Blattläuse fallen immer auf die Füße

4. Februar 2013, 18:00 Uhr

Nähert sich ein Feind, stecken Erbsenläuse in der Zwickmühle: Ohne Flügel rettet nur der freie Fall auf ein anderes Blatt ihr Leben. Dabei profitieren sie von ihrer verblüffenden Aerodynamik.

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Blattläuse: Mit ihrer Falltechnik vermeiden sie den Sturz auf den Boden. Dort würden sie verhungern©

Bestimmte Blattläuse fallen einer Untersuchung zufolge immer wieder auf ihre Füße. Die auf Pflanzen lebenden Erbsenläuse flüchten oft vor Feinden, indem sie sich von dem Grün plumpsen lassen. In der Luft drehten sie sich in die richtige Position - und landeten so auf der Bauchseite, schreiben israelische Forscher im Fachblatt "Current Biology". Der Grund für die Rotation ist demnach eine spezielle Haltung, die die Tiere während des Falls einnehmen und dann verharren: die Fühler nach vorne und nach oben, die Hinterbeine nach unten und über den Körper gestreckt.

In dieser aufrechten Position schaffen es die fallenden Erbsenläuse (Acyrthosiphon pisum) oft, sich mit ihren klebrigen Füßen an einem niedrigeren Teil der Pflanze festzuhalten. So vermeiden sie es, auf den Boden zu fallen, wo sie verhungern oder vertrocknen könnten. Normalerweise leben Blattläuse in Kolonien auf Pflanzen und ernähren sich, indem sie den Saft aus der Pflanze saugen.

Nach Angaben der Forscher erzeugen die Glieder der Läuse einen Luftwiderstand, durch den sie gedreht werden und ins Gleichgewicht kommen. "Aerodynamiker nennen dies 'statische Längsstabilität', einer der Dinge, an die ein Ingenieur denken muss, wenn er ein Flugzeug entwirft", sagt Autor Gal Ribak vom Technion - Israel Institute of Technology. Diese Fähigkeit sei verblüffend, da die flügellosen Blattläuse in der Luft nicht manövrieren könnten, schreiben die Forscher.

Ein Experiment zeigte, dass aus einer Höhe von 20 Zentimetern von 20 untersuchten Blattläusen 95 Prozent auf der Bauchseite landeten. Ließen die Forscher dagegen 23 tote Blattläuse fallen, kamen nur rund 52 Prozent in dieser Position auf. Bei 25 Läusen mit amputierten Gliedmaßen waren es nur 28 Prozent. Als erstes kamen diese Insekten stets mit dem hinteren Teil ihres Körpers auf, die Beine zeigten nach unten.

"Blattläuse, die mit einem Angreifer konfrontiert sind, befinden sich in einer Zwickmühle", sagt Mitautor Moshe Gish von der Universität von Haifa. Blieben sie auf der Pflanze sitzen, könnten sie verschlungen werden. Landeten sie auf dem Boden, könnten sie verhungern. Durch die aufrechte Haltung erhöhe sich ihre Chance, im Fall auf einem anderen Blatt zu landen.

Landeten die Tiere mit dem Bauch nach unten auf dem Blatt, konnte sich über die Hälfte der Läuse auch auf dem sicheren Grün halten. Läuse, die diese Haltung nicht einnahmen, rollten oder hüpften von dem Blatt herunter.

Gish hatte das Drehmanöver der fallenden Blattläuse zusammen mit einem Kollegen durch Zufall bei einer anderen Untersuchung entdeckt. Sie wollten die Reaktion der Blattläuse auf den Atem von pflanzenfressenden Säugetieren dokumentieren. Dabei fiel ihnen auf, dass sie während des Falls der Insekten immer nur deren Rücken sahen.

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