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"Far Cry: Instincts": Zum Sterben schöner Inseltrip

Vieles kommt Action-Fans in "Far Cry Instincts" bekannt vor, und dennoch ist alles anders. Die Xbox-Adaption des PC-Krachers weiß durch eigene Ideen zu überzeugen, ist aber zu kurz geraten.

Aussteiger Jack Carver schippert Touristen durch den Südpazifik. Die Neugier der Fotografin Val Cortez führt den Bootsmann eines Tages in Gewässer abseits der bekannten Chartertouren - und dort beträchtlich in den Schlamassel. Denn während die Schöne auf dem Jetski ein abgelegenes Eiland ansteuert, döst Jack in der Mittagssonne ein und wird irgendwann durch das unschöne Rattern von Kampfhubschraubern und Maschinengewehren wach. Dem bedrängten Skipper bleibt nur der Sprung ins nicht allzu kalte Tropenwasser, um seine Haut zu retten. Ein erstes Fundstück in Form eines Revolvers lässt den Spieler erahnen, dass auf dieser Insel schwerlich Freunde zu finden sind.

Folgerichtig trifft der Gestrandete in den folgenden zehn Stunden nicht auf blumen-bekränzte Insulaner, sondern auf eine Vielzahl schwer bewaffneter Söldner. Den aggressiven Gesellen begegnet Jack mit Feuerwaffen aller Art, später mit animalischen Kräften und nicht selten frontal mit dem Kühlergrill. Dafür sorgen garantiert nicht TÜV-geprüfte Geländewagen, mit denen Strände und Dschungelpfade unsicher gemacht werden dürfen. Wie fast alle steuerbaren Vehikel (Aunahme: der Drachengleiter) des Spiels sind die besagten Karossen mit Waffensystemen ausgestattet. Speziell an Bord von Kanonen- und Luftkissenbooten dürfen sich Waffennarren bestens gewappnet fühlen. Neu sind auch Jetskis und Quads.

Dargeboten werden die fordernden Kämpfe in einer 3-D-Umgebung, die auf Konsolen derzeit ohne Beispiel ist. Das Flair einer sonnenüberfluteten pazifischen Insel wurde trotz kleinerer Ruckler und aufploppender Texturen dermaßen wunderbar eingefangen, dass man zu Beginn des Abenteuers die virtuelle Liege auspacken möchte. Dabei ist Entspannung das Allerletzte, was mit "Far Cry" in Verbindung gebracht werden kann. Gerade die perfide Mischung aus Postkartenidylle und Drohkulisse erzeugt eine derart alarmierende Stimmung, dass mit jedem Schmetterling am Wegesrand auch die Nerven zu flattern beginnen. Wenn mit der Zeit noch kreischende Monstermutationen ins Spiel kommen, ist der Wunsch nach Sonnenliegen und Strandurlaub endgültig passé.

Aber Jack darf den Mund gar nicht so weit aufreißen. Irgendwann bekommt er eine Injektionsnadel von den Schergen eines irren Professors in den Arm gerammt, woraufhin er selbst ein paar Stufen auf der Evolutionsleiter nach oben klettert oder unten rutscht. Reine Ansichtssache. Denn die Spritze weckt das Tier - oder besser gesagt - den Jäger im Skipper. Jack verfügt plötzlich über Bärenkräfte, und auch seine Seh- und Geruchssinne sind deutlich geschärft, sodass er Feinde im Dunkeln und durch seinen feinen Riecher ausfindig machen kann. Mit "wilder Geschwindigkeit" rauscht er durch den Regenwald, setzt zu gewaltigen Sprüngen an oder heilt sich in einer ruhigen Minute auch mal selbst - vorausgesetzt, der Adrenalin-Vorrat (ein kleiner grüner Balken) ist gut gefüllt.

Far Cry: Instincts

Hersteller/Vertrieb

Crytek / Ubisoft Studio Montreal/Ubisoft

Genre

Action

Plattform

XBox

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Zum Verlaufen große Außenareale, düstere Innenabschnitte, die nicht selten an "Doom 3" erinnern, nahezu uneingeschränkte Bewegungs- und Aktionsfreiheit (Stichwort: Fallen stellen!), spannende Missionen, bis auf gelegentliche Ausnahmen clevere Gegner, coole Mutantenfähigkeiten und eine Grafik, wie sie kein Pinsel schöner malen kann - das sind die Zutaten für einen zum Sterben schönen Inseltrip, der auch online durch vielfältige Modi überzeugen kann, aber leider viel zu kurz geraten ist.

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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