"Hitman: Blood Money" Im Fadenkreuz der Auftragskiller


Moralisch fragwürdig, spielerisch spannend und grafisch aufwändig: Mit "Hitman: Blood Money" erscheint sechs Jahre nach dem Debüt des eiskalten Glatzkopfes der vierte Teil der Eidos-Serie.

Elegant gekleidet, nie um einen lockeren Spruch verlegen und präzise wie eine Schweizer Armbanduhr - Agent 47 ist der James Bond unter den Auftragsmördern. Als im Jahr 2000 der erste Teil erschien, war der lautlose Jäger mit dem Strichcode im Nacken noch eine ungewöhnliche Erscheinung auf dem Spielemarkt. Nicht nur, weil Hobby-Killer zwischen Ego- und Third-Person-Perspektive wechseln konnten. Während Zocker sich in anderen Action-Games wild durch die Levels ballern mussten wie amoklaufende Rambos, hatte der Hitman die größten Chancen auf Erfolg, wenn er möglichst lange unentdeckt agierte, sich mit fremder Kleidung tarnte, lautlos tötete und die Spuren verwischte.

Das Schleich-Action-Spielprinzip war mitverantwortlich für den Erfolg der Serie. Kein Wunder also, dass die dänischen Entwickler bei IO Interactive diesem Grundkonzept bis zum aktuellen vierten Teil treu blieben.

Feurige Geschichte

Die neue Story allerdings bringt einen zusätzlichen Dreh in das ohnehin schon turbulente Geschehen: Diesmal wird der Jäger selbst zum Gejagten. Die Auftragsagentur ICA, für die Agent 47 alias Hitman als, nun ja, sagen wir mal Aktiv-Bestatter tätig ist, verliert auf mysteriöse Weise einen Mitarbeiter nach dem anderen. Als sein Kontakt zur Agentur plötzlich abreißt, befürchtet Agent 47, die nächste Zielperson zu sein. Wie sich herausstellt, möchte eine Konkurrenz-Firma sich mit allen Mitteln etablieren und geht dabei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Eine feindliche Übernahme, wenn man so will. Der kahl rasierte Protagonist reist für seinen nächsten "Hit" in die USA...

Hitman: Blood Money

Hersteller/Vertrieb

IO Interactive/Eidos

Genre

Action

Plattform

PlayStation2, PC, XBox, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Erscheint

26. Mai 2006

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Das Tutorial versetzt den Spieler in eine ungewöhnliche Kulisse. Auf einem verlassenen Rummelplatz soll Agent 47 den Verantwortlichen für einen Riesenrad-Unfall eliminieren. Der Auftraggeber hatte dabei seinen Sohn verloren. Ganz nebenbei lernt der Spieler hierbei Strategien, die Kennern der alten Teile vertraut sind: lautloses Anschleichen von hinten, unauffälliges Entsorgen von ohnmächtigen Opfern, Verstecken im Schrank... Neu für Hitman, wenngleich aus anderen Games altbekannt, ist der Einsatz von Münzen, deren Geklimper auf dem Asphalt Gegner ablenken soll.

Technisch voll auf der Höhe der Zeit

Ein Augenschmaus im Vergleich zu den vorigen Teilen: Der Hitman bewegt sich beim Erklimmen oder Überspringen von Hindernissen deutlich eleganter und sportbegeisteter als früher. Die KI der Gegner lässt vermuten, dass die Jungs nach Teil drei auf einer Bösewicht-Uni studierten.

"Blood Money", der Untertitel der vierten "Hitman"-Folge, erklärt sich aus dem Gameplay: Je professioneller, origineller und unauffälliger der Hitman agiert, desto besser wird sein Ruf und umso mehr Geld sackt er ein. Investiert wird dieses natürlich nicht in neue Büromöbel, der Herr Agent ist schließlich meist im Außendienst unterwegs, sondern in ausgefeiltere Waffen und Gadgets. Auch wichtige Informationen zu idealen Bombenverstecken lassen sich erwerben, was den vierten "Hitman"-Auftrag im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich entschärft.

Abwechslungsreiche Schauplätze

Schön anzusehen sind die Schauplätze. Wie von den ersten drei Teilen gewohnt, haben die Programmierer sich um abwechslungsreiche und grafisch opulente Kulissen bemüht. Dazu zählen beispielsweise ein als Weingut getarntes Drogenkartell in Chile, die Villa eines Porno-Königs in den Rocky Mountains, ein mondänes Spielkasino in Las Vegas, die Pariser Oper und der Mississippi, wo Alligatoren nicht die gefährlichsten Jäger sind. Mit den Schauplätzen ändern sich auch die Art des Auftrages und die möglichen Problemlösungsstrategien, was für Langzeitmotivation sorgt. Der nonlineare Weg zum Missionsziel erlaubt verschiedene Taktiken. Außer einer: Wer ohne Sinn und Verstand in die Menge ballert, kommt nicht einmal durch die Eingangstür. Neulingen im Express-Bestattungsbusiness sei der Anfänger-Schwierigkeitsgrad empfohlen, der es ermöglicht, unbegrenzt oft zwischenzuspeichern.

Ein Hinweis für Eltern noch zum Abschluss: "Hitman: Blood Money" ist kein Spiel für jüngere Spielesemester und hat daher von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) keine Jugendfreigabe erhalten.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker