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"Drakensang: Das Schwarze Auge": Die Würfel sind gefallen

Mit Würfeln, Stift und Papier werden Menschen in "Pen & Paper"-Rollenspielen zum Zauberer, Krieger oder Piraten. Deutschlands erfolgreichstes Würfelabenteuer "Das Schwarze Auge" erscheint nun als Computerspiel. Die PC-Umsetzung der Fantasy-Welt ist ein Spiel von Fans für Fans und steckt voller Liebe zum Detail.

Von Nina Ernst

Die kleinen Gassen zwischen den Fachwerkhäusern sind voller geschäftiger Menschen. Schmiede und Wachleute gehen ihrer Arbeit nach. Marktfrauen schwatzen mit Kunden, während einige Männer in der Taverne entspannen. Hier gibt es das beste Bier der Region. In der Nähe der Hafendocks findet mal wieder eine Schlägerei statt. Alltag in der Handelsstadt Ferdok.

Auch wenn es in der Hafenstadt aussieht wie in einer deutschen Stadt im Mittelalter, liegt Ferdok in der Parallelwelt Dere. Im Herzen des Kontinents Aventurien, der Europa überraschend ähnlich sieht. Etwa vier Millionen Menschen waren schon in Dere zu Gast. 80.000 erleben dort sogar regelmäßig Abenteuer: im Rollenspiel "Das Schwarze Auge" (DSA). Mit mehr als fünf Millionen verkauften Spielen ist DSA Deutschlands erfolgreichstes Rollenspiel. Jetzt kommt die Erfindung aus dem Jahr 1984 nach zwölf Jahren Pause wieder auf den PC.

Harte Arbeit mit den Fans

Die Geschichte des Computergames "Drakensang" exakt in die Welt der bestehenden Romane und Rollenspiel-Regelwerke einzufügen, war harte Arbeit. Drei Jahre lang haben Autoren, Experten und Entwickler entworfen und recherchiert. "Zwar sind wir im Team alle vertraut mit dem Thema, doch es gab auch ein Angstgefühl, ob wir die DSA-Community zufrieden stellen können", sagt Bernd Beyreuther von Radon Labs. Er hat bei der Entwicklung von "Drakensang" als Regisseur agiert. "Als ich auf einem Fan-Treffen mit sehr speziellen Fragen gelöchert wurde, habe ich erst einen Schreck bekommen." Denn die Reihe "Das Schwarze Auge" hat nicht nur sehr viele Fans, sondern auch sehr engagierte. Und die wollen ernst genommen werden. Sie veranstalten Treffen, betreiben Webseiten, schicken ihre eigenen Abenteuer bei Wettbewerben ein und diskutieren mit den Autoren im Forum.

Im "Schwarzen Auge" herrscht gelebte Demokratie. Die Autoren können Handlung und Spielverlauf nur grob planen. In so genannten "Pen & Paper"-Spielen schlüpft man in eine selbst ausgedachte Rolle. Während die Spieler in ihrer Fantasie Höhlen erforschen, Dialoge mit erdachten Figuren führen und Kämpfe auswürfeln, lotst ein Spielleiter sie durch die Geschichte. Was die Autoren sich überlegt haben, dient nur als Gerüst. Ob der Bösewicht wie vorgesehen entkommt, hängt von der Spielrunde und dessen Würfelglück ab. So kann jeder die Welt mitgestalten. Darin liegt das Erfolgsgeheimnis dieser Spiele.

Das Ende selbst bestimmen können die Hobbyabenteurer im PC-Spiel "Drakensang" aus technischen Gründen nicht. Sie werden mit Aufgaben und Dialogen durch eine vorgefertigte Story geführt, in der sie eine Mordserie in Ferdok aufklären. Je mehr Geheimnisse die Spieler lüften, desto weiter führt sie ihre Reise durch Aventurien. Die Spielwelt ist ebenso vorgegeben wie Ferdoks Bewohner und der Verlauf der Geschichte. Damit die DSA-Fans sich trotzdem ernst genommen fühlen, haben die Entwickler pingelig darauf geachtet, dass das PC-Spiel keiner der anderen Publikationen widerspricht.

Rein ins Herz Aventuriens

Entwickler Radon Labs hat eng mit den Autoren der Spielebücher und Romane und mit dem Lizenzinhaber Chromatrix zusammengearbeitet. Als die Grundidee für das Projekt feststand, haben alle Beteiligten etliche DSA-Bücher gelesen, um einen geeigneten Ort zu finden. "Die alten PC-Spiele haben am Rand von Aventurien gespielt, um einer Vernetzung zu entgehen. Wir haben gesagt: Wir gehen da rein und vernetzen unser Spiel mit der bestehenden Welt", sagt Beyreuther.

Ferdok schien wie geschaffen für das Vorhaben. Nicht nur durch die zentrale Lage. Ferdok war einer der wenigen Orte, von denen es noch keine Stadtpläne gab, so dass die Entwickler und Geschichtenschreiber ihre Vorstellung von kleinen, verwinkelten Gassen realisieren konnten. Kaum war die Idee da, hat ein anderer Autor ein neues Buch inklusive Stadtplan von Ferdok veröffentlicht. Dort bestand Ferdok fast nur aus langen, geraden Straßen. Einen eigenen Plan für die Stadt zu entwerfen, kam für die Entwickler dann nicht mehr in Frage. Schließlich lebt "Das Schwarze Auge" davon, dass alles stimmig ist und ineinander greift.

Das Schwarze Auge: Drakensang

Hersteller/Vertrieb

Radon Labs/DTP

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

44 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

So ein unglücklicher Zufall sollte nicht wieder passieren. Also haben die Autoren und Entwickler bei der Planung des neuen Hesinde-Tempels die anderen Autoren rechtzeitig befragt, ob die bereits vorhaben, den ausgewählten Platz im nächsten Buch zu bebauen. Ein neues Gebäude, das aus dem Nichts auftaucht? Undenkbar für die Kenner der Fantasy-Welt. Also wurden die auf das Bauwerk vorbereitet, während die Autoren noch an der Story gefeilt haben. In der Community-Zeitung "Aventurischer Bote", die über die Geschehnisse der Spielwelt berichtet, wurde bereits zwei Jahre vor Erscheinen von "Drakensang" der Bau des Tempels angekündigt. Dort konnten Abonnenten auch schon über die Mordserie in Ferdok, der Hauptgeschichte in "Drakensang" zu lesen. "Den beliebten Zauberer Rakorium haben wir ebenfalls schon vor zwei Jahren hinsichtlich des Computerspiels aufgebaut und ihn über drei Artikel verstreut Richtung Ferdok geführt", sagt Stefan Blanck. Als Leiter des Lizenzgebers Chromatrix ist er für die Koordination zwischen dem Spieleverlag Ulisses und dem Softwareentwickler zuständig. Blanck ist einer der vier Autoren der Drakensang-Handlung. "Der Spieler soll eine homogene Welt vorfinden, die glaubhaft ist", sagt Blanck. So ist der neue Tempel von nun an fester Bestandteil von Ferdok.

Nähe zur Materie ist unerlässlich

So viel Recherche und strategische Planung war trotz langjähriger Erfahrung Neuland für die Entwickler von Radon Labs: "Es war schwierig, aus dem riesigen Vorlagenberg das auszuwählen, was man umsetzen will", sagt Beyreuther. Er und seine Kollegen sind als DSA-Spieler mit der Materie vertraut: "Ohne die Nähe zur Materie kann man das Thema nicht vernünftig umsetzen."

Schon nach wenigen Mausklicks fühlen sich Aventurien-Kenner in "Drakensang" zu Hause. Fans stoßen auf viele bekannte Gesichter, Orte und Gepflogenheiten. An Neulingen des Systems geht zwar einiges an Insiderwissen vorüber. Da es sich bei "Drakensang" um eine eigenständige Geschichte handelt, bekommen sie trotzdem keine Nachteile im Spielverlauf. Statt wilder Gefechte gibt es hier taktische Kämpfe nach den Regeln des Würfelspiels. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erkunden, Unterhalten mit Spielfiguren und Finden von Hinweisen. Diese Gemächlichkeit wirkt auf DSA-Anfänger manchmal sperrig und träge in einer Zeit, in der sich sonst alles um Action dreht. Wer sich auf das Tempo einlässt, erlebt eine interessante Reise durch eine stimmige Welt, die sehr nah am Original der Würfelspiele liegt.

Während "Pen & Paper"-Spiele in den 80er Jahren Hochkonjunktur hatten, sind sie Mitte der Neunziger unpopulär geworden. Der Reiz neuer Medien war zu groß, um weiter mit Papier, Stift und Würfel zu spielen. Seit ein paar Jahren kommen die Rollenspiele zurück. "Inzwischen sind die Leute übersättigt und wollen den Fernseher oder das Internet auch mal abschalten", sagt "Drakensang"- und langjähriger DSA-Autor Mark Wachholz. "Sie wollen sich wieder richtig treffen". Stefan Blanck sieht ähnliche Gründe für das Comeback: "Während man einen Film nur konsumiert, kann man dieses Hobby aktiv betreiben". Außerdem hat "Das Schwarze Auge" den Reiz der Verlässlichkeit. "Es ist wie bei einer TV-Serie", sagt Autor Wachholz. "Es ist eine kontinuierliche Geschichte. Man hat die Gewissheit, dass es weitergeht. Dass neue Orte entdeckt werden und bekannte Personen wieder auftauchen".

Die Popularität der Fantasyfilme hat ebenso zur Wiederentdeckung der Rollenspiele beigetragen. Da die Computertechnik inzwischen die Darstellung komplexer Welten erlaubt, wurde es für die Entwickler höchste Zeit für ein Spiel über das "Schwarze Auge". Zwar ist die Spielmechanik ebenso traditionell wie das "Pen & Paper"-Spiel, die Grafik der Spielwelt wirkt aber neuartig.

Bis auf Bilder in den Spielebüchern gab es bislang kein Bildmaterial von Ferdok und Umgebung. "Es ist knifflig, aus Texten ein Bild zu machen. Man muss das richtige Gefühl dabei rüberbringen", sagt Beyreuther. Noch eine Kopie der Optik bekannter Fantasy-Filme wie "Der Herr der Ringe" wollte er nicht. Also hat Radon Labs einen Fotografen losgeschickt, der alte Brücken und Fachwerkhäuser als Inspirationsquelle fotografiert hat, während die Grafiker Werke klassischer Maler wie Caspar David Friedrich studiert haben.

Gedämpfte Farben und Pflanzen die aussehen, als wären sie aus Pinselstrichen zusammengesetzt: der Grafikstil des Spiels erinnert tatsächlich an alte Gemälde. Landschaften und Städte sehen für ein Computerspiel überraschend deutsch aus. "Wir wollten uns darauf besinnen, wo unsere Wurzeln liegen", sagt Beyreuther. Nicht nur in Bezug auf die Grafik. Ob Programmierer, Autoren oder Leveldesigner: die Beteiligten sind selber DSA-Spieler. "Drakensang" ist ein Spiel von Fans für Fans.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.