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"Lost Planet: Extreme Condition": Wahrer Kunstschnee

Auch im milden Winter ein zuverlässiger Schneelieferant - "Lost Planet: Extreme Conditions" heißt der neue Action-Kracher für die Xbox 360, bei dem es vornehmlich um zwei Dinge geht: Feuer und Eis.

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Wayne Holden. Wayne will Rache nehmen - an den Akriden-Aliens im Allgemeinen und einem besonders fiesen Exemplar, "Green Eye" genannt, im Speziellen, weil dieser seinen Vater getötet hat. Auf einem verlorenen Planeten unter extremen Bedingungen, wie Name und Untertitel bereits verraten.

Der erste Eindruck ist leicht enttäuschend. Zu Unrecht, wie sich aber erst später herausstellt. Die einführenden Cut-Scenes und die ersten In-Game-Szenen sind zwar eines Next-Gen-Titels würdig, aber eher durchschnittlich. Das liegt einerseits daran, dass der heftigste Schneesturm der Spiele-Historie nicht nur die Orientierung erschwert, sondern auch die Beurteilung der Grafik. Hinzu kommt, dass man in anderen Spielen schon detailliertere Texturen gesehen hat.

Später kommt die Grafikpracht

Sein wahres optisches Potenzial entfaltet "Lost Planet" erst, wenn man sich ein gutes Stück weit durch den Eisplaneten gekämpft hat: Spätestens in der lavadurchströmten Höhle, die den Aliens als Brutstätte dient, wird deutlich, was für optische Leckerbissen der Titel zu bieten hat. Dank beispielloser Tiefenschärfe, realistischer Physik-Engine, dynamischem Licht und den flüssigen Animationen des Protagonisten und der Gegner taucht der Spieler intensiv in eine andere Welt ein.

Das Level-Design und die Monster-Kreationen sind eines SF-Blockbusters würdig und wären eine prima Vorlage für "Starship Troopers on Ice". Verlassene Fabrikgelände, Gebäude-Ruinen und Fahrzeugwracks zeugen von einer verlorenen Zivilisation. Das Endzeit-Szenario im ewigen Eis ist bevölkert von gigantischen Insekten, fliegenden Riesen-Fischgräten und anderem ekligem Ungeziefer. "Kleinere Akriden verraten oft die Position von sehr viel größeren Akriden" ist möglicherweise der letzte Warnhinweis, bevor man in einer Eiswüste von einem hochhausgroßen Schneewurm verschlungen wird, der sich unter Getöse aus dem Eis freischaufelt. Jedes der zwölf Level wartet mit mindestens einem Bosskampf auf - gigantische Motten und Kellerasseln inklusive. Die Dinger aus dem Eis wirken extrem lebensecht, dreidimensional und beeindruckend groß. Außerdem machen Schneepiraten, eine geheime Organisation und zahlreiche Story-Wendungen dem Spieler das Leben im Lauf der Solo-Kampagne schwer.

Auch der Sound ist vom Feinsten: Der orchestrale Musikteppich im Stil eines großen Science-Fiction-Epos wird begleitet von perfekten Soundeffekten. Man merkt den plastischen Sounds an, mit wie viel Liebe zum Detail die Macher daran gearbeitet haben.

Intergalaktischer Kammerjäger

Angesichts von so viel Augen- und Ohrenschmaus vergisst man schnell, dass das Spielprinzip recht archaisch ist: ballern auf Riesen-Insekten. Diese haben meist eine Schwachstelle, die gnädigerweise orange leuchtet. Dem intergalaktischen Kammerjäger stehen dabei nicht nur Faustfeuerwaffen zur Verfügung, die er - in klassischer Ballerspiel-Manier - unterwegs findet, wobei hier die Frage erlaubt ist: Wer hat die da eigentlich versteckt? Der Schneehase? Im Cockpit einer "Vital Suit" (VS) genannten Stahl-Montur mutiert Wayne zum unkaputtbaren Kampf-Roboter, der durch den Schnee stampfen und schweben kann. Mit einem einfachen Knopfdruck lassen sich die Vital Suits - je nach Modell - zudem in Schneegleiter oder Panzer verwandeln. Ein weiterer Clou: Die Waffen eines VS sind abtrennbar, sodass Wayne auch als Fußsoldat schwere Geschütze nutzen kann. Die Feuergewalt wird optisch imposant umgesetzt, inklusive der bislang beeindruckendsten Rauchwolken der Spielegeschichte.

Lost Planet: Extreme Condition

Hersteller/Vertrieb

Capcom/Capcom

Genre

Action

Plattform

Xbox 360

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Auch für Online-Zocker ist "Lost Planet" ein Feuerwerk vom Feinsten. Witzige Idee beim Multiplayer-Gaming: Stimmeffekte lassen den Spieler per Headset klingen wie ein Alien oder ein Roboter. Diverse Modi stehen auf "Xbox Live" zur Wahl - von "Team-Eliminierung" über "Flüchtling" (einer gegen alle) bis hin zum taktischen "Stationen besetzen". Bis zu 16 Zocker dürfen dabei aufeinander losgehen.

Fazit: Für Shooter-Fans ist die Schlacht auf dem verlorenen Planeten trotz eiskalter Szenarien, kleiner Übersichtlichkeitsprobleme und teils bockschwerer Bossfights wärmstens zu empfehlen.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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