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"Global Conflicts: Latin America": Latin-Unterricht

Gute Vorsätze, schlechte Umsetzung: "Global Conflicts: Latin America" hat sich die Vermittlung von politischem Wissen auf die Fahnen geschrieben - nur kommt das Spielen viel zu kurz.

Vor knapp zwei Jahren sorgte das kleine dänische Entwicklerstudio Serious Games mit einer spannenden Idee für ein gehöriges Medienecho: Im Adventure "Global Conflicts: Palestine" schlüpften Spieler in die Rolle eines Reporters, der über den Nahen Osten recherchiert und dabei vor Ort die unterschiedlichsten Informationsquellen nutzt. Damit trat Serious Games den Beweis an, dass nützliches Wissen durchaus über Computerspiele transportiert werden kann. Leider litt "Global Conflicts: Palestine" jedoch unter einer reichlich altbackenen Präsentation, weshalb das Experiment nur teilweise glückte.

Jetzt legt Serious Games mit "Global Conflicts: Latin America" nach und beleuchtet mit Südamerika einen weiteren brisanten Krisenherd. Verbessert haben die Entwickler an ihrem "Global Conflicts"-Konzept jedoch nichts - die Optik erinnert an die Pionierzeit der 3-D-Spiele, mager texturierte Polygonklötzchen, plump animierte Charaktere, eine zickige Kameraführung und Clippingfehler beherrschen das Bild. Auf Sprachausgabe und Soundtrack, die der Atmosphäre einen kleinen Kick hätten geben können, wurde völlig verzichtet. Immerhin ist die Point&Click-Steuerung derart simpel ausgefallen, dass auch PC-Laien auf Anhieb damit zurechtkommen dürften.

Statt den im Grunde guten Ansatz nach "Palestine" auszubauen, hat Serious Games in "Latin America" eher abgespeckt: War es im ersten Teil der Serie noch möglich, sich selbst ein Urteil über die Zusammenhänge zu bilden, sind in "Latin America" Gut und Böse schon klar vordefiniert. In insgesamt fünf Missionen sammelt der Spieler unter mäßigem Zeitdruck an unterschiedlichen Orten Daten und Fakten, um damit abschließend einen wichtigen Interviewpartner in die Zange zu nehmen. Anders als im Vorgänger wird das erworbene Wissen in "Latin America" nicht mehr zu einem Zeitungsartikel verarbeitet. Die fünf Missionen sind unabhängig voneinander und in wenigen Stunden zu bewältigen. Eine durchgehende Kampagne gibt es nicht, dafür lässt sich das Gelernte mit einem Online-Nachschlagewerk vertiefen.

Global Conflicts: Latin America

Hersteller/Vertrieb

Serious Games/dtp

Genre

Adventure

Plattform

PC, Mac OS X

Preis

ca. 20,- Euro

Altersfreigabe

o.A.

Wenn Lernen auch Spaß machen soll, bekommt man von "Global Conflicts: Latin America" nur die halbe Miete. Zwar überzeugen die Missionen inhaltlich, sind aber zu kurz und reizen angesichts der kargen Aufmachung keinen passionierten Gamer, sich intensiv mit dem Programm auseinanderzusetzen. Fazit: eine verschenkte Chance für die politische Bildung.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU