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Smart Cities Smart ist nicht gleich smart!

Je nach Herkunft haben die Menschen unterschiedliche Erwartungshaltungen an eine Smart City
Je nach Herkunft haben die Menschen unterschiedliche Erwartungshaltungen an eine Smart City
© press-inform - das Pressebuero
Die Zukunft des urbanen Lebens liegt in den sogenannten Smart Cities. Doch wie diese Metropolen aussehen und welche Eigenschaften sie haben sollen, darüber haben laut einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini Bewohner und Stadtverwaltungen unterschiedliche Ansichten. Auch die Erwartungshaltung der Bürger ist unterschiedlich - je nach Wohnort.

Los Angeles, Beijing oder London. Diese Metropolen platzen aus allen Nähten. Und das ist erst der Anfang. Im Jahr 2050 werden laut den Vorhersagen der UN rund 68 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Das wären rund 6,6 Milliarden Menschen. Dass diese unglaubliche Anzahl von Personen, die auf engsten Raum siedeln, eine Zäsur in der Städteplanung darstellen, steht außer Frage. Traditionelle Konzepte der urbanen Planung greifen da schon lange nicht mehr.

Ein allumfassendes Konzept einer intelligenten Stadt gibt es nicht. Je nach Kulturkreis definieren die Bewohner ihre Ansprüche unterschiedlich. Die Unternehmensberater von Cap Gemini haben eine weltweite Studie zu den Erwartungen an eine Smart City durchgeführt und dafür 10.000 Bürger sowie 310 städtische Führungskräfte in zehn Ländern einschließlich Deutschland, befragt, wie diese Stadt der Zukunft aussehen soll. Schließlich hat die erfolgreiche Metamorphose in eine intelligente Metropole auch wirtschaftliche Konsequenzen. "Eine Smart City zu sein wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, da sie die Lebensqualität der Bewohner steigert und hochqualifizierte Arbeitskräfte und Start-Ups anzieht", sagt Pierre-Adrien Hanania, Global Offer Leader for AI in Public Sector bei der Unternehmensberatung Capgemini.

Auch in den Planungen der Automobilbauer spielen die intelligenten Städte der Zukunft eine wichtige Rolle. "Aus meiner Sicht ist die wünschenswerte Smart City, die die Bürger mit smarten Services und öffentlicher Infrastruktur so vernetzt, dass sich daraus tatsächlich Nutzen ziehen lässt. Das bedeutet, sowohl Gewohnheiten und Wünsche mit ein zu beziehen, als auch soziale Gerechtigkeit beim Zugang zu smarten Services herzustellen - also auch Älteren oder sozial Schwächeren den Zugang zu ermöglichen", erklärt Marianne Reeb, Zukunftsforscherin der Mercedes-Benz AG.

Eine digital vernetzte Stadt übt nach wie vor eine immense Anziehungskraft aus: Rund 40 Prozent der Menschen könnten sich vorstellen, in eine Smart City zu ziehen. Ein wichtiger Beweggrund ist dabei die bessere digitale Infrastruktur in einer solchen Stadt. Die Befragten haben konkrete Vorstellungen, was diese Stadt der Zukunft ausmacht: Ganz oben steht die Nachhaltigkeit (58 Prozent), gefolgt von städtischen Leistungen wie öffentlicher Nahverkehr. Dass es das nicht umsonst gibt, ist klar. Während weltweit 36 Prozent für diesen Fortschritt in die Tasche greifen würden, sind es nur 30 Prozent der Deutschen. Vor allem die jüngeren Bundesbürger und Besserverdienende mit einem Einkommen von mehr als 68.000 Euro wären bereit, das Portemonnaie zu öffnen.

Die Frage ist, ob diesen Absichtserklärungen auch Taten folgen. Marianne Reeb hat so ihre Zweifel. "Ich kann die Aussagen gut nachvollziehen. Zahlungsbereitschaft muss man so glauben, wenn Bürger befragt werden, allerdings ist hier erfahrungsgemäß eher ein Gap zwischen Absichtserklärung und tatsächlicher Bereitschaft mehr zu zahlen. Aber wenn es wirklich smarte Lösungen gibt, dann sicher schon der Nutzen muss nur für jeden erfahrbar sein. Finanzierung ist für viele Städte in Deutschland ein Thema. Daneben stellt vor allem die digitale Infrastruktur ein Hemmnis bei der Einführung smarter Services dar." Dass dieses Argument nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der schleppende flächendeckende Ausbau eines schnellen Mobilfunknetzes, das für die Metropolen der Zukunft essenziell ist.

Zudem gibt es hierzulande durchaus regionale Unterschiede, was die Erwartungshaltung der Bewohner angeht: In Berlin, München, Düsseldorf, Köln und Darmstadt stehen intelligente Verbesserungen im Bereich Mobilität und Transport an erster Stelle, während den Bewohnern von Frankfurt und Hamburg die Wasserversorgung am Herzen liegt. In Berlin, Frankfurt und Düsseldorf wünschen sich die meisten Bürger einen Fortschritt bei der Sicherheit. Diametral anders sehen das die Führungskräfte der städtischen Verwaltung. "Aus Sicht der städtischen Führungskräfte in Deutschland sollten hingegen insbesondere Initiativen in den Bereichen Healthcare und Bürgerservices vorangetrieben werden", heißt es in der Capgemini-Studie.

In der Theorie klingt das alles ganz prächtig. Allerdings kostet die Umwandlung zu einer Smart City Geld. Das stellt für rund 70 Prozent der Stadtverwaltungsmitarbeiter ein Problem dar. Ein anderes ist der Datenschutz bei den digitalen Diensten, der 63 Prozent der Befragten umtreibt. Matthias Wieckmann, Leiter Digitalstrategien der Stadt Hamburg, zeigt auf, wie der Weg zu einer intelligenten Metropole aussehen könnte: "Wer über Maßnahmen für eine Smart City nachdenkt, sollte am besten mit begrenzten Anwendungsfällen beginnen, damit diese vor der Ausweitung getestet werden können und ihre Außenwirkung und Finanzierung geklärt ist. Die Stadtverwaltung sollte gerade in der Anfangsphase kleinere Lösungen initiieren, die den Weg zu ebnen helfen, anstatt mit einer großen, übergreifenden Lösung zu beginnen."

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