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Skoda Trekka Der Defender des Ostens

Der Skoda Trekka wurde von 1966 bis 1972 in Neuseeland produziert
Der Skoda Trekka wurde von 1966 bis 1972 in Neuseeland produziert
© press-inform - das Pressebuero
Der Skoda Trekka ist in Europa extrem selten. Das liegt daran, dass der tschechische Geländewagen in Neuseeland vom Band lief. Wir durften eines der raren Exemplare mit einer illustren Geschichte fahren und waren begeistert.

Zum Starten des Autos ist ein spezielles Prozedere nötig. Erst tritt man die Kupplung, dann aktiviert man die Zündung per Schlüssel und zum Schluss zieht man an einem Band, das sich links hinter dem hellen Lenkrad befindet. Knatternd, rasselnd und sprotzelnd tritt das Vierzylindermotörchen mit seinen 1,2 Liter Hubraum den Dienst an. Wir sitzen im Defender des Ostens. Dem Skoda Trekka, einem Geländewagen, der auf Basis des Skoda Octavia Super zwischen 1966 und 1972 in der neuseeländischen Stadt Otahuhu gebaut wurde. Den Trekka gab es außerdem noch als Pick-up, mit einer Plane, festem Kunststoffdach und als Jeep ähnliches Cabrio. Hersteller des Geländewagens war die Motor Lines Ltd. mit Sitz in Auckland.

Neuseeland? Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Trekka war für das andere Ende der Welt konzipiert und wurde auch nur da montiert. Aus der damaligen Tschechoslowakei kam lediglich das verkürzte Skoda Chassis samt steifem Zentralrohrrahmen und Einzelradaufhängung. Der Radstand wurde von 2.389 Millimeter auf 2.165 mm reduziert und die Achsübersetzung von 4,78 auf 5,25 verändert. Dazu kam eine Bodenfreiheit von 19 Zentimetern und einen Motor mit 34 kW / 47 PS. Allradantrieb gab es keinen, aber ein optionales Sperrdifferenzial, das die Geländetauglichkeit des hinterradangetriebenen Gefährts deutlich verbesserte.

Da die neuseeländischen Steuergesetze den Import von Fahrzeugen schier unmöglich machten, musste die Montage vor Ort erfolgen. Der Trekka war auch speziell für die Bedürfnisse der neuseeländischen Farmer, Handwerker und Jäger konzipiert. Rustikal und unverwüstlich musste das Gefährt sein. Also verzichteten der ehemalige Leiter der Skoda-Karosserieentwicklung, Josef Velebný und der neuseeländischen Designers George Taylor auf jeglichen technischen Firlefanz, der das Gefährt nur anfällig und eine Reparatur Hunderte Kilometer von der nächsten Stadt entfernt nur erschwert hätte. Dass die kantigen Formen denen des Land Rover Defenders ähneln, ist kein Zufall, da George Taylor ein großer Fan britischer Automobile war. Der Preis des Trekka betrug damals 899 Neuseeland-Dollar. Gebaut wurden weniger als 3.000 Stück. Dann war Schluss.

Wir sitzen also in einer Rarität. "In Tschechien gibt neun Stück, aber keiner steht so gut da wie dieser hier"; erzählt der Besitzer Jiri Valach stolz. Der 47-jährige gelernte CNC-Fräser schraubt mit Begeisterung selbst an seinen Autos herum, wie ein Blick auf die ölverschmierten Hände verrät. Vermutlich hat er seinen Trekka noch schnell den letzten Schliff gegeben. "Das ist das Lieblingsauto meiner Tochter. Sie hat gesagt, den Tatra kannst Du hergeben, aber den Trekka behältst Du", schmunzelt der freundliche Mann, der zehn Oldtimer sein eigen nennt, aber auch Fahrzeuge restauriert und diese verkauft.

Dieser Trekka ist 1969 geboren und bereitet auch 52 Jahre später noch einen Heidenspaß. Der Vierzylinder hat trotz seines mickrigen Drehmoments von 74 Newtonmetern mit knapp 1.000 Kilogramm schweren Gefährt wenig Probleme. Mehr als 110 km/h sind nicht drin, aber das ist jenseits asphaltierter Straßen nicht wichtig. Der Weg ist beim Trekka das Ziel. Das ist klassisches archaisches Autofahren, wie man es in Zeiten von Drive by Wire nicht mehr kennt. Die Kupplung kommt verdammt spät und die Wege des Vierganggetriebes sind so lang, dass man fast nach Neuseeland laufen kann. Das mit viel Lack versehene Monster-Lenkrad wird mit der Zeit nicht griffiger, aber die Speichen helfen dann beim Kurbeln.

Zeit, uns mit diesem Trekka zu befassen. Denn der Vorbesitzer Roger Taylor hat den Geländewagen mit ein paar speziellen Details versehen. Eine Luke im Dach dient als Schießstand, wenn es auf die Jagd geht. Dazu passt der Gewehrhalter zwischen den Sitzen, in dem zwei Waffen abgestellt werden können. Außen ist neben einer Leiter noch ein Schnorchel für die Luftzufuhr montiert, wenn es mal durch tieferes Wasser geht. Innen findet man dann noch ein Extra, dass einem Neuseeländer zur Ehre gereicht: Vor dem Beifahrersitz ist ein Flaschenöffner angeschraubt. Prost. Auch das Starterband, das eigentlich ein Schnürsenkel ist, stammt vom Vorbesitzer.

Bleibt noch eine Frage. Wie ist denn der Trekka aus dem Land der Kiwis zurück nach Tschechien gelangt? Jiri Valach erstand das Auto bei einer Auktion für umgerechnet rund 4.000 Euro. "Eigentlich hat das Auto den Mindestpreis nicht erreicht, aber ich habe es dennoch bekommen", erzählt Valach. Also mussten noch einmal 4.000 Euro für den Transport und 2.000 Euro für die Restauration inklusive neuer Lackierung investiert werden. Das Geld war gut angelegt, denn als der Vorbesitzer sah, wie gut Jiri Valach sein Auto behandelt, freute er sich so sehr, dass das Fahrzeug auf das Titelblatt der Zeitung des neuseeländischen Trekka-Clubs gehievt wurde.

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