25. November 2005, 11:26 Uhr

Beweise aus 650.000 Jahren

Ist der Treibhauseffekt auf natürliche Zyklen zurückzuführen, oder auf die Umweltverschmutzung des Menschen? Europäische Wissenschaftler haben nun harte und eiskalte Beweise für letzteres gefunden.

Der Anstieg des Kohlendioxidgehalts der letzten Jahrzehnte sei hundert Mal schneller als alle auf natürliche Zyklen zurückzuführende Schwankungen©

Europäische Wissenschaftler haben neue Beweise für den menschlichen Einfluss auf die Entstehung von Treibhausgasen gefunden. Die Forscher analysierten winzige Luftblasen, die seit Jahrtausenden im Eis der Antarktis feststecken. Ihrem Bericht zufolge, der am (heutigen) Freitag im US-Wissenschaftsmagazin Science erscheint, war der Anteil an Kohlendioxid in der Luft in den vergangenen 650.000 Jahren nie so hoch heute.

Der höchste Kohlendioxid-Wert seit 650.000 Jahren

Vor zwei Jahrhunderten gab es 280 Teile Kohlendioxid auf eine Million. Heute sind es schon 380 Teile. In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Temperatur um ein Grad. Skeptiker der Theorie über einen vom Menschen verursachten Klimawandel vermuten, veränderte Treibhausgaswerte seien auf einen natürlichen Zyklus zurückzuführen. Die neue Studie des European Project for Ice Coring in Antarctica liefert jedoch Beweise für die gegenteilige Annahme. In den winzigen Blasen im Eis der Antarktis, die bei Schneefällen entstanden, ist die Luft über Jahrtausende unverändert konserviert worden.

Im ewigen Eis der Antarktis konnten die Forscher die CO2-Werte der Luft bis zu 650.000 Jahre in die Vergangenheit ablesen©

So wurde es erstmals möglich, genaue Werte aus der Zeit vor 650.000 Jahren zu erhalten. Der heutige Kohlendioxid-Gehalt liegt demnach um 27 Prozent über dem höchsten Wert, der in all den Jahrtausenden jemals vorkam, wie Thomas Stocker von der Universität Bern und Leiter des Forscherteams erklärt. "Wir haben die natürlichen Schwankungen verlassen", resümiert Stocker. Der Anstieg des Kohlendioxidgehalts der letzten Jahrzehnte sei hundert Mal schneller als alle auf natürliche Zyklen zurückzuführende Schwankungen. Ähnliche Ergebnisse registrierten die Forscher für andere Gase wie Methan.

Die Analyse des ewigen Eises zeigte ein deutliches Muster auf: In warmen Perioden war der Gasanteil hoch, in kalten Perioden gering. "Unter natürlichen Umständen sind niemals so hohe Konzentration wie heute entstanden", sagt der Geologe Edward Brook von der Universität Oregon. "Und die Studie zeigt den Zusammenhang zwischen Treibhausgas und Temperatur. Sie sollte uns dazu bringen, uns über eine künftige Erderwärmung Sorgen zu machen."

AP

 
 
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