Mogelpackung Klimaschwindel

12. Juni 2007, 14:27 Uhr

Sie war angekündigt als die ganz große Enthüllungsgeschichte, die Dokumentation "Der große Klima-Schwindel", die im Nachtprogramm von RTL lief. Doch sie lieferte keine Enthüllungen, sondern eine Verschwörungstheorie. Von Jens Lubbadeh

Ein paar abbrechende Eisberge sind ganz natürlich, heißt es in "Der große Klimaschwindel". Um den Nordpol steht es schlecht: oben eine Satellitenaufnahme vom September 1979, unten vom September 2005. Die Eisfläche der Arktis schrumpft in Rekordtempo©

"Der große Klima-Schwindel" ist eine Dokumentation des britischen Senders Channel 4, die in England bereits im März für Aufsehen sorgte. RTL zeigte eine um 20 Minuten gekürzte Fassung. Grund für die Kürzung war offenbar die heftige Kritik, die die Doku nach der Erstausstrahlung hervorgerufen hatte.

Wissenschaftler, die im Film zitiert wurden, distanzierten sich teilweise öffentlich. Klimaforscher Carl Wunsch vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) protestierte gegen die Verwendung seines Namens für diese "Polemik". Seine Worte seien ihm im Mund herumgedreht worden, so der Wissenschaftler. Er taucht in der deutschen Fassung nun gar nicht mehr auf.

Nicht der Klimawandel wird bestritten, sondern CO2 als Ursache

Viel Lärm um eigentlich so wenig, denn "der große Klimaschwindel" ist auch in der deutschen Fassung eigentlich eine Mogelpackung. In dem Film geht es gar nicht darum, den Klimawandel zu "entschwindeln". Der wird als Fakt von allen angeführten Wissenschaftlern bestätigt. Vielmehr versucht Filmemacher Martin Durkin zu demontieren, was viele Wissenschaftler und Politiker mittlerweile glauben: dass die durch den Menschen verursachten Treibhausgase, insbesondere das aus der Verbrennung fossiler Energien stammende CO2, der Grund sind für die globale Erwärmung.

CO2 sei aber gar nicht die Ursache des Treibhauseffekts, wird in der Dokumentation behauptet. Vielmehr sei ein anderer Grund entscheidend für die Klimaveränderungen auf der Erde - die Aktivität der Sonne. Dass das mittlerweile wissenschaftlich widerlegt ist, wird hingegen mit keiner Silbe erwähnt.

Überhaupt sei Klimawandel eine ganz natürliche Sache, heißt weiter. Immer wieder habe der stattgefunden in der vier Milliarden Jahre alten Geschichte der Erde. Auch das hat nie jemand bestritten. Diese Aussage soll vielmehr suggerieren: Es war schon immer so - wieso sollte es jetzt anders sein? Und die Folgerung: Wieso ist das ganze eigentlich so schlimm?

Dass etwas ganz Entscheidendes nun anders ist, hat Martin Durkin offenbar vergessen. In dieser langen Geschichte trat erst vor etwa 150.000 Jahren der Mensch auf den Plan. Und erst vor etwa 100 Jahren erlangte er die Fähigkeit, im großen Stil Klimagase zu emittieren. Dass ausgerechnet in diesem erdgeschichtlichen Augenaufschlag von rund 100 Jahren ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 0,74 Grad Celsius zu verzeichnen ist, das Jahr 2005 das heißeste in 120 Jahren war und die Eisdecken der Arktis dramatisch schmelzen - davon ist keine Rede in Martin Durkins Dokumentation.

Angeblich geht es um das ganz große Geld

Doch mit wissenschaftlichen Details hält sich Durkin ohnehin nicht allzu lange auf. Stattdessen konstruiert er in "Der große Klimaschwindel" munter eine Verschwörungstheorie: Der Klimawandel, das sei eine gigantische Geldmaschine. Eine ganze Industrie sei bereits entstanden, viele Jobs hingen mittlerweile am Tropf des Klimaschutzes. Es gehe um das ganz große Geld. Und so haben sich laut Durkin Wissenschaftler, Politiker, die Solarindustrie und die Medien verschworen, um einen Klimawandelmythos zu schaffen. Wozu? Na, um sich saftige Forschungsgelder, Wählerstimmen, horrende Umsätze und dramatische Auflagenzahlen zu sichern.

Vier Milliarden Dollar, so wird in der Dokumentation ein Wissenschaftler zitiert, seien weltweit für Klimaforschung ausgegeben worden. Vier Milliarden Dollar? Weltweit? Das soll das ganz große Geld sein? Vier Milliarden Dollar wird allein schon der Kernfusions-Forschungsreaktor Iter kosten, der bald in Frankreich gebaut wird. Der Etat des Bundesforschungsministeriums der Bundesrepublik beläuft sich auf mehr als das Doppelte. Kopfschüttelnd fragt man sich: Wenn doch der Klimawandel ohnehin nicht bestritten und von allen gefürchtet wird, dann würde er doch so oder so erforscht werden. Ganz ohne einen vermeintlich konstruierten "Mythos" um das menschliche CO2. Allein schon, um ihn besser zu verstehen und geeignete Schutzmaßnahmen entwickeln zu können. Wozu also sollten tausende Wissenschaftler - ohnehin ein Menschenschlag, der stets peinlichst auf seine Reputation innerhalb der Scientific Community bedacht ist - solch einen gigantischen CO2-Mythos erschaffen wollen und sich damit der Gefahr der Lächerlichkeit und Unseriosität preisgeben? Das nämlich ist für einen Wissenschaftler gleichzusetzen mit beruflichem Selbstmord.

Ein wärmeres Klima sei ja ohnehin besser als ein kälteres

Auch Eisberge würden immer mal wieder abbrechen, beruhigt ein Klimaexperte in "Der große Klimaschwindel". Die immer wieder gezeigten Bilder aus der Arktis von davontreibenden riesigen Eisbergen - alles ganz natürlich, alles ganz normal. Der einzige Unterschied: Wir schauen mit moderner Satellitentechnik heute einfach viel genauer hin und regen uns mehr darüber auf. Was der gute Mann vergisst: Es geht schon lange nicht mehr um einzelne Eisberge. Wissenschaftler fürchten, dass Ende des Jahrhunderts der Nordpol komplett eisfrei sein wird. Wer die Nasa-Aufnahmen des Nordpols aus den 70er-Jahren mit denen von heute vergleicht, sieht sofort, wie es um die Arktis steht.

Schließlich kulminiert "Der große Klimaschwindel" in einem Wissenschaftler-Zitat, das den ganzen Zynismus und die Oberflächlichkeit der Klimakritiker offenbart: Was, so fragt der als "Klimaexperte" bezeichnete Frederick Singer (der auch schon den Zusammenhang zwischen FCKW und Ozonloch, zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs und zwischen UV-B-Strahlung und Hautkrebs bestritt), sei denn eigentlich so schlimm an der ganzen Sache? Ein wärmeres Klima - ja, das sei ja ohnehin besser als ein kälteres. Ob das die Menschen in den Küstenregionen dieser Welt auch so sehen werden, wenn sie vom steigenden Meeresspiegel eingeholt werden?

Schade, Martin Durkin. "Der große Klimaschwindel" hätte die Chance gehabt, die stark emotional aufgeladene Debatte um Klimawandel und Klimaschutz wieder auf eine wissenschaftliche Basis zu holen. Denn zu vieles ist noch unerforscht, zu vieles in dem hochkomplexen System Klima noch unklar. Der Motor der Wissenschaft - das ist ständiges Hinterfragen und Anzweifeln vermeintlich sicherer Erkenntnis. Doch leider verschenkt Martin Durkin diese Gelegenheit, indem er möglicherweise berechtigte wissenschaftliche Fragen in einen Topf wirft mit Verschwörungskonstrukten, die die ganze Dokumentation unglaubwürdig und lächerlich machen.

Zum Thema
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Rainhelt (15.06.2007, 11:03 Uhr)
Schwimmen
@www.schmanck.de
Bin ja prinzipell auf Ihrer Seite. Aber Auftrieb würd ich noch mal nachschlagen ;) Verdrängte Masse und so...
Gruß
Rainhelt
ramteid (15.06.2007, 00:42 Uhr)
Ergebnisse der Spaßgesellschaft
Die Sendung muß gut gewesen sein,sonst würden sich nicht soviel Klugscheißer und Nachquatscher melden. Zu Zeiten Noahs gab es auch sehr merkwürdiges Wetter, aber eben nocht so viel Verblödung. Auto's und Industrie schon gar nicht. Darüber denken die heutigen Mitesser und mehr sind sie nicht, gar nicht nach. Die Frage ist doch:
Wieviel Mensch verträgt die Erde?
www.schmanck.de (14.06.2007, 17:27 Uhr)
Keine Ahnung
Der Autor des Artikels, Jens Lubbadeh, scheint von Physik keine Ahnung zu haben. Sonst wüßte er, daß die Ursächlichkeit des Spurengases CO2 für die angebliche globale Klimaerwärmung bisher auch nicht ansatzweise nachgewiesen werden konnte. Er wüßte ferner, daß ein Abschmelzen des arktischen Eises den Meeresspiegel nicht verändern würde, weil dieses Eis komplett schwimmt. Er wüßte auch, daß aus der Klimageschichte durch die Analyse der Eisbohrkerne eine genau umgekehrte Ursächlichkeit zu ersehen ist. Der CO2-Anstieg folgt der Temperaturerhöhung. Daß ferner die Ursächlichkeit der Sonnenaktivität "mittlerweise wissenschaftlich widerlegt" sei, ist eine unverzeihliche Irreführung.
Daß es tatsächlich um gigantische Geldsummen, steht nicht nur in der Bildzeitung.
Wer sich durch ausgewiesene Naturwissenschaftler informieren lassen will, der findet deren Original-Beiträge hier http://www.schmanck.de/Klima.html
Walter_1 (14.06.2007, 00:12 Uhr)
Zweifel an der Ursache des Klimawandels
Bisher ist beobachtet worden, dass mit einer Erderwärmung das Wasser der Ozeane CO2 an die Atmosphäre abgegeben hat. Dabei folgte der Zuwachs an CO2 in der Lufthülle mit einer Verzögerung von 800 Jahren, weil das Wasser länger braucht, um sich zu erwärmen und eine Durchmischung des Wassers eben länger dauert. Es muss sich schließlich ein Gleichgewichtszustand ergeben haben, der aber hätte verhindern müssen, dass die Warmzeit sich jemals ändert, wenn der höhere CO2-Gehalt der Atmosphäre Ursache der höheren Globaltemperatur der Erde wäre.
Heute wird das umgekehrte angenommen, nämlich dass der höhere CO2-Gehalt der Luft die Temperatur der Erde erhöhe. Das ist doch ein Widerspruch. Und eine lineare Erhöhung der Temperaturkurve ist auch nicht notwendig, sie kann sich jederzeit wieder verändern wie in den 80-iger Jahren, als wegen niedriger Temperaturen eine kommende Eiszeit erwartet wurde.
Skarrin (13.06.2007, 12:50 Uhr)
Bedeutungsloser Schwindlerschwindel
Letztendlich hat dieser so bombastisch benannte Film nichts verändert: wer sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Klimawandel beschäftigt, weiß, dass es sich hier um Agitprop aus verfälschten Kurven und verdrehten Aussagen handelt.
Und die wissenschaftshassenden Sektierer aus der "Klimaskeptiker"-Ecke haben ein weiteres Anbetungsobjekt, dass sie sich neben Lomborgs gesammelten Werken ins Regal stellen und 2x täglich zum Gottesdienst in den DVD-Player schieben können.
Schade um die Material-, Energie- und Zeitverschwendung!
Sanjoaquin (13.06.2007, 08:39 Uhr)
Hiro ist der Schlaueste
Mit absoluter Sicherheit zu behaupten, dass der Mensch den Klimawandel verursacht und das und dass nicht auseinanderhalten zu können, das entspricht genau dem Bildungsstand der allgegenwärtigen Untergangsprediger.
Dass es Wissenschafter gibt, die sagen, dass das CO2 der Erwärmung folgt und nicht umgekehrt, wie es die Paniker leierkastenmässig zum Dogma erkoren haben, wird ganz einfach nicht diskutiert.
Natürlich gibt es massivste politische, ökonomische und mediale Interessen eine Panikstimmung zu verbreiten, aber rückblickend gesehen, ist es sehr beruhigend zu wissen, dass die bisher alle falsch dran waren.
Und wenn dann noch im STERN Photovoltaikanlagen im regenreichen Norddeutschland propagiert werden, die sich beim höchsten Einspeisetarif erst in 35 Jahren amortisieren, aber schon nach 15 Jahren kaputt sind, kann man sich bloss noch in Verwunderung ergehen.
Juppo (12.06.2007, 21:06 Uhr)
Sebst ernannte Experten
Wirklich lustig was die Kommentatoren so von sich geben. Keiner hat einen blassen Schimmer wie das Klima funktioniert selbst die Experten die sich jahrelang mit dem Thema beschäftigen tun sich extrem schwer das Wetter für eine Woche vorauszusagen. Mir wird schlecht bei soviel Expertentum.
Rainhelt (12.06.2007, 20:36 Uhr)
Der Hut ist jetzt im All...
@hiro42: Also jetzt geht mir richtig der Hut hoch. Wie kommen sie zu dieser bescheuerten Aussage? Kann man sich noch weniger informieren und einfach reflektieren was einem vorgekaut wird?
Die deutschen Autobauer bauen die mit Abstand effizientesten Fahrzeuge der Welt. Jeder der was anderes sagt ist nicht informiert. So ist bespielsweise der Flottenverbrauch von Toyota höher als der von VW... Und wenn Sie mir jetzt mit Fullhybrid Geschichten kommen. Diese sind ausschließlich auf Fahrzyklen optimiert. Allein das Mehrgewicht ist durch die Technologie kaum rein zuholen. Mild Hybridvarianten(Rekuperation der Bremsenergie) kommen bei den deutschen Herstellern im nächsten Jahr(liegt hauptsächlich an den schlechten verfügbaren Batteriesystemen). Und auch da wurde nix verpennt. Sie glauben wirklich alles. Werfen sie mal einen Blick auf Rückrufaktionen, die beispielsweise der Prius ausgelöst hat. Die Deutschen machen es halt mit deutscher Gründlichkeit... Und das dauert halt.
Noch ein Beispiel aus der Vergangenheit. Als PSA (der Konzern Renault/Peugeot) den Partikelfilter für Dieselfahrzeuge auf den Markt gebracht hat, diente dies nur dazu, die aktuellen Emissionsvorschriften zu erfüllen. Das war bei den deutschen Herstellern schlicht nciht nötig, da die Motoren deutlcih besser Verbrennen. PSA hat das ganze dann marketingmäßig so massiv in den Markt gedrückt, dass jeder glaubt(e) er bräuche einen Partikelfilter...
(Für die Luftqualität ist das im übrigen wirklich gut, aber die geht den Herstellern am AR..H vorbei)
Maddy91 (12.06.2007, 20:33 Uhr)
mal wieder nebenbei
Taifun123 (12.6.2007, 20:22 Uhr)
"Danke, dass die Stern-Redaktion diesen Unsinn aufgedeckt hat."
haha, hitlers tagebücher ftw
Taifun123 (12.06.2007, 20:22 Uhr)
Was nicht sein kann, was nicht sein darf
Dieser Pseudo - Dokumentarfilm "die Klimalüge" ist kompleter Schwachsinn. Er bekommt von mir die Höchstpunktzahl für den mit Abstand dümmsten Film der vergangenen Jahre. Wirklich, selten so gelacht.
Danke, dass die Stern-Redaktion diesen Unsinn aufgedeckt hat.
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