfach die Reihe entlang und schlug uns gegen die Brust“, zitiert die „New York Times“ einen ehemaligen Angestellten des Noma. Zeitgleich habe der Starkoch ihnen lautstark Schimpfwörter ins Gesicht gebrüllt.

Die US-amerikanische Zeitung hatte am Dienstag einen Bericht mit Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter veröffentlicht. Sie werfen Redzepi physische und psychische Gewalt vor, einige von ihnen sollen Traumata von ihrer Arbeit in dem Restaurant davongetragen haben. Die Vorwürfe der Mitarbeiter beziehen sich demnach auf Vorfälle zwischen 2009 und 2017.

Angestellte schildern Missbrauch und Ausbeutung im Noma

So soll Redzepi an einem Abend im Februar 2014 die gesamte Küchenbelegschaft in kurzen Ärmeln und Schürzen nach draußen in die Kälte beordert haben. Die rund 40 Personen sollen einen Kreis gebildet haben, in dem Redzepi den Sous-Chef geschubst und verspottet haben soll. Angeblich hatte der Sous-Chef zuvor in der Produktionsküche – in der unbezahlte Praktikanten weit entfernt vom Speisesaal arbeiteten – Techno-Musik angemacht. Ein Genre, das Redzepi wohl nicht mochte.

Der Spitzenkoch soll seinem Mitarbeiter in die Rippen geschlagen und ihn dazu gedrängt haben, lautstark zu sagen, dass er gerne DJs Oralsex gebe, wie die „New York Times“ weiter berichtet. Ansonsten hätte keiner der Köche den Schauplatz verlassen und an die Arbeit zurückkehren dürfen.

Andere ehemalige Angestellte schildern der Zeitung ähnliche Szenen. Der ehemalige Leiter des Fermentationslabors von Noma, Jason Ignacio White, veröffentlicht seit einigen Wochen auf Instagram Vorfälle, die er nach eigenen Angaben selbst beobachtet hatte oder die ihm von anderen ehemaligen Mitarbeitern zugesandt worden waren. „Noma ist keine Geschichte von Innovation. Es ist die Geschichte eines Wahnsinnigen, der eine Kultur der Angst, des Missbrauchs und der Ausbeutung züchtete“, schrieb White Anfang Februar. 

Redzepi: „Ich übernehme die Verantwortung für mein eigenes Handeln“

In einer Erklärung gegenüber der „New York Times“ am vergangenen Freitag sagte Rezepi: „Obwohl ich nicht alle Details in diesen Berichten wiedererkenne, kann ich genug von meinem früheren Verhalten darin sehen, um zu verstehen, dass meine Handlungen den Menschen, die mit mir gearbeitet haben, geschadet haben. Denjenigen, die unter meiner Führung, meinem schlechten Urteilsvermögen oder meiner Wut gelitten haben, tut es mir zutiefst leid, und ich habe daran gearbeitet, mich zu ändern.”

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Zudem gab er am Donnerstag auf Instagram seinen Rücktritt vom Noma bekannt. „Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen ich dieses Restaurant aufgebaut und geleitet habe, habe ich mich entschlossen, zurückzutreten“, teilte Redzepi mit. 

„Ich habe daran gearbeitet, eine bessere Führungskraft zu sein, und das Noma hat über viele Jahre hinweg große Schritte unternommen, um die Kultur zu transformieren“, so der 48-Jährige. „Ich erkenne an, dass diese Veränderungen die Vergangenheit nicht ungeschehen machen.“ Er fügte hinzu, dass eine Entschuldigung nicht ausreiche. „Ich übernehme die Verantwortung für mein eigenes Handeln.“

2003 wurde das Noma erstmals im Zentrum Kopenhagens eröffnet. Der Name des Restaurants ist ein Akronym und setzt sich aus den dänischen Wörtern „nordisk“ (nordisch) und „mad“ (Essen) zusammen. 2016 schloss das Noma, ehe es zwei Jahre später an einem abgelegeneren Stadtteil der dänischen Hauptstadt wiedereröffnete. Am Mittwoch eröffnete das Noma ein Pop-up-Restaurant in Los Angeles. Die Eröffnung war von Protesten ehemaliger Mitarbeiter geprägt.