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"Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs": Schmurgel, Klirr, Braus

Trotz totaler Trendverweigerung trumpft "Dragon Quest 8: Die Reise des verwunschenen Königs" mächtig auf. Evolution statt Revolution: Die Macher feilten an bewährten Rollenspielelementen bis zur Perfektion.

Das Ungewöhnliche vorweg: "Dragon Quest 8" - keine Panik, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich - wagt keinerlei unnötige Experimente, verweigert sich mit Inbrunst jedem aktuellen Trend und schwelgt auch nicht in einer epochalen Geschichte wie die "Final Fantasy"-Reihe aus gleichem Hause. Und dennoch zählt "Der verwunschene König" zu den besten Rollenspielen, die je auf der PlayStation2 erschienen sind.

Gründe dafür gibt es viele, vielleicht bedarf es aber auch nur eines einzigen: Es stimmt einfach alles - von der quietschbunten Comic-Grafik über den stets fordernden, aber nie unfairen Schwierigkeitsgrad bis hin zu den symphatischen Charakteren, den drolligen Monstern, der tollen englischsprachigen Synchro, dem ausgefeilten Kampfsystem, und, und, und. "Virtuelle Evolution statt Revolution" scheint das Motto bei Square Enix gelautet zu haben, die an bewährten Rollenspielelementen bis zur Perfektion feilten.

Das Ergebnis: ein spielbares Märchen, in dem der König Trode von seinem irren Hoffnarren Dhoulmagus in einen wandelnden Breitmaulfrosch à la Meister Yoda verwandelt wurde und nun nach Erlösung sucht. Auch Prinzessin Medea hat es erwischt, bei der das Wörtchen Stutenbissigkeit plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommt. Gleichzeitig ist der faule Zauber der Auftakt zu einer gut 60-stündigen Odyssee (Nebenaufgaben nicht miteingerechnet) durch alle Kontinente: Es gilt, dem bösartigen Clown das Handwerk zu legen, den Fluch von der Königsfamilie zu nehmen, neue Freunde und natürlich die Liebe zu finden.

Trotz des recht linearen Aufbaus kann der Spieler - verkörpert von einem Jüngling, begleitet von einem Ex-Banditen mit Cockney-Akzent, einer aufbrausenden Magierin und einem leichtlebigen Charmeur - jeden beliebigen Ort in der durch und durch bunten Comic-Welt ansteuern. Weit wird er dabei allerdings nicht kommen, da im Minutentakt rundenbasierte Zufallskämpfe mit allerlei kuriosem Getier das Geschehen unterbrechen.

Schwert, Axt, diverse Zaubersprüchen, die auf ulkige Namen wie Schmurgel, Klirr und Braus getauft wurden, und die Konzentrationsfähigkeit der Helden (steigert den Schaden) erweisen sich dabei als probate Mittel, um dem drolligen Geschmeiß Herr zu werden. Etwas heftiger: die Bossgegner, die meistens am Ende eines Dungeons lauern.

Hier kommt auch einer der wenigen Kritikpunkte des Titels zum Tragen: Spielstände lassen sich nur in Dörfern beziehungsweise Kirchen sichern. Wer also am Ende einer anstrengenden Quest von einem übermächtigen Monster erlegt wird, hat Pech gehabt. Deshalb sollte vor jedem Ausflug in die Pampa der Vorrat an Heilkräutern, Gegengiften und Schutzgegenständen beim Equipment-Dealer des Vertrauens aufgestockt werden.

Wer siegt, gewinnt neben barer Münze vor allem Erfahrungspunkte, mit denen sich die einzelnen Party-Mitglieder nach und nach zu Spezialisten oder Allroundern ausbilden lassen.

Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs

Hersteller/Vertrieb

Square Enix/Koch Media

Genre

Rollenspiel

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Alle Geschehnisse, netten Einfälle und coolen Features (wie etwa der Alchemie-Pot) von "Dragon Quest 8" aufzuzählen, würde Bücher biblischen Ausmaßes füllen. Deshalb lassen wir das. Wer aber auch nur einen Funken Interesse an japanischen Rollenspielen hat, sollte Urlaub nehmen und zugreifen. Etwas Besseres lässt sich derzeit nicht in den Händlerregalen finden.

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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