VG-Wort Pixel

Mercedes SL 500 R107 (1982) Zeitenwende

Mercedes SL 500 R107 (1982)
Mercedes SL 500 R107 (1982)
© press-inform - das Pressebuero
Der Mercedes SL der Baureihe R107 ist ein in Blech geformtes Manifest der zeitlosen Eleganz, die auch 50 Jahre nach der Premiere in ihren Bann zieht. Doch der Roadster sieht nicht nur betörend aus, sondern nahm viele Sicherheitsaspekte der folgenden Modelle vorweg. Das Fahren ist und bleibt ein Ereignis.

Als der Mercedes SL der Baureihe 107 vor 50 Jahren das Licht der automobilen Welt erblickte, drängten sich die Schaulustigen um die Motorhaube des Roadsters. Denn unter der langen Schnauze des Klassikers manifestierte sich eine Zeitenwende: Erstmals verrichteten acht Töpfe Werk. Laufruhe pur machte den Oben-ohne Schwaben sofort zum Objekt der Begierde der Schönen und Reichen. Die bezaubernde Schauspielerin Uschi Glas strahlte hinter dem Lenkrad, genauso wie der Schlagerbarde Peter Maffay, der hünenhafte Weltstar Curd Jürgens verliebte sich sofort in das Automobil, genauso wie der "Bomber der Nation" Fußballstar Gerd Müller. Fast schien es so, als SL nicht mehr "Super Leicht" stand, sondern für "Super Luxuriös".

Doch der neue SL war vor allem eines: sicher. "Das war kein Auto, um auf der letzten Rille um die Kurve zu fahren"; erzählt Frank Knothe. Die Sicherheit stand an erster Stelle. Vor allem in den USA, dem wichtigsten Markt für den Sternen-Roadster, waren Cabrios nach Ralph Naders Buch "Unsafe At Any Speed" (Unsicher bei jeder Geschwindigkeit) in die Kritik geraten. Die Schockwellen waren auch im Ländle deutlich zu spüren. "Wir haben alle Register gezogen. Das war unfalltechnisch eine schwierige Zeit"; erinnert sich Frank Knothe. Weil das Fahrzeug ohne einen Überrollbügel auskommen sollte, bekam der neue SL eine extrem steife A-Säule. Die in den Rahmen eingeklebte Windschutzscheibe war ebenfalls Teil des Sicherheitskonzepts, das die Insassen bei einem Überschlag schützen sollte. Wenn es dennoch mal schepperte, war der Innenraum mit unterschäumten Flächen versehen, dazu kamen definierte Knautschzonen. "Der 107 ist ein Statement an Sicherheit und hat einiges vorweggenommen", sinniert Knothe.

Mercedes wollte auf keinen Fall ein Risiko eingehen. Wenn der R107 bei den Sicherheitstests durchgefallen wäre, wäre der Imageschaden immens gewesen. "Da hat man noch geklotzt. Der R107 hat Blechdicken, das glauben Sie gar nicht. Beim Schweller sind es drei Millimeter", macht Frank Knothe klar. Doch mit dem Blech war es nicht getan. Der R107 bekam die geriffelten Rückleuchten verpasst, damit sich der Staub und Dreck nicht so festsetzen konnte. Frei nach dem Motto: sehen und gesehen werden.

Damit es erst gar nicht zu kniffligen Situationen kommt, verbauten die Ingenieure eine Schräglenker-Pendel-Hinterachse und platzierten erstmals den Tank über der Hinterachse. Schließlich sollte der R107 gegenüber der Baureihe W113, der berühmten Pagode fahrdynamisch eine Schippe drauflegen. Dazu gehörten auch stärkere Bremsen als beim Vorgänger. Die waren auch nötig, denn beim 500er der ersten Serie schoben 177 kW / 240 PS aus acht Töpfen an.

Genau in diesem Auto aus dem Jahr 1982 unternehmen wir eine Ausfahrt und fühlen uns gleich nach den ersten Metern wie Dallas-Schönling Bobby Ewing, der in der gleichnamigen 1980er Jahre Erfolgsserie als Ölmillionärssohn in einem solchen SL R107 den Frauen den Kopf verdrehte. Dieser SL ist auch nach 50 Jahren noch ein Erlebnis. Mit diesem Roadster ist man entkoppelt von den summenden Drei- und Vierzylinder Wespen, die die Straßen bevölkern. Man sprintet nicht zur nächsten Ampel, man gleitet und genießt die Laufruhe des Fünfliter-Motors. Der Gentleman-Gleiter neigt sich höflich, wenn es um die Kurven geht, aber das passt zu diesem SL, der sich für die kompromisslose Hatz einfach zu fein ist. Das war damals so und heute umso mehr. Dementsprechend zurückhaltend agiert auch die Viergangautomatik. Jeder Meter ist eine Reminiszenz an das Genussfahren in Reinkultur. Kein Wunder, dass der Mercedes SL der Baureihe R107 18 Jahre lang gebaut wurde.

pressinform

Wissenscommunity


Newsticker