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"Die Legende von Beowulf - Das Spiel": Für den Ruhm, nicht für den Spielspaß

Das Computerspiel zum Computerfilm erweist sich - ganz wie das Vorbild - als brutaler Flop.

Filmumsetzungen gelten unter Zockern seit jeher als zweifelhaftes Unterfangen von Publishern, mit lieblos produzierten Spielen einen schnellen Euro verdienen zu wollen. Die Vergangenheit gab dieser These - mit wenigen löblichen Ausnahmen wie "The Chronicles Of Riddick" - leider viel zu oft Recht. Und auch "Beowulf" schafft es nicht, Filmversoftungen in einem guten Licht erscheinen zu lassen.

Denn der Titel von Ubisoft Shanghai schlampt in so ziemlich jeder erdenklichen Kategorie. Angefangen beim Gameplay über die Steuerung hin zur technischen Umsetzung - es gibt fast nichts in "Beowulf", das richtig gut geworden ist.

Immerhin hält sich das Spiel an die 3.182 Verse umfassende Vorlage der Originalerzählung: Beowulf zieht mit seinen Gefährten aus, um Hrodgar, dem König der Dänen, im Kampf gegen das Ungeheuer Grendel beizustehen, das alle paar Jahre ein Blutbad unter den Seinen anrichtet. Das Wort "Blutbad" war wohl auch die Hauptinspirationsquelle für die Designer. Der rote Lebenssaft fließt derart exzessiv in den Kämpfen, dass sich die Vermutung, die Entwickler wollten mit dem hohen Gewaltfaktor über spielerische Mängel hinwegtäuschen, regelrecht aufdrängt.

So kugelt Beowulf Gegnern im Nahkampf beide Schultern aus, schlägt ihnen in Zeitlupe den Kopf ab oder schlitzt riesigen Monster mittels Quicktime-Events - "God of War" lässt grüßen - der Länge nach auf. Außerdem kann er seinen Gefolgsleuten, den Thanes, mittels Tastendruck Befehle erteilen: So schieben sie, sofern es die miese Künstliche Intelligenz zulässt, beispielsweise einen Felsblock weg oder stürzen sich auf die Widersacher. Bloß: Spaß machen das uninspirierte Tastengekloppe und der immer gleiche Spielablauf keine Stunde lang - wenn überhaupt.

Die schlampige Programmierung tut ihr Übriges: Während des Tests fabrizierte die PC-Version regelmäßig Slowdowns und sogar Bluescreens - egal, ob die Auflösung 800x600 oder 1680x1050 Bildpunkte betrug und die Postprocessing-Effekte aktiviert oder ausgeschaltet waren. Chapeau, Ubisoft Shanghai, für eine derart schwache Umsetzung. Etwas stabiler präsentierten sich die Next-Gen-Konsolenversionen. Aber auch sie konnten nicht vollends überzeugen - und das, obwohl als Grafikgerüst die "Yeti"-Engine diente, die schon bei "Ghost Recon: Advanced Warfighter" zum Einsatz kam.

Die Legende von Beowulf - Das Spiel

Hersteller/Vertrieb

Ubisoft/Ubisoft

Genre

Action

Plattform

PC, PSP, PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 50 bis 70 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Fazit: Trotz gelungener Synchro und markerschütternder Sounduntermalung sollen selbst eingefleischte Hack&Slay-Fans die Finger von diesem tumben Machwerk lassen. "Beowulf" ist ein Spiel, das nur auf einen großen Namen in Verbindung mit expliziter Gewaltdarstellung, aber nicht auf Inhalt und saubere Programmierung setzt.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau / TELESCHAU