"Die Siedler 2: Die nächste Generation" Botox gegen Pixel


Nostalgie pur: Zehn Jahre nach dem Erscheinen des Wuselklassikers "Die Siedler 2" hat Blue Byte das Kultspiel einer behutsamen Verjüngungskur unterzogen.

Hollywoods unsäglicher Hang zum Remake hat nun also auch die von akuter Ideenlosigkeit geplagte Spieleindustrie erfasst. "Die Siedler 2: Die nächste Generation" ist eine simple Neuauflage des zweiten Teils, bei dem es vor allem auf eine blitzende Oberfläche ankommt. So erstrahlen die Wuselmännchen nun im detaillierten Render-Look und lassen sich dank der zoombaren 3-D-Grafik-Engine auch ganz aus der Nähe beim Werkeln beobachten.

Karten und Gebäude wurden komplett dreidimensional umgesetzt und mit allerlei netten Animationen garniert. So streunen nicht nur Tiere durch die Wälder, auch in den Dörfern tut sich eine Menge: Packesel schleppen Waren zum Bestimmungsort, im Sägewerk fliegen die Späne, und Mineneingänge werden von dicken Staubwolken eingehüllt. Leider kann man das Treiben nur aus der Nähe und aus der Ferne betrachten - ein Drehen der Karten ist leider nicht möglich.

Wie das Original-"Siedler 2" bietet "Die nächste Generation" eine Einzelspieler-Kampagne aus zehn Missionen. Viel verändert hat sich hier nicht. Wieder geht es darum, einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf in Gang zu bringen. Ausgehend von einem Haupthaus errichten die Siedler zunächst Holzfällerhütten und Steinbrüche, um die wichtigsten Ressourcen für den Aufbau heranzukarren. Nach und nach entstehen zusätzliche Gebäude wie Sägewerk und Bauernhof. Weitere Ressourcen werden in den Minen erschlossen und in Schmieden und Schlossereien weiterverarbeitet. Damit die Jungs unter Tage bei Kräften bleiben, sorgen Bäckerei und Metzger für ausreichend Nahrungsvorräte.

Bei dem geschäftigen Hin und Her zwischen Rohstoffdepots und Produktionsstätten ist es notwendig, ein möglichst effizientes Wegesystem auszutüfteln. Und wenn der Laden mal läuft, machen sich die Männchen daran zu expandieren - notfalls auch auf Kosten benachbarter Völker. Kriegerische Auseinandersetzungen sind dabei zwar unvermeidlich, spielen aber für das "Friede-Freude-Eierkuchen"-Gameplay eine eher untergeordnete Rolle.

Das Prozedere ist in allen Missionen dasselbe - das Ziel im Übrigen auch: Auf der Suche nach ihren verschwundenen Frauen müssen die römischen Siedler stets ein Portal erreichen, das sie zur nächsten Insel bringt. Auf überraschende Wendungen oder neue spielerische Elemente wartet man vergeblich. Immerhin spendierte man dem Spiel eine Zeitrafferfunktion, die sinnloses Warten am Schirm auf ein erträgliches Niveau reduziert.

Aufgepeppt wurde allenfalls der Mehrspielermodus: Wo früher nur zwei Spieler an einem Rechner per Splitscreen gegeneinander antreten konnten, dürfen nun bis zu sechs Siedler gleichzeitig Im Netzwerk oder Internet ihre Männchen schuften lassen. Erfreulich auch die leichte, aber effektive Überarbeitung des Benutzerinterfaces, das sich nun deutlich intuitiver als im Original präsentiert.

Die Siedler 2: Die nächste Generation

Hersteller/Vertrieb

Blue Byte/Ubisoft

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Viele Fans werden das Remake ihrer Lieblings-"Siedler" bestimmt schätzen und gerade den Verzicht auf neue, "verfälschende" Elemente gut heißen. Trotzdem wird offenbar, dass das alte schlichte Aufbauprinzip im Vergleich zu aktuellen Genre-Vertretern heute nicht mehr so richtig spannend ist. Insofern hätte dem Spiel vielleicht doch die eine oder andere Überraschung im Missionsdesign gut getan. Davon abgesehen stellt sich die Frage, warum man für ein im Grunde altes Produkt mit ein paar kosmetischen Änderungen genauso viel Geld hinblättern soll wie für eine komplette Neuentwicklung ...

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker