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"Assassin's Creed: Syndicate": Meucheln wie Jack the Ripper: So gut ist das neue "Assassin's Creed"

Die "Assassin's Creed"-Serie ist eine der populärsten Videospielreihen überhaupt. Im neuesten Teil verschlägt es Gamer ins viktorianische London. Doch wie gut ist das Spiel? Wir haben es getestet.

Assassins Creed Syndicate

Die "Assassin's Creed"-Reihe zählt zu den erfolgreichsten Franchises im Videospielbereich. Jedes Jahr steht kurz vor Weihnachten ein neuer Teil der Abenteuer-Saga in den Regalen der Händler. Und auch in diesem Herbst macht das Entwicklerstudio Ubisoft keine Ausnahme: Am 24. November erscheint "Assassin's Creed: Syndicate". Es ist der mittlerweile neunte Teil seit 2007. Zählt man die zahlreichen Spin-offs dazu, ist man bei gut doppelt so vielen Spielen. Dass man da nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden kann, liegt auf der Hand. Wenn man sagt, dass "Assassin's Creed" irgendwie jedes Jahr dasselbe Spiel in neuem Gewand ist, stößt man sicherlich nur den wenigsten Gamern vor den Kopf.

Dass die Spiele trotzdem jedes Jahr zu den Bestsellern gehören, liegt vor allen an den frischen Settings: Im vergangenen Jahr verschlug es den Spieler ins Paris der Französischen Revolution, davor schipperte man als Pirat durch die Karibik und kämpfte als Indianer in den Vereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskriegs. Diesmal kraxelt und klettert der Spieler durch das London des Jahres 1868. Doch lohnt sich der neue Teil der Action-Saga? Wir haben ihn bereits getestet.

Erstmals zwei Assassinen spielbar

Der Spieler schlüpft in "Assassin's Creed: Syndicate" in die Rolle des Meuchelmörders Jacob Frye und seiner Zwillingsschwester Evie. Er ist ein Hitzkopf, sie die Besonnene. Hier greift Ubisoft ganz tief in die Klischeekiste. Spielerisch macht es ohnehin kaum Unterschiede, welchen Charakter man gerade steuert.

Gemeinsam ziehen beide Assassinen durch das viktorianische London der Industriellen Revolution. Und das sieht wirklich klasse aus: Wenn man auf dem Dach einer Fabrik steht und den Blick in die Ferne schweifen lässt, sieht man rauchende Schlote, auf der Themse schippern Flussdampfer und Eisenbahnen donnern durch die Stadt.

Die Straßen und Gassen wirken extrem lebendig - hier gibt es eine Kneipenschlägerei, dort fummelt ein Pärchen im Park. Wohl kein Spiel hat zuvor die Atmosphäre einer historischen Großstadt so lebendig eingefangen wie "Assassin's Creed: Syndicate".

Assassin's Creed: Syndicate: Aus dem Leben eines Meuchelmörders
Assassins Creed Syndicate

Klau die Kutsche

London verändert sich fundamental Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Fabrik wird nach der anderen hochgezogen. Die Menschen, viele davon Kinder, schuften am  Fließband. Doch vom Wirtschafts-Boom profitiert nur die High Society, beim einfachen Arbeiter bleibt vom neugewonnen Wohlstand nichts hängen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß - hieraus zieht das Spiel seinen Zündstoff. Der Bösewicht ist Crawford Starrick. Er ist nicht nur das Oberhaupt der verfeindeten Templer, er kontrolliert als Industrie-Mogul auch halb London, vom Königshaus bis zum Straßenpolizist.

Die Aufgabe des Spielers ist es, London aus den Fängen dieses Oberschurken zu befreien. Mit dieser Geschichte gewinnt Ubisoft keinen Drehbuch-Oscar, sie dient eher als Rahmen für die detailreiche Kulisse. Die wirre, übergeordnete Geschichte in der Gegenwart, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte "Assassin's Creed"-Reihe zieht, spielt in "Syndicate" Gott sei Dank keine nennenswerte Rolle. Hier ist man als Gelegenheits-Gamer sowieso schon vor Jahren ausgestiegen.

Auf den Spuren von Batman

An der Spielmechanik hat sich nicht viel geändert: Man rennt über Dächer, kraxelt an Türmen und Wänden hoch und versucht, nervige Wachen aus dem Hinterhalt zu erledigen. Kurz: Es ist ein typisches "Assassin's Creed". Wem die Vorgänger gefallen haben, der wird auch den neuen Teil mögen. Ein neues Element sind die Kutschen: Wie in "GTA V" kann man auf Knopfdruck Fahrzeuge - in diesem Fall Pferdekutschen - klauen. So kann man weite Strecken zurücklegen, wenn man gerade mal keine Lust auf Klettern hat, ab und zu gibt es auch mal ein Rennen.

Die wohl coolste Neuerung überhaupt ist der Greifhaken. Mit diesem Gadget kann man sich im Batman-Stil von Dach zu Dach ziehen. Auch die Kämpfe gehen lockerer von der Hand als früher: Der Säbel bleibt stecken, stattdessen verlassen sich Jacob und Evie auf ihre Fäuste, Schlagringe und Messer. Weil die Feinde aber meist stärker sind als man selbst, sollte man im Zweifelsfall lieber an größeren Gegnergruppen vorbeischleichen.

Der Abwechslungsreichtum der Missionen hat uns gut gefallen. Mal muss man unbemerkt ein Gebäude infiltrieren, dann bricht man in eine Bank ein, ein anderes Mal muss man Kinder aus einer Weberei befreien. Auch abseits der Hauptgeschichte gibt es viel zu entdecken: Man kann Züge überfallen und sich in Bandenkriegen austoben. Langweilig wird es jedenfalls nie.

Unsere Testversion für die Playstation 4 lief bis auf wenige Ausnahmen flüssig. Einzig bei den rasanten Kutschfahrten wurde die Konsole an ihre Grenzen gebracht. Gestört haben uns die langen Ladezeiten und die Vertonung ist nicht immer lippensynchron. Gelegentlich gab es auch technische Fehler, so stecken Figuren in den Häuserwänden fest. Doch der eine oder andere Fehler wird sich vermutlich mit einem Update beheben lassen.

Fazit

"Assassin's Creed: Syndicate" ist einer der besseren Teile der Abenteuer-Reihe. Das historische London sieht toll aus und es gibt viele spaßige Missionen. Zwar reißt einen die Geschichte nicht gerade vom Hocker, doch die gibt dem Open-World-Spiel ohnehin nur den Rahmen vor. Ubisoft hat bei der Spielmechanik an vielen Stellen geschraubt und das Ergebnis dürfte den meisten Gamern gefallen. Perfekt ist das Spiel aber nicht, ab und zu gab es technische Probleme. Dennoch ist "Assassin's Creed" wohl das Abenteuer-Spiel der Saison.

"Assassin's Creed: Syndicate" erscheint am 23. Oktober für Playstation 4 und Xbox One, am 19. November folgt die PC-Version.