"Jules Vernes - Die Reise zum Zentrum des Mondes" Der Astronaut und sein Huhn


Kheops schießt PC-Spieler auf den Mond und lässt sie das wissenschaftsgläubige, aber dennoch verspielte Flair der Jules-Vernes-Zeit atmen.

Eigentlich möchte man nicht in der Haut von Michel Arden stecken: Mutterseelenallein schießt er in einer gigantischen Kapsel durchs Weltall und weiß nicht, ob er den Trip überleben wird. Seine beiden Kompagnons liegen tot auf den komfortablen, verschnörkelten Plüschsitzbänken im Inneren der Kapsel - der eine vergiftet, der andere erschossen. Einzig ein wenig kommunikatives Huhn begleitet Arden noch auf seiner Reise ins Ungewisse.

Zunächst gilt es für Arden, irgendwie die Sauerstoffzufuhr in der Kapsel aufrecht zu erhalten, um nicht auch das Schicksal seiner beiden Freunde zu erleiden. Dazu filzt er die beiden leblosen Körper nach nützlichen Gegenständen, holt sich aus einem Wandschränkchen, was er braucht, und entsorgt dann die Leichname etwas pietätlos durch eine Luke in die Weiten des Universums. Mit den gefundenen Accessoires gelingt es ihm nach und nach, die Ursachen für die Ereignisse zu ergründen, die ihn in seine missliche Situation gebracht haben. Erzählt wird diese Geschichte in einer Reihe von stilvollen Skizzen, die ganz das wissenschaftsgläubige, aber dennoch verspielte Flair der Jules-Vernes-Zeit atmen.

Mit den Objekten selbst, die Arden seinem umfangreichen Inventar einverleibt hat, kann er sich eine warme Mahlzeit in der Pfanne bereiten oder auch Bremsraketen für die Landung auf dem Mond basteln, indem er das Pulver aus Gewehrmunition gewinnt und es für die Landevorrichtung zweckentfremdet. Hier ist es wie in vielen anderen Fällen notwendig, Gegenstände aus dem Inventar miteinander zu kombinieren, um sie für die Lösung der Puzzles nutzen zu können. Oft fordern die Rätsel lediglich den gesunden Menschenverstand, um sie zu bewältigen. Doch manchmal tappt der Spieler trotzdem längere Zeit im Dunkeln und muss ein wenig herumexperimentieren, bevor er den Fortgang der Geschichte erleben darf. Geschicklichkeit wird allenfalls in ein paar kühnen Sprungübungen gefordert - doch auch Grobmotoriker haben hier eine reelle Chance. Der Schwierigkeitsgrad bleibt im Großen und Ganzen moderat.

Grafisch merkt man dem Spiel sofort an, dass auch hier der Wind aus der "Myst"-Richtung weht: schöne, aber meist starre und weitläufige Locations, die sich zwar rundum in Augenschein nehmen lassen, aber dem Spieler nur das Wandeln auf vordefinierten Pfaden ermöglichen. Trotzdem gestaltet sich der Verlauf nicht vollkommen linear - des Öfteren führen verschiedene Lösungswege zum Ziel.

Die "Reise zum Zentrum des Mondes" ist ähnlich arm an aufregenden Begegnungen mit anderen Charakteren wie das große Vorbild aus dem Hause Cyan. Immerhin bekommt es der Protagonist auf dem Mond mit psychedelischen Pflanzen und dem seltsamen Volk der Seleniten zu tun. Hier gilt es (wieder nach "Myst"-Manier), seltsame Symbole zu entschlüsseln und die Sprache des Mondvolkes zu erlernen, um kommunizieren zu können.

Jules Vernes - Die Reise zum Zentrum des Mondes

Hersteller/Vertrieb

Adventure Company/Flashpoint

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ohne Altersbeschränkung

Mit liebenswürdiger Schnörkelgrafik, gelungener Sprachausgabe, fairen Puzzles und einer recht unkomplizierten Point&Click-Steuerung entfaltet die "Reise zum Zentrum des Mondes" jede Menge Gründerzeit-Charme, dem nicht nur eingefleischte Jules-Vernes-Fans, sondern auch Gelegenheitsspieler erliegen dürften. Monsieur Ardens Abenteuer gestalten sich gemächlich, nie hektisch und kaum jemals wirklich aufregend - ein rundum solides Spiel für Tüftler, die statt permanenten Adrenalin-Kicks lieber Entspannung suchen.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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