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ENERGIE: Strom aus Gülle, Holz und Stroh?

Hobelspäne, Rapsstroh und Rindergülle gelten allgemein als Abfall. Doch gleichzeitig sind es auch nachwachsende Rohstoffe, die bald einen Teil der Energieerzeugung abdecken könnten.

Hobelspäne, Rapsstroh und Rindergülle gelten im Allgemeinen als Abfall. Doch für Hans-Gerd Brandt sind es nachwachsende Rohstoffe, die schon in wenigen Jahren bis zu zehn Prozent unserer Wärme- und Stromerzeugung absichern könnten. Noch interessanter ist für ihn die stoffliche Nutzung dieser so genannten Biomasse, beispielsweise von Schafwolle und Maismehl als Dämmstoff. Als Landwirt und stellvertretender Vorsitzender im Magdeburger Beratungs- und Informationsservice für Nachwachsende Rohstoffe in Sachsen-Anhalt (BIS Narossa e.V.) ist Brandt ein Experte auf diesem Gebiet. »Und diese Entwicklung hat Zukunft.«

Biomasse derzeit erst am Anfang

Momentan wird bundesweit erst etwa ein Prozent des Bedarfs an Wärme und Strom aus Biomasse gewonnen. Um über die vielfältigen Möglichkeiten zu informieren und die nachwachsenden Rohstoffe einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, werden in der kommenden Woche in 23 Ländern die Europäischen Biomasse-Tage veranstaltet. Geplant sind Fachvorträge und »Tage der offenen Tür« in Biogasanlagen, Holzkraftwerken, Laboren, Dämmstoffwerken oder auch auf Mülldeponien.

Ideal für nachwachsende Rohstoffe

»Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht nur zeitgemäß, sondern haben sich längst und zu Recht am Markt etabliert«, sagt Umweltministerin Petra Wernicke (CDU). Sie will deshalb in der kommenden Woche eine Studie zur Biomassenutzung im Land vorstellen. »Wir wollen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe vorantreiben.« Holz und Gülle können in Holzheizungen und Biogasanlagen verwendet werden. Autos fahren mit Biodiesel. Aus Stroh wird alternatives Verpackungsmaterial. »Die Biomassenutzung soll sich zu einem festen Standbein in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch im Maschinen- und Anlagenbau entwickeln«, ist Wernicke optimistisch.

Geschäftserfolg mit Kompostierbarem

»Kernkompetenzen bei nachwachsenden Rohstoffen bestehen im Land in den Bereichen Pflanzenöl, Stärke- und Biogasnutzung«, berichtet Brandt. So produziert die Compopure Stärke AG in Emseloh (Landkreis Sangerhausen) seit 1996 aus Kartoffelstärke, Weizenmehl sowie Fasern von Holz und anderen Pflanzen kompostierbares Einweggeschirr, - besteck und -becher. »Da wir auch Mülltüten aus unserem Bio- Kunststoff herstellen, könnten wir sogar in Naturschutzgebieten wie auf dem Brocken die umweltfreundliche Versorgung von Feiern absichern«, sagt Geschäftsführer Reinhard Lindner. Die Emseloher liefern auch nach Dänemark, Frankreich, Österreich und in die Schweiz.

Biomasse wächst vor der Haustür

Als rohstoffarmes Land ist Deutschland weithin auf den Import fossiler Energieträger wie Öl und Gas angewiesen. »Biomasse wächst dagegen vor der eigenen Haustür«, sagt Brandt. Gerade auf dem Lande gibt es mittlerweile gute Erfahrungen mit der Biogas-Erzeugung. »Im Prinzip wird einfach nur Gülle unter Luftabschluss vergoren«, sagt der Experte. »Dieses Gas besteht überwiegend aus Methan und Kohlendioxid. Es wird in einem Gasmotor verbrannt und erzeugt Strom und Wärme.« Damit beheizen Bauernhöfe nun kostengünstig ihre Ställe und erzeugen Warmwasser.

In den Ofen statt auf die Deponie

Auch Hobelspäne, Sägemehl, Baumrinde und andere Holzreste aus der Forstwirtschaft müssen nicht auf der Deponie landen. Diese werden zu so genannten Pellets gepresst und eignen sich als Brennmaterial für moderne Holzöfen. »Besonders in waldreichen Gebieten wie Bayern oder Thüringen gibt es bereits sehr fortschrittliche Holzkraftwerke und moderne Holzöfen für Privathaushalte«, so Brandt. Auch in Sachsen- Anhalt wird die Technologie bereits angewandt. Beispielsweise beheizt die Magdeburger Varioboard GmbH auf diese Weise ihr Spanplattenwerk. Chancen für Holzheizungen sieht Brandt künftig vor allem in Harz, Fläming und Altmark.