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"King Kong": Ganz großes Kino

Kein affiges Merchandising-Produkt: Mit "King Kong" liefert Ubisoft eine bemerkenswerte Fusion zwischen Film und Spiel - und einen triftigen Grund, sich eine Xbox 360 inklusive HDTV-Gerät anzuschaffen ...

Der "Rayman"-Erfinder, dessen Action-Adventure "Beyond Good & Evil" das Interesse von Peter Jackson weckte, hat das Game designt. Er steigt mit echten Szenen aus der Kinovorlage ein: Ein kleines Team will einen Film auf der mysteriösen Insel Skull Island drehen. Doch es läuft von Anfang an nicht alles nach Plan. Der Spieler in der Gestalt von Drehbuchautor Jack Driscoll (im Film: Adrien Brody) kommt mit nur drei weiteren Teammitgliedern an, unter ihnen die Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) und der Regisseur Carl Denham (Jack Black).

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm: Kaum hat die Gruppe einen Fuß auf das Eiland gesetzt, greifen Riesenkrabben an, gewaltige Tausendfüßler und nervige Flugsaurier. Die Insel scheint voll von gefährlichem Getier und die Filmcrew nur ein niederes Mitglied der Nahrungskette zu sein. Während Carl schon einen Oscar wittert und unter Lebensgefahr versucht, ein paar Dinosaurier zu filmen, kämpfen die anderen mit Pistole, Speeren und Fäusten um ihr Leben.

Der Spieler verfolgt dies alles aus der Ego-Perspektive. Die Steuerung ist auf allen System recht einfach gehalten. Ungewöhnlich ist jedoch, dass auf dem Bildschirm keinerlei Lebens- oder Munitionsanzeigen zu sehen sind. Werden Jack oder seine Kameraden im Kampf von Dinosauriern gebissen, beginnt der Bildschirm rot zu pulsieren und die Umgebungsgeräusche verblassen. Stattdessen hört man virtuelle Herzen höher schlagen und aufgeregtes Atmen. Überlebt Jack die Attacke, regeneriert er sich nach kurzer Zeit wieder vollständig. Häufige Speicherpunkte wirken zudem dem Frust entgegen.

Der Kampf gegen die Urtiere und Dinosaurier erweist sich als recht knifflig, denn Munition für Pistole, Schrotflinte oder Scharfschützengewehr ist knapp. Sehr knapp sogar. Nicht selten bleiben nur die an verschiedenen Punkten aufgestellten Speere oder Knochen, die ebenfalls als Wurfgeschoss genutzt werden können. Wer seinen Speer zuvor in eine Feuerstelle gehalten hat, darf widerspenstiges Unterholz und darin lebende Dinos kurzerhand abfackeln. Leider sind brennende Dornbüsche die einzige Form von Rätseln im Spiel und nicht gerade eine Offenbarung. Aber Zeit, darüber nachzudenken, bleibt ohnehin nicht.

Wie im Film hat irgendwann King Kong seinen brachialen Auftritt. Die Eingeborenen der Insel, die Ann eigentlich opfern wollten, haben bei dem Riesengorilla aber ganz andere Gefühle geweckt. Statt Ann zum Abendessen zu verspeisen, verliebt er sich in die zierliche Blondine. Das führt dazu, dass der Spieler auch den Affenkönig steuern darf. Mit Kong lässt sich der Dschungel richtig aufmischen, auch T-Rex, Velociraptor und Co. bekommen nun eins auf die Mütze. Gegen die war Jack Driscoll nämlich vorher nahezu machtlos.

Der Spieler wird nicht die ganze Zeit auf Skull Island verbringen, die Geschichte führt ihn zum Ende hin nach New York und schließlich zum großen Showdown aufs noch größere Empire State Building. Dies funktioniert in einem atemberaubenden Tempo. Es bleibt kaum Zeit, eigene Überlegungen anzustellen oder verschiedene Lösungsansätze für ein Problem anzuwenden. Stattdessen wird der Spieler von einer Film- zur nächsten Kampfsequenz geschickt. Diese extreme Linearität von "King Kong" könnte Zocker stören, die Skull Island lieber auf eigene Faust erkundet hätten. Sie garantiert aber auch, dass man stets im Handlungsverlauf des Films integriert bleibt und sich auch nicht verlaufen kann.

King Kong

Hersteller/Vertrieb

Ubisoft/Ubisoft

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2, PC, XBox, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Peter Jacksons Plan, eine exzellente Filmumsetzung zu liefern, ist dennoch geglückt. "King Kong" fasziniert als Videospiel genauso wie im Kino. Vor allem, wenn man einen potenten PC oder eine Xbox 360 nebst HDTV-Fernseher und Surround-Anlage sein Eigen nennt. Schnelle Action gepaart mit einer filmgleichen Grafik, die (zumindest bei PC und Xbox 360) nicht mal kleinste Härchen an Kongs Hintern auslässt, und spannender Handlung - so sollte Videospiel-Unterhaltung im 21. Jahrhundert aussehen. Fehlen nur noch ein paar anständige Rätsel ...

Christian Pfeiffer/Teleschau / TELESCHAU