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Die letzte Diva: Elisabeth Taylor

Sie war das hübscheste Kind, das je einen Collie streichelte. Die veilchen-äugigste Lolita, die je einen alten Sack verwirrte. Die beste Kundin, die je einen Scheidungsanwalt finanzierte. Die trinkfesteste Matrone, die je einen Oscar feierte. Und sie ist die derbste Diva, die je alt und rund wurde. God save the Liz

Sie war das hübscheste Kind, das je einen Collie streichelte. Die veilchen-äugigste Lolita, die je einen alten Sack verwirrte. Die beste Kundin, die je einen Scheidungsanwalt finanzierte. Die trinkfesteste Matrone, die je einen Oscar feierte. Und sie ist die derbste Diva, die je alt und rund wurde. God save the Liz

Was hat sie, was ich nicht habe?" fragte die Kinolegende Marlene Dietrich im Jahr 1952 pikiert. Ihr Geliebter Michael Wilding hatte ihr eröffnet, dass er sich nun doch scheiden lassen werde. Allerdings nicht, um sie, sondern um die damals 19-jährige Elizabeth Taylor zu heiraten. Also? Was hatte die, abgesehen davon, dass sie 30 Jahre jünger war als Marlene? Und abgesehen von diesen unglaublichen Augen, die mal als lavendelblau, mal als veilchenfarben beschrieben werden, jedenfalls als ein Ferienblau, um Männer darin wegschwimmen und andere Verpflichtungen vergessen zu lassen?

"Sie hat das Zeug zu einer Kaiserin", beschrieb der Pop-Künstler Andy Warhol den besonderen, weil widersprüchlichen Reiz der Taylor, "aber gleichzeitig hat sie etwas Kitschiges und ein wenig Billiges an sich."

"Zunächst einmal ist sie eine Schönheit", urteilte Richard Brooks, Taylors Regisseur in "Die Katze auf dem heißen Blechdach". "Zweitens eine Kombination aus Kind und Hure. Drittens möchte sie leidenschaftlich lieben und geliebt werden."

"Sie hat ungewöhnlich viel Humor, und man kann immer auf sie zählen", sagte der Schriftsteller Truman Capote über sie. Und: "Sie kennt keine Angst." Immer wieder tauchen in den Biografien über Elizabeth Taylor Szenen auf, die das belegen: ihren Hang zum Vulgären - "Warner, beweg deinen Arsch hier rauf!", forderte sie einmal ihren Senatoren-Gatten, es war die Ehe Nr. 7, auf -, aber auch ihren Mut: Sie war zwölf und hatte als Kinderstar gerade ihren bisher größten Erfolg gehabt mit "National Velvet - Kleines Mädchen, großes Herz", da trug MGM-Boss Louis B. Mayer ihrer Mutter für sie, die Tochter, eine derart alberne Rolle an, dass selbst die ehrgeizige Sara Taylor zaghaft protestierte. Worauf Mayer sie, im Beisein von Liz, anbrüllte. Und es war nicht etwa die Mutter, die zurückbrüllte, sondern Liz: "Wagen Sie es nicht, so mit meiner Mutter zu sprechen. Sie können mitsamt Ihrem gottverdammten Studio zur Hölle fahren!"

Ein anderes Beispiel: Nach einer Party bei den Taylor-Wildings hatte Montgomery Clift einen schweren Autounfall. Liz, die sich mit dem unzugänglichen Jungen während der Dreharbeiten zu "Ein Platz an der Sonne" angefreundet hatte, stürzte inmitten der Nacht zum Unfallwagen, kletterte über die Rückenlehne und setzte sich neben den schwer verletzten Monty. Ein Zeuge berichtete später: "Dann nahm sie seinen Kopf mit dem entstellten Gesicht in den Schoß und versuchte, mit ihrem seidenen Halstuch die Blutungen zu stillen." Und als Clift fast an zwei ausgebrochenen Zähnen erstickte, griff sie zwischen seine blutverschmierten Lippen, pulte die Zähne aus seinem Hals "und flüsterte ihm besänftigende Worte ins Ohr".

Wer immer den Kinderstar Elizabeth Taylor davor bewahrt hat, zu einer eleganten, angepassten, faden Lady heranzuwachsen, hat ganze Arbeit geleistet. Dabei war E. T. Star-Material, lange bevor sie ein kollektives Stöhnen im Kinosaal hervorrief als Südstaatenschlampe in ihren seidenen Unterröcken. Aber sie entschied sich für den Weg einer Diva und nicht wie die Garbo oder die Dietrich für den Mythos. Dazu muss man nämlich rechtzeitig abtreten (oder früh sterben wie die Monroe), muss sein Privatleben abschirmen und den Mund halten können. Das alles konnte und wollte die Taylor nie. Sie war die öffentlichste Massengeliebte, die das Kino je hervorbrachte. Wir wissen Bescheid über sämtliche Narben an ihrem Körper und sämtliche Schimpfwörter, die sie im Suff diversen Ehemännern an den Kopf warf. Wir kennen ihre Wandlungen von der Wespentaille zum Walfischformat und glauben auch den Grund zu kennen: zu viele Männer, zu viel Alkohol, zu viel Lebensgier - zu wenig damenhafte Zurückhaltung.

Elizabeth Taylor kam am 27. Februar 1932 in London zur Welt als ein amerikanisches Kind aus besseren Kreisen. Vater Francis betrieb eine Kunstgalerie in der Old Bond Street. Mutter Sara, ehemals Schauspielerin, widmete sich der feinen englischen Lebensart. Man hatte Freunde aus Politik und Adel, eine gute Adresse in Hampstead, ein Wochenenddomizil natürlich auch und, klar, ein eigenes Reitpferd fürs Töchterchen. Das besuchte die Ballettschule, die auch die Königskinder Elizabeth und Margaret frequentierten, und wurde angehalten, täglich vor jedem Möbelstück der elterlichen Wohnung einen Knicks zu machen, um Anmut zu üben. Vielleicht würde sie ja mal einen Lord heiraten? Bei Kriegsausbruch versank dieses graziöse Leben. Die Taylors zogen zurück in die Heimat, ließen sich in Hollywood nieder, damals das US-Äquivalent für Adel, Macht, Geld. Vater war wieder erfolgreich als Kunsthändler, Mutter strickte am Remake ihrer Rampenlichtträume. Bloß, dass sie nicht mehr sich selbst ins Gefecht warf, sondern ihre schöne kleine Tochter.

Mit neun Jahren wurde Elizabeth Taylor Kinderstar in der Filmfabrik. Es begann mit Lassie-Filmen und blieb nicht dabei. Sogar der gesetzlich vorgeschriebene Schulunterricht für die niedliche Kleine fand im Studio statt. In den Drehpausen. Die Welt führte Krieg, in Hollywood zog man kleinen Mädchen ohne Not die Zähne und steckte sie in einen Streckapparat, wenn die Optik oder das Drehbuch es erforderten. Die jungen Dinger wurden luxuriös ausstaffiert, solange sie nicht den Vertrags-Passus "moralische Unschuld" verletzten. Und wenn das Ende der Kindheit unübersehbar wurde, ließ man sie mit einem passenden Bräutigam vor den Altar treten - im Falle Taylor der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Wie hatte der Jungstar noch so hübsch gesagt? "Ich liebe Heiraten und alles, was damit zusammenhängt."

Elizabeth Taylors erste in einer Reihe von acht Hochzeiten und einem Todesfall wurde zeitgleich geschlossen mit der Filmpremiere von "Vater der Braut", in dem die 18-Jährige ebenfalls dekorativ vor den Altar trat. Ehrensache, dass die Studios ihr die gesamte Feier analog zum Film ausrichteten. Bräutigam Nicky Hilton war der Erbe vom Hotelkönig, ebenso reich wie gut aussehend und somit scheinbar eine prima Partie. Dass er auch ein veritabler Kotzbrocken war, sollte sich schnell herausstellen. Hilton soff, spielte und spritzte. In dem bisschen Freizeit zwischen diesen zermürbenden Tätigkeiten schlug er seine Frau. Die war als Jungfrau in die Ehe gegangen, und es wurde gemunkelt, sie habe während der dreimonatigen Flitterwochen in Europa auf einem Luxusdampfer unter seinen Fäusten eine Fehlgeburt erlitten. Die blauen Flecken waren sichtbar, aber E. T., ganz tapferer kleiner Hollywood- Soldat, erklärte nach neun Monaten lediglich, sie beantrage die Scheidung wegen seelischer Grausamkeit und weil er ihre geliebte Mutter beleidigt habe.

Michael Wilding, dem sie im Jahr darauf ihr Jawort gab, war ein heilendes Kontrastprogramm: ein milder Mensch, knapp 20 Jahre älter und so wunderbar englisch wie ihre Kindheitserinnerungen. Sie bekamen zwei Söhne, Michael und Christopher. Pech, dass der Hollywood-Twen Liz gerade mit "Giganten" in die Umlaufbahn zur Weltkarriere startete, während der feine und eher häusliche Wilding als Schauspieler kaum noch gefragt war. Telefonisch teilte die Gattin ihm mit, dass draußen das Leben auf sie warte.

Er hieß Mike Todd. Der Mann, der ihr die Welt und sich selbst gleich mit zu Füßen legte. Todd war Liz erst ein paarmal begegnet, schreibt Taylor-Biograf Dick Sheppard, als er ihr einen Antrag machte. Und zwar ziemlich brachial. Er steuerte sie in ein Büro, ließ sie sich setzen und teilte ihr unmissverständlich mit: "Du brauchst dich gar nicht erst nach anderen umzusehen. Du wirst nur einen heiraten, und der bin ich." Wilding gab sich geschlagen. Am Tag nach der Scheidung heiratete Liz Todd.

Der kracherte Selfmademan Todd (Produzent von "In 80 Tagen um die Welt") liebte und verwöhnte seine Frau nach Art echter Titanen: Feste mit lebenden Elefanten, Champagner aus Tankwagen, Schmuck in Massen. Und sie - "Seine Zärtlichkeit, seine Rücksicht, seine Sensibilität ?" - erwiderte seine Liebe. Die gemeinsame Tochter wurde Liza getauft, seinen Flieger taufte er "The Lucky Liz". Die Ehe währte 13 rauschhafte Monate. Dann, in den Morgenstunden des 22. März 1958, Liz lag mit Fieber zu Hause im Bett, stürzte die "Lucky Liz" bei einem Unwetter über Neu-Mexiko ab. Ihre Schreie, als man ihr die Nachricht von Mike Todds Tod überbrachte, waren bis weit in die Nachbarschaft zu hören. Ohne ihn, zitierte sie später ein Bild, mit dem Todd immer seinen Zustand bei kurzen Trennungen von ihr beschrieben hatte, fühle sie sich "wie ein einzelnes Scherenblatt".

Eigentlich hatte Elizabeth Taylor als Mrs Todd die Schauspielerei an den Nagel hängen wollen. Jetzt brauchte sie die Arbeit als Ablenkung. Drei Wochen nach Todds Tod stürzte sie sich auf ihre Rolle als Maggie in "Die Katze auf dem heißen Blechdach", acht Pfund leichter und durch Trauer gereift. Es sei, sagte sie, "eine großartige Therapie" gewesen. Wenn auch nicht ganz ausreichend. Die Zusatz-Medikation hieß Eddie Fisher, als bester Freund von Mike Todd und Grundstücksnachbar zum Tröster ausersehen. Der Mann war zwar glücklich verheiratet mit Debbie Reynolds, einer äußerst beliebten Schauspielerin, doch der Strahlungsintensität der Diva aus der Nachbarvilla war er nicht gewachsen. Folgte Heirat, folgte Protest: In die Ehe der allerbesten Freunde des Toten einbrechen - pfui! Hausfrauenverbände wählten Taylor zur meistgehassten Frau Amerikas. Den Oscar bekam sie trotzdem: Zwar nicht für ihre vor Sinnlichkeit dampfenden Rollen in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" und "Plötzlich im letzten Sommer", sondern für die eines Callgirls in "Butterfield 8". Es war Elizabeth Taylors beste Zeit als Schauspielerin, und sie galt als die schönste Frau der Welt.

Ein weiterer Superlativ - die längste, die zäheste, die wildeste Liebe - bahnte sich Anfang der 60er Jahre in Rom an. Cleopatra alias Elizabeth Taylor traf Mark Anton alias Richard Burton. Erste Hochzeit 1964, Scheidung zehn Jahre später, übers Jahr erneute Heirat, doch der Neustart überdauerte nur knapp einen Winter. Taylor/Burton - so viel beschrieben, so gut zu besichtigen: Aufstieg und Fall einer Ehe zwischen "Cleopatra" und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". Das Erste ein peinlicher Schinken, das Zweite ein wohlverdienter zweiter Oscar. Dazwischen öffentliche Liebeserklärungen zweier Superstars. Burton über Taylor: "Sie ist mein Ein und Alles. Ich denke an sie morgens, mittags, nachts. Ich träume von ihr." Taylor über Burton: "Ich bin so stolz auf Richard. Er ist so vollständig, so rund. Ich liebe es nicht, Elizabeth Taylor zu sein, ich liebe es, Richards Frau zu sein."

So sehr, dass sie sich ihm zuliebe sogar das Fluchen abgewöhnte. Ihr Gatte, der zwar soff, aber auch gern Shakespeare rezitierte, schätzte ihren unbefangenen Gebrauch von so genannten four-letter words, zu Deutsch Schimpfworten, gar nicht. Vor der Presse gaben die beiden dann eine Probe des Lernerfolgs von Mrs. Taylor-Burton zum Besten. Taylor: "Wissen Sie, ich gebrauche keine four-letter words mehr. Richard hat mir das abgewöhnt." Burton: "Richtig. Ich habe Elizabeth von dieser schlechten Angewohnheit geheilt." Taylor: "Worauf Sie Ihren Arsch (ass) wetten können." Burton: "Das war ein three-letter word."

"Ich weiß, dass ich vulgär bin. Aber wollten sie mich überhaupt haben, wenn ich anders wäre?" So lautete eine wesenstypische Taylor-Frage auf einen Frontalangriff. Ende der 60er Jahre hatte der schnaps- und ruhmestrunkene Lebensstil der Taylor-Burtons eine Dimension erreicht, die selbst den Papst und den amerikanischen Senat beschäftigte, die gegen solche "Vorbilder" wetterten. Im Laufe eines Jahrzehnts hatten sie 88 Millionen verdient und das meiste wieder ausgegeben. Für den Krupp-Diamanten (33 Karat), für den Cartier-Diamanten (69 Karat), für Pelze und Perlen, für Flugzeuge, Grundstücke, Gemälde und Yachten. Bei Dreharbeiten in England durften die Schoßhündchen wegen Quarantäne nicht an Land: Das abgehobene Paar charterte für 20 000 Dollar pro Monat eine Zweihunderttonnenyacht als Hütte für Liz? wuschelige Lhasa-Apso-Hündchen auf der Themse.

Über ihren Geschmack wollen wir nicht richten. Der ist und war immer eher der einer Teleshop-Propagandistin denn einer Stil-Ikone. Jedwede Form des Minimalismus oder Understatement ging an Elizabeth Taylor ihr ganzes bisheriges Leben lang spurlos vorüber. Bei einer Hochzeit bat Prinzessin Margaret einmal, ob sie ihren Ring (der 33-Karäter) anprobieren dürfe. Sie durfte. Und kommentierte: "Wie vulgär!" Darauf Taylor begeistert: "Ja, ist er nicht toll?" andere Filmgöttinnen haben Modegeschichte geschrieben: Die Hosenanzüge und Bühnenkleider von Marlene Dietrich, die Yves-Saint-Laurent-Ausstattungen der Catherine Deneuve ? bis heute kopiert und potenzielle Museumsware. E. T. dagegen hatte immer einen ebenso mutigen wie überbordenden Proll-Geschmack und vertraute gern auf Schrill-Designer wie Giorgio of Hollywood. Als ihr ältester Sohn Michael sie zur Großmutter machte, reiste die 38-Jährige stolz an - in Hotpants aus weißer Spitze. Aber selbst wenn sie Dior trug oder Halston, waren deren Kreationen meist bis zur Unkenntlichkeit überlagert von ihren persönlichen Zutaten. Sie hat sich die Haare toupiert wie der Metro-Goldwyn-Mayer-Löwe persönlich. Sie hat sich mit Schmuck behängt wie ein Zirkuspferd. An ihrem Make-up schienen Stukkateure gearbeitet zu haben statt Visagisten. Sie hat sich ungeniert in Zobel und Nerze gehüllt und spielte die Cleopatra aus der Vorort-Villa, als solche Attitüden für andere Prominente schon grenzwertig waren. Netter gesagt: Sie war Pop, längst bevor der Begriff im Lexikon angekommen war.

Amüsant und sogar liebenswert werden Taylors Marotten durch ihre wunderbare Selbstironie; berühmt ihr Ausspruch "Dicke Mädels brauchen dicke Brillanten". Oder: "Ich hab? ja nie behauptet, eine schlichte Hausfrau zu sein". In ihren Neigungen war und ist sie aber genau das. Nippes neben einem alten Holländer, eine Liebe zu Schoßhündchen und zu Kinderstars, wie sie sonst nur Nachmittags-Talkshow-Gäste bekennen. Die Glucken-Hingabe der vierfachen Mutter und vielfachen Großmutter zur Kunstfigur Michael Jackson kann man als Kompensation werten: Ihre eigenen Kinder - Michael, Christopher, Liza und die mit Burton in Deutschland adoptierte Maria - sind bei Bedarf am Krankenbett, mögen aber mit Mamas Lebensstil auf der Überholspur nichts zu tun haben und gieren weder nach Weltruhm noch (bislang) nach ihren Juwelen.

"Für eine Frau meines Alters sehe ich gar nicht so schlecht aus, wenn man die Liste meiner Krankheiten und Operationen und all diese Narkosen bedenkt. Diese Betäubungen sind ja auch eine Chance, seinen Schönheitsschlaf aufzuholen." Die Liste von Elizabeth Taylors Operationen und/oder Klinikaufenthalten ist mindestens doppelt so lang wie die ihrer Filme. Obwohl das immerhin 55 waren. Darin gleicht sie nur einer etwas kleineren Kinogöttin, nämlich der seligen Hildegard Knef, mit der sie in puncto Männerwahl, großem Herz und großer Schnauze, vor allem aber in der Qualität eines madamigen Stehauf-Frauchens viel gemeinsam hatte.

Der Leidenskatalog von Elizabeth Taylor liest sich gespenstisch: Rückenmarksoperation und Gehirntumor, drei Kaiserschnitte, ein Luftröhrenschnitt, Amöbenruhr und Abszesse, Blinddarm- und Gebärmutter-Entfernung, Brandwunden, gebrochene Finger, Selbstmordversuch. Dazu allerdings Dutzende von Hospitalisierungen, die man bei einem Normalo wahrscheinlich mit einem Wadenwickel und einer Aspirin behandelt hätte. Sie hatte fraglos neben delikater Gesundheit auch eine Begabung zum Hypochonder. Michael Wilding, ihr zweiter Ehemann, der auch nach seiner Entsorgung nie ein schlechtes Wort über sie fallen ließ, drückte es milde so aus: "Elizabeth ist einfach allergisch gegenüber Gesundheit."

Mike Todd, Gatte Nummer drei, mehr ein Mann der Tat denn des geschliffenen Wortes, begriff instinktiv, was zur Spontanheilung zu tun war: Er schaffte ihr Wand-Aktien ins Krankenzimmer - einen Monet, einen Cezanne, einen Utrillo. Die neuen Tapeten beschleunigten die Gesundung der Frau im Stützkorsett. Ehemann fünf und sechs, Richard Burton, der sprachgewaltige Bergmannssohn, heilte bekanntlich mit Juwelen, wurde aber schon etwas expliziter: "Elizabeth ist von Natur aus nicht unfallgefährdet, sondern Zwischenfall-gefährdet." Soll heißen: Wenn etwas nicht nach ihrer Nase ging, wurde sie krank. In einem ihrer letzten Filme ging die Produktion dazu über, sie morgens mit einem Geschenk zu überraschen. Mit diesem Trick verlief der Dreh nach Plan.

Die Ehe Nr. 7 mit dem Politiker John Warner gehört eigentlich noch in den Schlagabtausch mit Richard Burton. Als der wild geliebte Ungebärdige eine Ehe mit Susan Hunt (Exfrau des Rennfahrers James Hunt, jünger, schlanker, blonder, größer) einzugehen wünschte, musste Elizabeth ihn ein letztes Mal übertrumpfen. Indem sie noch schneller einen Neuen fand mit noch mehr Publicity. Dabei hat sie sich verhoben. Washington bekam ihr nicht. Die Partei-Apparatschiks bemäkelten ihre flamboyante Garderobe. Könnte sie nicht als Gattin eines Republikaners so ein bisschen in dunkelblauen Kostümen ?? Könnte sie nicht ein paar Wahrheiten unterdrücken wie die, dass sie in ihrem Leben noch nie gewählt hatte? Warner, ein farbloser Politiker, wäre ohne die Technicolor-Frau an seiner Seite nie Senator geworden. Und kaum gewählt, war dann auch Schluss mit lustig. Warner verlangte von Elizabeth die Abschaffung ihres Kleintierzoos, und überhaupt war der Gatte meist am Antichambrieren oder auf Arbeit statt an ihrer Bettseite. Nahm sie sich halt ein Paar neue Seelentröster namens Essen & Trinken. Es entging ihr selber nicht, dass diese Liebschaft sie dick und aufgedunsen machte. Also begab sie sich hin und wieder in elegante Abspeck-Sanatorien. Und traute sich 1981, mit 49 Jahren, noch mal an ein mutiges Antifrust-Projekt: auf die Theaterbühne. Und riss in "The Little Foxes" wochenlang den Broadway hin.

Aber es war nur ein Aufschub. Der Bühnenruhm war nicht haltbar, die Ehe auch nicht. Scheidung 1982. Die folgenden Jahre ging es zügig bergab in die Niederungen des Alkohol- und Tablettenkonsums und in die Krankenhausbetten. Was E. T. in ihren durchaus hellen Momenten nicht hinderte, ihre Star-Begabung als Geschäftsfrau auszuleben, sich selbst und ihr Image neu zu erfinden und die Früchte ihres Ruhms zu ernten - denn als das Rampenlicht eigentlich schon erloschen war, kam der Ruhm ihr aus einer ganz anderen Ecke nachgelaufen. 1987 ernannte der französische Präsident Mitterrand sie zum Ritter der Ehrenlegion. Im Mai 2000 adelte Queen Elizabeth II. sie zur "Dame Commander" des britischen Empire. Beide Staatsoberhäupter ehrten nicht die Schauspielerin von gestern, sondern die weltweit erfolgreichste Galionsfigur im Kampf gegen Aids.

Elizabeth Taylor hatte es fast im Alleingang geschafft, die Diskussion und Bestürzung über die Immunschwäche-Krankheit aus dem Schmuddeleck in die Ballsäle zu holen, wo man das nötige Geld und Problembewusstsein zum Kampf gegen die Seuche bündeln konnte. Ab 1985 - zu einem Zeitpunkt also, da Aids in der besseren Gesellschaft noch lange keine "wohltätig korrekte" Krankheit war - engagierte sie sich aus vollem Herzen und mit offenem Scheckbuch. Und vor allem motivierte sie Tausende von wohlhabenden Menschen, es ihr nachzutun. Die Gründungsväter von APLA (AIDS Project Los Angeles) und AmFAR (American Foundation for AIDS Research) erinnern sich, dass sie zu Beginn ihrer Kampagnen einen scheinbar völlig unrealistischen Tagtraum hatten: "Man müsste entweder den Papst, Elizabeth II. oder Elizabeth Taylor als Schirmherrn gewinnen." Und Ms Taylor - eigentlich kein Star mehr, aber immer noch Ikone, die bis dato an sieben Ehen gescheitert war und mittlerweile ihren ersten Aufenthalt in der Betty-Ford-Entzugsklinik hinter sich hatte - erwies sich als Hauptgewinn. Vielleicht gerade weil auch sie inzwischen so sehr vom Leben gebeutelt war - und dennoch immer heiter. Vielleicht weil ihr niemand mehr unterstellte, ihre leidenschaftliche Kampagne zur Unterstützung der Aids-Opfer solle benutzt werden, um eine neue Kinorolle zu ergattern. Gleich das erste von ihr organisierte Fundraising-Dinner erbrachte eine Million Dollar Spenden sowie eine amerikaweite objektive Berichterstattung durch die große Fernsehgesellschaft ABC. Schnorren für einen guten Zweck erwies sich als ihre dritte geniale Begabung: Drei Jahre später leierte sie dem Zeitungstycoon Malcolm Forbes kurz nach der ersten Begegnung locker die gleiche Summe aus dem Kreuz.

Elizabeth Taylor hatte zeit ihres Lebens ein besonders herzliches Verhältnis zu Männern, die Männer liebten. Mit Montgomery Clift, James Dean und Rock Hudson war sie eng befreundet - zu Zeiten, als Hollywood noch geradezu bigotte Moralvorstellungen hatte. Dazu kommt: Auch seriöse Taylor-Biografen wie C. David Heymann deuten an, dass ihr kunstsinniger Vater Francis homosexuell war, was letztendlich zur Scheidung der Eltern führte. Darüber hinaus war ihr Personal, üppig wie der Hofstaat einer regierenden Fürstin, während ihrer Filmkarriere und auch danach stets überwiegend homosexuell orientiert. Die Diva und ihre schwulen Privatsekretäre, Chauffeure, Friseure, Hundeführer, Visagisten führten ein dauerhafteres und harmonischeres Zusammenleben als die Diva und ihre Ehemänner. Apropos Ehemänner: Larry Fortensky, ihren vorerst letzten, präsentierte Elizabeth Hilton-Wilding-Todd-Fisher-Burton-Burton-Warner-Taylor der diesmal wirklich staunenden Öffentlichkeit bei der Trauung auf der Kindertraum-Ranch "Neverland" von Michael Jackson im Jahr 1991. Man hatte sich kennen gelernt bei Taylors zweitem Entzug. Larry war vom Bau. Einen Baulöwen hätte man ja noch verstanden - aber einen 20 Jahre jüngeren mittellosen Bauarbeiter, der sich auf Kosten der Gewerkschaft in der Betty-Ford-Klinik eine alternde Primadonna angelte? Das Heer der selbst ernannten Taylor-Kenner, Taylor-Freunde und Hobby-Analytiker hatte seinen großen Tag. Das netteste der Erklärungsmodelle: Erstens sei dies wahrscheinlich die erste nüchtern geschlossene Ehe des Stars gewesen. Zweitens habe sie mit Larry erstmals für sie ganz unbekanntes Terrain betreten, nämlich die Wonnen der Gewöhnlichkeit. Eine Frau, die "sechs Jahrzehnte in der VIP-Lounge des Lebens verbrachte", schrieb die englische Autorin Julie Burchill, entdeckte die Exotik der Schlichtheit. Ihr Leben war bis dato stranguliert vom Luxus: "Hurrikan-Liz" hatte noch nie einen Apfel gekauft (für derlei hatte sie stets Personal oder Zimmerkellner) und noch nie eine Bank betreten (so was erledigte der Privatsekretär). Auch hatte sie noch nie einen Mann ohne Geld im Bett gehabt. Damit er nicht dastünde wie von ihr ausgehalten, besorgte sie Larry Arbeit: Er durfte für ihre Freundin Nancy Reagan Einbauschränke bauen ? Doch in Wahrheit war sie für so viel Bodenhaftung nicht dauerhaft geschaffen. Fortensky bekam 1996 bei der Scheidung gut angelegte 1,5 Millionen Dollar Abfindung für versiegelte Lippen gegenüber der Klatschpresse.

"Mein 70. Geburtstag fühlt sich nicht anders an als mein 69. Es ist eine runde Zahl - und zu allem Runden hatte ich ja schon immer ein gutes Verhältnis", sagte E. T. vor zwei Jahren. Und auch, wenn man sich auf den ersten Blick nur schwerlich eine Frau vorstellen kann, deren Image mehr mit den Zielen der feministischen Bewegung kollidiert als das ihre: Man kommt nicht an der Tatsache vorbei, dass sie - ob wissentlich oder unwissentlich - für die Emanzipation viel geleistet hat. Sie hat ab dem neunten Lebensjahr ihr eigenes Geld verdient - und das für ihre Familie dazu. Sie war die erste Frau, die den beinharten Hollywood-Bossen eine Gage von einer Million Dollar abtrotzte. Sie hat (als Gattin eines republikanischen Senators!) offen und finanziell üppig Bella Abzug unterstützt, die erste jüdische Kongressabgeordnete, die mit ihren riesigen Hüten und witzig-feministischen Parolen für die Demokraten kandidierte. Sie war die erste Frau, die die alte Weisheit "Der Sex-Appeal des Mannes ist der Erfolg" perfekt auf sich anzuwenden verstand. Welcher junge Kinogänger wüsste heute noch, wer oder was Michael Wilding, Eddie Fisher, Michael Todd, John Warner oder Larry Fortensky waren - außer Ehemännern von Elizabeth Taylor?

sie hat den Midas-Touch eines Dieter Bohlen: Männer und Geschäfte, auf die sie sich einließ, waren "gemacht" und Goldgruben. Kritiker mochten ihre Filme verreißen - das Publikum kam trotzdem. Sie kaufte - oder ließ sich kaufen - XXL-Juwelen zu exorbitanten Preisen. (Dazu der vielleicht schönste und wahrste Ausspruch der liebesbedürftigen Diva: "Es ging mir nie ums Haben. Sondern ums Geschenktkriegen.") Doch bei gelegentlichem Wiederverkauf für gute Zwecke erzielten die Brocken das Dreifache, weil sie durch den Aufenthalt an ihren Patschhändchen oder ihrem weißen Hals zusätzlich Aura bekommen hatten. Ihre Bücher, wie das 1988 erschienene Diät-Manual "Vom Dicksein, vom Dünnsein, vom Glücklichsein" wurden Bestseller, selbst als sichtbar wurde, dass die Autorin ihre eigenen Rezepte kaum langfristig befolgte. Und als sie ihren Namen an den Ponds-Konzern gab zwecks Parfüm-Vermarktung, hatte sich die elffache Großmutter zwar längst im Matronen-Eck eingerichtet, war aber immer noch so viel lebende Sex-Legende, dass "Passion" und "White Diamonds" den Vertragspartnern Millionen eintrugen. Im vergangenen Jahr hat sie in einem Edel-Verlag das Buch "My love affair with jewelry" herausgebracht, die ganz unzeitgemäße, also mutige Geschichte einer offenen Liebe zu Hochkarätern.

Eine Diva, eine Gigantin, eine Primadonna, eine Elizabeth Taylor wird man nicht durch Ehrgeiz und Disziplin. Dazu braucht es wohl ein überlebensgroßes Herz, Mut zur Maßlosigkeit, Schnurzigkeit gegenüber schlechter Presse und vor allem den Identifikationsfaktor. Geliebt, verehrt, weit über den Karrierehöhepunkt hinaus bewundert und auch mal belästert können vielleicht nur Frauen mit lässlichen Sünden werden. Frauen, die bisweilen zu viel fressen, saufen, falsche Kleider anziehen, falsche Männer heiraten (ja, ja, auch mit falschen Butlern rummachen, was dann geschasste Gärtner in der Presse breittreten), sich falsche Krankheiten zulegen, Sorgen mit ihren Kindern haben ? mit anderen Worten: Frauen, wie man sie, im Taschenformat, selber kennt - und, im Weltformat, gern kennen würde.

VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?