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Aussteiger: Besuch bei Bauchi, der seit einem Jahr in Boris Beckers Ex-Finca auf Mallorca lebt

Was macht eigentlich Bauchi? Ein Besuch auf "Son Coll", der ehemaligen Finca von Boris Becker auf Mallorca: Sie wird seit gut einem Jahr von Georg Berres besetzt, einem Aussteiger aus dem Rheinland.

Mallorca-Aussteiger Bauchi

Mallorca-Aussteiger Bauchi

stern

Er schickt eine Wegbeschreibung, die mit dem Zahlencode für ein Schloss endet. Von der Hauptstraße nach Artà geht es links ab, über eine Schotterstraße an ein paar Bäumen vorbei, die er "den verwunschenen Wald" nennt. Der Wald sieht eher vertrocknet aus; die Hitze. Von da aus ist es nicht mehr weit bis zu einem Tor mit einem Zahlenschloss daran. Kurz den Code eingeben, und dann ist man auf dem Grundstück von "Son Coll" – so heißt die Finca, die Georg Berres, Spitzname "Bauchi", seit mehr als einem Jahr besetzt. Auch wenn er da gleich korrigiert: "Wir besetzen nicht, wir erhalten Lebensraum."

Besuch bei Mallorca-Aussteiger Bauchi

Dieser hier gehörte einmal Boris Becker, weshalb "Son Coll" besser bekannt ist als "die Becker-Finca". Sie liegt im Nordosten der Insel. Der neue Hausherr empfängt mit nacktem Oberkörper. Er trägt eine Art Wickelrock für Herren, bunt gestreift mit hohen Einschnitten, die hier und da seine Beine freilegen. Die Haare fallen ihm über die Schultern, er grinst breit und stellt sich vor: "Hallo, ich bin Bauchi."

Dann führt er in die Finca, vorbei an zwei Solarpanelen, die hier jetzt für Strom sorgen. Genug, um ein Handy aufzuladen, doch ein Kühlschrank lässt sich damit noch nicht betreiben. Aber Bauchi und seine Mitstreiter haben sich den Umständen entsprechend gut eingerichtet. "Wir halten es wie alle hier auf dem Land: ein bisschen rudimentärer." Mit Wasser aus dem Brunnen und Plastiktüten, die mit Tesafilm befestigt an der Decke hängen; darin Lebensmittel, die so weit oben nicht von Ameisen angegriffen werden können.

Niemand will Beckers Ex-Finca kaufen

Im Mai 2018 war noch alles verwahrlost. Damals zog Bauchi in die Becker-Finca. Unter großer medialer Begleitung, denn die Finca zählt ja zu den vielen Kapiteln, die vom Abstieg des Boris Becker erzählen: Der hatte sie 1997 erworben und umgebaut; mit Gäste­haus und Tennis­platz. Doch es gab Ärger mit den Behörden, die Anbau­ten waren zu groß geraten. 2007 bot Becker die Finca zum Verkauf, fand aber jahrelang keinen Abnehmer. Der Versuch, damit seine Bankschulden zu tilgen, scheiterte. Die Finca stand leer. Dann kam Bauchi, ein Hippie und Selbstdarsteller, der von einem Hausbesetzer auf das Grundstück geführt worden sei, wie er nun erzählt. Und dann habe er es halt übernommen. Dass er bis heute hier ist, hat auch damit zu tun, dass in Spanien ein Besitzer innerhalb von 72 Stunden Anzeige erstatten muss, um Besetzer zwangsräumen lassen zu können; aber das ist nicht passiert. Hat sich bis heute nie jemand gemeldet, Becker nicht, der Insolvenzverwalter nicht?

Bauchi auf der Finca

"Wir besetzen nicht, wir erhalten Lebensraum", sagt Bauchi. 

Doch, erzählt Bauchi, er hat es sich in seinem Wohnzimmer bequem gemacht, wo es zwei Sofas gibt und viele Bilder von nackten Frauen mit gespreizten Beinen, die er selber gemalt hat. Er berichtet von einer Strafanzeige, die ihn kürzlich erreicht habe und wegen der er sich jetzt vor dem Gericht in Manacor hätte verantworten sollen. Aber dann sei die Verhandlung bis auf weiteres vertagt worden. Und wer die Strafanzeige gestellt habe und warum – keine Ahnung: "Das Ganze ist kurios", sagt Bauchi, "aber für uns auch irrelevant." Er und seine Mitstreiter seien in einem "guten Flow" und alle überzeugt davon, dass es etwas Sinnvolles sei, "was wir hier tun: alternative Denkmodelle aufzeigen."

stern-Bus

Andrea Ritter und Ulrike von Bülow mit dem stern-Bus auf Mallorca

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Bauchi lebt mit elf Menschen in der Becker-Finca

Bauchi lebt hier derzeit mit elf Menschen. Gerade kommt eine blonde Frau herein, die sich als Ariella vorstellt und ein Meerjungfrauengrünes Kleid trägt, hauteng. Sie sagt, sie kenne "den Bauchi" aus Köln und sei vergangenen Sommer schon mal hier gewesen. Die Natur sei so schön, diese Ruhe, der Frieden, da werde man ganz demütig. Bauchi grinst. An der Tür zu seinem Schlafzimmer hängt ein Tennisschläger, ist der von Boris? Nicht doch, sagt er: "Das ist meiner. Ich spiele ab und zu mal hier auf dem Tennisplatz."

Das Interview mit Georg "Bauchi" Berres lesen Sie im aktuellen stern. Wenn Sie gerade auf Mallorca Urlaub machen und Lust haben, den stern besser kennenzulernen, schauen Sie gern in unserem mobilen Büro vorbei: Am Samstag, den 13. Juli, ab 18 Uhr, an der Promenade in El Arenal, am Mittwoch, 17. Juli, am Rande des Wochenmarktes in Santanyí.