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"Daemonica": Mönche und Mord im Mittelalter

In einer schaurigen Geschichte erzählt "Daemonica" die düstere Geschichte des englischen Örtchens Cavron.

Erst das Urteil vollstrecken und sich dann darüber Gedanken machen, ob es gerechtfertigt war, ist nicht die feine englische Art. Im mittelalterlichen Großbritannien war die zwar nicht üblich, trotzdem könnte die vorschnelle Beschuldigung den Bürgermeister Kopf und Kragen kosten: Die Dorfbewohner wollen nicht glauben, dass der Totengräber seine Verlobte erstochen und ihr anschließend die Haut abgezogen haben soll. Zudem hing ihm der Bürgermeister noch den Mord an einem alten Ehepaar an, der einige Monate zuvor die Bevölkerung in Aufruhr versetzte. Nun soll Nicholas Farepoynt aus York die Aufklärung der Verbrechen übernehmen - und der Spieler die Kontrolle über ihn.

In einer verregneten, stürmischen Nacht steht der Detektiv vor den Stadttoren von Cavron. Per Bildschirmtext erzählt Farepoynt einen Teil seiner Geschichte. Manch einer wird zwar die lange Einführung als störend empfinden, dafür entschädigt jedoch die hervorragende Sprachausgabe, von der ausgewählte Passagen mitgelesen werden.

An die Text-Lastigkeit sollten sich "Daemonica"-User allerdings gewöhnen: Leider verzichtet das Spiel nahezu gänzlich auf Zwischensequenzen oder Videodarstellungen. Wer nicht gerne liest, sollte deshalb lieber zu einem anderen Titel greifen. Denn sämtliche Dialoge werden im Fließtext dargestellt, einen Synchronsprecher gibt es nicht - bis auf die unheimliche Hintergrundmusik bleiben die Lautsprecher still.

Wer darüber hinweg sieht, findet sich schon bald in einem spannenden interaktiven Mittelalter-Krimi wieder, in dem das Böse ein ganzes Dorf eingenommen hat. Langsam kommt der Spieler außerdem Farepoynts wahrer Identität auf die Spur: Der Detektiv ist Dämonenjäger und hat die Fähigkeit, mit Toten zu sprechen. Nur so lassen sich die Geschehnisse in Cavron Stück für Stück rekapitulieren.

Die Rätsel, die es zu bewältigen gilt, sind enorm Dialog-orientiert: Nicholas sammelt vor allem Informationen, die er in Gespräche einfließen lässt. Um sich die Angel eines Fischers auszuleihen, muss der Dämonenjäger beispielsweise zum Paartherapeut werden. Er muss herausfinden, dass sich der Fremde für sein Dienstmädchen interessiert, und die beiden miteinander verkuppeln. Insgesamt sind die Quests anfängerfreundlich gestaltet und halten sich im lösbaren Rahmen.

Daemonica

Hersteller/Vertrieb

Frogster Interactive/Frogster Interactive

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 20 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Grafisch sollten potenzielle Käufer kein Meisterwerk erwarten, schließlich handelt es sich bei "Daemonica" um einen Low-Price-Titel für rund 20 Euro. Fluss-Texturen sind kantig, die Gesichter der Personen unscharf und die Landschaft undetailliert. Trotzdem schafft das Städtchen Cavron, den Spieler allein mit der Story in seinen Bann zu ziehen: Auf Sparfüchse und Adventure-Fans wartet ein Spiel aus einem spannenden Krimi-Stoff.

Christian Pfeiffer/Teleschau / TELESCHAU
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