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Playstation 4 im Test: Bisher nur Vorspiel

Die Playstation 4 soll laut Sony das ultimative Spieleerlebnis bieten. Bisher bleibt die Konsole aber unter ihren Möglichkeiten, wie der stern.de-Test zeigt.

Von Dominik Brück

Lange haben Gamer auf diesen Moment gewartet: Endlich den Controller der neuen Playstation 4 in der Händen halten und los zocken. Die glänzende Konsole in Schwarz sieht mit ihrem abgeschrägten Design einfach gut aus. Aber kann auch die Leistung überzeugen? stern.de konnte die Playstation 4 ausführlich testen und prüfen, wie sich die Konsole in der Praxis schlägt.

Während Microsoft die Xbox One als ultimatives All-in-One-Gerät für das Wohnzimmer anpreist, will Sony vor allem Gamer ansprechen - und bewirbt die Playstation 4 als das ultimative Spieleerlebnis. "Wir lassen alles hinter uns, was Konsolen bisher geleistet haben", verspricht Marketingmanager Zoran Roso im Gespräch mit stern.de. Das alles bietet Sony für 399 Euro an. Ein Kampfpreis, der 100 Euro unter dem der Xbox One liegt. Ab Freitag steht die Konsole hierzulande in den Regalen.

Ein wahres Kraftpaket

Leistung, die man nicht hört, aber sieht und spürt - so könnte das Motto der Playstation 4 lauten. Unter der Haube steckt geballte High-Tech-Power: Ein AMD-Achtkernprozessor gepaart mit einer Radeon-Grafikkarte und acht Gigabyte Arbeitsspeicher machen die Playstation 4 zehnmal leistungsfähiger als das Vorgängermodell. Dabei ist das schicke Gehäuse nur 27,5 Zentimeter breit, 5,3 Zentimeter hoch und 30,5 Zentimeter lang. Besonders schön: Die gesamte Stromversorgung ist in die Konsole eingebaut, keine klobige Steckerleiste verschandelt das Wohnzimmer. Eine austauschbare 500-Gigabyte-Festplatte und ein Blu-Ray-Player gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Welche der neuen Konsolen kaufen Sie sich?

Von all der Leistung merkt der Spieler zunächst nichts. Die Playstation 4 schnurrt nach dem Start leise vor sich hin. Während des Spielens steigt der Geräuschpegel zwar, ist jedoch zu keinem Zeitpunkt störend. Dafür fordert die Rechenpower an anderer Stelle ihren Tribut: Die Konsole wird sehr schnell heiß und muss unbedingt an einem gut belüfteten Ort aufgestellt werden. Einen Einbau in den Wohnzimmerschrank sollte man sich daher sparen.

Die aktuellen Spieletitel für die Playstation 4 lassen das Potenzial der Konsole nur erahnen. Besonders die kurzen Ladezeiten verdeutlichen die Rechenleistung der Playstation 4. In unserem Test konnten wir unter anderem den Shooter "Killzone: Shadow Fall", das Jump-and-Run-Game "Knack" und das Action-Adventure "Assassin's Creed 4: Black Flag" spielen.

Die Grafik hebt sich erwartungsgemäß von den Vorgängerkonsolen ab, setzt jedoch keine neuen Maßstäbe. Der Startblockbuster "Killzone" überzeugt durch ausgefeilte Physikeffekte wie zerbrechendes Glas oder komplett zerstörbare Wände, reizt jedoch die Möglichkeiten der Hardware nicht aus. Das Multiplattformgame "Assassins Creed 4" wurde mit verbesserten Texturen und zusätzlichen Effekten wie dichterem Rauch, der bei Seeschlachten die Sicht versperren kann, aufgemotzt. Insgesamt bleiben die Starttitel auf dem Niveau eines gut ausgestatteten Gaming-PCs. Ein Kaufargument sind die Starttitel nicht. Spiele der Playstation 3 lassen sich auf der neuen Konsole nicht spielen, gebrauchte Playstation-4-Spiele sollen jedoch problemlos funktionieren.

Ich weiß, was du letzten Montag gespielt hast

Auch für die Playstation 4 gibt es eine moderne 3D-Kamera im Stil von Kinect. Diese gehört jedoch nicht zur Grundausstattung und muss für rund 60 Euro separat gekauft werden. Dafür soll die Konsole dann auch mit Sprachbefehlen gesteuert werden können. Die Kamera war für unseren Test nicht verfügbar, so dass wir uns kein Bild über die Funktionen machen konnten. Auch die Streaming-Funktion der Konsole konnten wir nicht ausprobieren. Laut Hersteller soll es möglich sein, Spiele über Wlan auf eine PS Vita zu streamen und so auch abseits des Sofas zu zocken. Gleichzeitig kann man per Smartphone oder Tablet-App Spiele von unterwegs kaufen, sodass diese später sofort auf der Konsole verfügbar sind.

Viel Wert legt Sony auf soziale Netzwerke. Ein eigener Knopf auf dem Controller ermöglicht es, schnell und unkompliziert Screenshots des aktuellen Spiels auf Facebook und Twitter zu verbreiten. Auch kurze Videoclips können mit dem Share-Button bearbeitet und auf den Streaming-Plattformen "Twitch" und "UStream" geteilt werden. Schade: Die Veröffentlichung eigener Videos auf Youtube unterstützt die Playstation 4 derzeit nicht.

Wem es nicht reicht, erst im Nachhinein die spielerischen Höchstleistungen seiner Freunde anzuschauen, kann sich live als Beobachter in Spiele einschalten. Die letzten 15 Minuten eines Spiels zeichnet die Konsole laufend auf und stellt sie auf Wunsch des Benutzers für Freunde in Echtzeit zur Verfügung. Sony versichert, dass die Aufnahmen nur für ausgewählte Personen und nur nach Bestätigung des Nutzers sichtbar sind. Nach Verlassen des Spiels soll die Aufnahme sofort gelöscht werden.

Präzise Steuerung, hoher Stromverbrauch

Der Share-Button ist nicht die einzige Neuerung, die Sony dem Controller verpasst hat. Er liegt mit einem Gewicht von 210 Gramm angenehm in der Hand und ermöglicht eine präzise Bedienung. Nicht ganz so genau funktioniert das neue Touchpad: Bei "Assassins Creed 4" etwa reagiert die Steuerung der Karte mit dem Touchpad nur sehr träge. Mit den Analog-Sticks kann man einfacher und schneller navigieren. Im Befehlsmenü von "Killzone" lassen sich die Kommandos mittels Pad zwar genauer auswählen, doch auch hier ist das Steuerkreuz schneller. Die Lage des Touchpads in der Mitte des Controllers macht es zur schwierigen Fingerübung, Befehle zu geben, was in der Hitze des Gefechts schnell den virtuellen Tod zur Folge haben kann. Hier müssen sich die Spieleentwickler noch etwas einfallen lassen, um die Möglichkeiten des integrierten Touchpads besser zu nutzen.

Gelungen ist der Lautsprecher auf der Oberseite des Controllers. Soundeffekte wie Funksprüche oder Gespräche erklingen direkt vor dem Spieler und sorgen für eine dichtere Atmosphäre. Auch das Anschließen von Kopfhörern oder eines Headsets direkt am Controller ist möglich. Eine weitere Neuheit in den Händen des Spielers ist die Leuchtleiste an der Vorderseite des Controllers. Sie soll eine verbesserte Erkennung durch die Kamera ermöglichen und zeigt mit verschiedenen Farben an, welcher Controller zu welchem Spieler gehört. Das entpuppt sich schnell als Stromfresser: Gerade einmal acht Stunden hält der Akku. Danach muss der Controller an die Konsole angeschlossen werden.

Spielkonsole statt Entertainment-Center

Die Playstation 4 hat zahlreiche Entertainment-Funktionen, die allerdings nicht ganz so umfangreich ausfallen wie bei der Xbox One. "Wir haben uns auf die Spieler konzentriert", sagt Roso. Das Angebot von Sony hat trotzdem alles, was für die Unterhaltung im Wohnzimmer nötig ist. Neben dem Blu-Ray-Player können auch Video-Streams über Watchever, Lovefilm oder Maxdome abgerufen werden. Musikfreunde werden allerdings bemängeln, dass die Konsole keine Audio-CDs erkennt. Sony hat gegenüber stern.de jedoch angekündigt, die Unterstützung von MP3s in einem späteren Update nachzureichen. Den Anschluss von externen Festplatten unterstützt die Konsole nicht, sodass beispielsweise das Anschauen der letzten Urlaubsbilder nicht möglich ist.

Besonders schwach: Das Übertragen von Videos, Musik und Bildern via Wlan wird von der neuen Konsole nicht unterstützt, weil das dafür nötige DLNA-Protokoll nicht unterstützt wird. Diesen Service bot sogar die ältere Playstation 3. Auch hier will Sony bald nachbessern - wann ist noch nicht bekannt. Als Home-Entertainment-Center taugt die Playstation 4 daher nur wenig. Die Stärken der Konsole liegen ganz klar bei den Spielen.

Fazit: Auch Gamer sollten warten

Insgesamt war die Vorfreude berechtigt: Sony lässt mit der Playstation 4 Gamerherzen höher schlagen. Es ist aber schade, dass zum Verkaufsstart kaum Spielehighlights verfügbar sind. Die Starttitel lassen jedoch bereits erahnen, was die Konsole kann. Da die wirklichen Kracher erst später erscheinen werden, lohnt es sich, mit dem Kauf noch etwas zu warten.

Vor allem der günstige Preis spricht für die Playstation 4. Selbst mit zugekaufter Kamera ist die Konsole günstiger als die Xbox One. Dafür müssen die Kunden Abstriche bei den Multimedia-Funktionen machen: Ohne DLNA-Unterstützung, die Möglichkeit externe Festplatten anzuschließen und Audio-CDs abzuspielen ist der Umfang des Home-Entertainments sehr begrenzt. Wer jedoch eine gute Spielekonsole sucht, die gelegentlich auch für das Anschauen von Filmen per Blu-Ray oder Stream genutzt werden kann, sollte zur Playstation 4 greifen.